2.Spieltag: FSV Hansa 07 II – DJK Roland Borsigwalde 2:3 (0:1)

„Spielverderber“ heisst ein Dokumentarfilm über die Zunft der Schiedsrichter. Dort ist die Rede vom 23.Mann, der zwischen den Stühlen sitzt und dem entweder von 11 oder gar von allen 22 Mann – von den Anhängern hinter den Banden ganz zu schweigen – die Pest an den Hals geschwünscht wird. Wer so allein dasteht, wird schnell zum „schwächsten“ Mann auf dem Platz. Dabei ist der einsame Kämpfer mit der Pfeife meist da, um zu vermeiden, dass erwachsene Männer ein Spiel zu ernst nehmen und sich lieber die Köpfe einschlagen, als Fußball zu spielen. Wie oft einem Spielleiter dies zu verhindern gelingt ist doch eigentlich schon bewundernswert! Manchmal geht es natürlich auch schief und ab und an trägt der Unparteiische durch fehlendes Fingerspitzengefühl, mangelhafte Übersicht oder übertriebene Machtausnutzung auch dazu bei ein Spiel zu zerstören.

Dann schlägt die Stunde der Geschlagenen, die ihre Wut an der „Pfeife“ auslassen. Klar ist, der Schiri ist immer schuld!!! Bekomme ich den Freistoß nicht, war der gegnerische Fuß eine Nuance gestreckter als meiner oder der Einwurf mal sowas von nicht regelkonform, es gibt tausend Gründe, dem Mann in schwarz, grün, rot, gelb, grau-orange oder was auch immer, die Schuld am eigenen Versagen zu geben. „Hätte er da nicht Eckball entschieden, das Tor wäre dreissig Minuten später sicher nicht gefallen!“ Da wird der Fangzaun hinter dem Tor aus Scham zur Klagemauer.

Am Sonntag empfing die FSV Hansa den 11:0-Auftakttabellenführer DJK Roland-Borsigwalde zum Duett in der Wrangelritze. Nach dem ersten Sieg in Treptow wollte Hansa den zweiten Dreier einfahren und so einen perfekten Start hinlegen. Doch Roland Borsigwalde war nicht gewillt klein beizugeben und so entwickelte sich von der ersten Minute an ein kampfbetontes, ruppiges, doch nie unfaires Spiel. Es dauert ganze 92 Sekunden ehe Henning Steinfeld als Erster den Gelben Karton anblickte. Der Schiedsrichter griff gleich konsequent durch! Ein Spiel bekamen die Zuschauer, Ersatzspieler, BetreuerInnen und Trainer nur selten zu sehen. Passstafetten und Kabinettstücken waren auf den Frühstückstischen wohl liegen geblieben. Roland Borsigwalde zeigte die technisch bessere Spielanlage, Hansa hielt mit Willen dagegen. Immer wieder kam es zu engen Zweikämpfen und zu oft aus Sicht der Spieler von Hansa entschied der Spielleiter zu Gunsten des Gastes. Je mehr der Schiri ins Spielgeschehen eingriff desto unbeherrschter wurden die Reaktionen von Hansa.

Dann fiel auch noch das 0:1! Ein Freistoß – diesmal wahrlich nicht diskussionswürdig – aus halbrechter Position wurde listigerweise flach in die Mitte gebracht, wo der quirlige Willert Richtung kurzen Pfosten flitzte und die Kugel versenkte. Ein cleverer Trick, eine überlistete Hansa-Abwehr! Bis zur Pause passierte nicht mehr viel – außer einer weiteren gelben Karte für Hansa. Ohne Tor, aber mit vier Verwarnungen gings in die Kabine.

Dort stellte der Trainer unmissverständlich klar, dass der Rückstand nicht an den unwichtigen, leicht strittigen Entscheidungen des Schiedsrichters fest zu machen war, sondern an der fehlenden Spielentwicklung und dass die Mannschaft zwanzig Minuten lang damit beschäftigt war, sich über den Schiri zu ärgern, statt sich auf das Spielgeschehen zu konzentrieren. Kaum war das Spiel angepfiffen, sorgte ein weiterer Pfiff des Schiedsrichters für Ungemach. Wieder gab es Freistoß aus halbrechter Position, wieder kam der Ball flach in die Mitte, wieder war ein DJK-Spieler pfiffiger, wieder war der Ball im Netz – 0:2! Jetzt verlor Hansa vollends die Nerven. Bälle wurden gebolzt, Schiri-Entscheidungen nicht kommentiert, sondern bebrüllt, das ganze Team geriet in Rage. Ärger und Wut sind negative Emotionen, die nicht nur auf dem Fußballplatz für unbesonnenes Handeln sorgen. Pablo Gorelik, bereits wegen Ballwegschlagens Gelb belastet sah sich veranlasst bei seiner Auswechslung in der 53.Minute etwas über die Leistung des Unparteischen zu sagen, was dazu führte, dass, ehe er den Platz verlassen hatte, die zweite Verwarnung folgte und der daraus resultierende Platzverweis den Wechsel platzen ließ! Ein Ereignis, welches jedem Trainer den Kamm schwellen lässt!

Hansa also nur noch zu Zehnt und knapp acht Minuten später auch mit drei Toren im Rückstand. nach einem langen Ball enteilte erneut Willert der Hansa-Abwehr, widersetzte sich auch dem letzten Rettungsversuch von Alexander Boll und schob den Ball an Torhüter Rico Selk vorbei zum 0:3 ins Tor. Die Entscheidung. Beide Trainer nutzten diesen Spielstand nun zum Wechseln. Hansa brachte Linus Ralling, der mehr Schwung in die Aktionen bringen sollte, während Roland Borsigwalde auf Routiniers setzte, die wohl mit Abgeklärtheit den Spielstand verwalten sollten. In der 73. Minute segelte ein Einwurf von Hasan Bektas an Freund und Feind vorbei und landete beim eben eingewechselten Linus Ralling, der den Ball aus Sechzehnmetern per Dropkick in den linken Winkel beförderte. Der Ehrentreffer und Ergebniskosmetik. Nein! Plötzlich erwachte der Kampfgeist der Hanseaten neu. Die Aktionen wurden nun wieder sicherer und die Angriffe kontrollierter. Eine schlecht abgewehrte Ecke landete vor den Füßen von Alexander Boll, dessen trockener Linksschuss (!) flach im Eck einschlug. Anschlußtreffer! Nun brannte das Spiel wieder. Hansa wollte jetzt noch den Punkt retten und die Gäste kamen mächtig ins Schwitzen. Doch mehr als eine Halb-Chance – erneut für Linus Ralling – kam leider nicht mehr heraus. Der Schiri pfiff ab und was am Ende übrig blieb war die Erkenntnis: Schiedsrichter verlieren kein Spiele und sind keine Spielverderber!

Aufstellung: R.Selk – Steinfeld, Fischer, Boll, T.Gladis (75.Lauer) – Giese (68.Ralling), Emmerling, Gorelik, Schumann – H.Bektas, Altmann

Tore: 0:1 Willert (23.), 0:2 Akgetik (49.), 0:3 Willert (63.) 1:3 Ralling (73.,Rechtsschuss,H.Bektas), 2:3 Boll (80.,Linksschuss)

Karte/n (gelb): Steinfeld, Fischer, T.Gladis (Foulspiel), H.Bektas, Lauer (anlegen mit dem Gegner), Gorelik (Ballwegschlagen)

Karte/n (gelb-rot): Gorelik (53., Meckern)

Spieler des Spiels: Linus Ralling – brachte der Hansa-Kogge noch mal frischen Wind und erzielte ein sehenswertes Tor.

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17 Responses to Wer den Pfiff nicht ehrt…

  1. Ben sagt:

    Schön geschriebener Bericht, wobei der Schiri teilweise wirklich die Souveränität vermissen ließ. 🙂

    Nächste Woche gegen ein bisher uneschriebenes Blatt…im Pokal w/ Nichtantreten ausgeschieden und noch kein Liga-Spiel.

  2. christian sagt:

    sehr schöner bericht! ich hab ja nur einen teil des spiel gesehen, anscheinend den guten teil aus hansa-sicht. aber auch da konnte man den eindruck eines disziplin-problems bekommen… leute, dass habt ihr nicht nötig!!

  3. roman sagt:

    seh ich anders

  4. marc sagt:

    @roman: why?

  5. Laszlo sagt:

    schade, dass es zum punkt nicht mehr gereicht hat. aber sehr lesenswerter artikel.

  6. christian sagt:

    @roman: was siehst du anders?

  7. roman sagt:

    nun, der schiri ist ne arme sau – keine frage.
    und mit 2, 3 hanseaten muss INTERN gesprochen werden…
    nicht aber mit der gesamten Mannschaft. Der größere Teil der Truppe hat sich meiner Meinung nach gestern durch Einsatz und Moral ausgezeichnet!!!
    Zu zehnt 0:3 hinten, und am ende bei den temperaturen fast noch den ausgleich geholt – dafür RESPEKT an alle die auf dem Platz waren. Ich erinnere an dieser Stelle gerne an ähnliche Partien in der letzten Saison (oder Vorbereitung) die dann mal schnell 0:8 oder ähnlich katastrophal endeten.

    Von daher sind wir auf einem guten Weg und ich freue mich auf die nächste Partie mit Euch

  8. marc sagt:

    @roman: klar sind wir auf einem guten weg, aber klar ist auch, dass wir uns gestern selbst stärke geraubt haben, in dem 7 von 11 spielern mit dem schiri beschäftigt waren!

  9. Dirk sagt:

    @Marc: Netter Bericht. Was meiner Meinung noch fehlt ist die vergebene Großchance kurz vorm 0-1 von Hasan. Wenn der gesessen hätte, wäre das Spiel sicher anders verlaufen. Die Abwehr von DJK war den Großteil der ersten Hälfte so dermaßen verunsichert, dass hätte man ausnützen sollen.(ich weiß…von der Bank aus hat man gut reden ;-))

    Die Offensive vom Gegner fand ich sehr stark,allerdings fand ich hat man gesehen, dass DJK von unserer anfänglichen Spielweise unangenehm überrascht war…Naja hätte wenn und aber…drauf geschissen…unser Kreuzberg-Bomber Hasan macht dafür nächstes Spiel vier Buden..fertig.

    Was mir auch wieder aufgefallen ist, dass die Kommunikation anfangs gestimmt hat, mit Dauer des Spiels aber immer mehr abnahm, die Schiri und Gegner Kommunikation lasse ich mal außen vor(die war nicht zu toppen ;-)) Vorbild sollte für uns nicht nur in diesem Punkt die 1. Herren sein, die, wie mir gestern aufgefallen ist, miteinander im ständigen Austausch stehen. Aber das packen wir auch noch.

    Zu Pablo ist genug gesagt. Mund abwischen, Sperre abbrummen, weitermachen. Wobei…doch an dieser Stelle möchte ich mal eine Lanze für ihn brechen. Wenn der Schiri seinen komischen Kartenstiefel konsequenter durchgezogen hätte,wäre das Spiel für DJK niemals zu elft ausgegangen. Das man aufgrund so einer Unsportlichkeit (oder besser Unfähigkeit) seitens des Schiris ausflippt wenn man immer wieder ungeahndet auf die Knochen bekommt ist zum Teil für mich verständlich, gut während der Auswechslung ist****…aber das hatten wir ja schon.

    @Christian: Fehlende Disziplin kann man ankreiden, allerdings gibt es auch hier wieder ein Aber. Ich muss mir von einem Gegner nicht alles gefallen lassen, erst recht nicht wenn der Schiri tatenlos nebenan steht. Dann gibt es eben beim nächsten Zweikampf ne Portion Knochenschmerzen extra oder auch ne verbale Schelle. Bei einem guten Schiedsrichter hätten wir für unsere nette Unterhaltung Rot gesehen. (Hätte mein Debut abgerundet). Aber 😉 im Grunde stimme ich dir zu.

    Nichtsdestotrotz denke ich, können wir stolz auf die Leistung sein. DJK wird alles, nur eines nie wieder: HANSA UNTERSCHÄTZEN!

    Just my two Cents…

  10. christian sagt:

    @dirk: gewisse verhaltensweisen gehören sich dennoch nicht im hansa-trikot. wenn der gegner einen beleidigt darf man gerne antworten. aber doch bitte nicht auch wieder mit einer stumpfen beleidigung. wenn der gegner nachtritt ist das doch auch kein freibrief danach ebenfalls nachzutreten. sondern möglicherweise körperverletzung. und über argumentationen der art „der hat aber angefangen“ sind wir doch wohl hinaus.

  11. Dirk sagt:

    @Christian
    So ein Verhalten gehört sich generell nicht beim Sport. Ist Gesetz. Genauso wie das auf eine Aktion eine Reaktion folgt. Das man sich, der Mannschaft und dem Spiel mit einer (un)angemessenen Revanche keinen Gefallen tut, zeigt nicht nur das Beispiel Zidane und ist wohl allen bewusst. Dennoch denke ich, das es nur menschlich ist(nicht sportlich, nur menschlich), wenn man bei Disses gegen die Mutter nicht auf den Igno-Knopf drückt.

    Im Normalfall(sprich nicht aufn Platz bei gefühlten 40 Grad und einem knappen Rückstand im ersten Heimspiel gegen den haushohen Favoriten bei zehn verbleibenden Minuten) juckt mich das nicht im geringsten was irgendein kaputtes Halbhirn zu mir faselt. Und auch aufn Platz sollte es mich nicht jucken.

    Ich weiß….aber einfach ist es manchmal nicht.

    By the way: Mein „Gesprächspartner“ und ich haben uns noch während des Spiels gegenseitig entschuldigt und unmittelbar danach sportkameradschaftlich und augenzwinkernd die Hand gegeben. So muss Fußball sein.

  12. eric sagt:

    whoa…amigos. coole bericht marc. schade vom ergebniss jungs, hart zurückgekämpft. aber was ist hier der spielbericht? die 13 kommentare oder was drüber steht?
    ich hab keinen tipps und tricks für gegner die ständig foulen oder provozieren. hauptsache man konzentriert sich auf’s spiel und wird nicht irritiert (let the football do the talking)…(was bei mir gestern leider nicht der fall war…muss ich zugeben) ahoy!

  13. rico sagt:

    Es war halt ein durkussionswürdiges Spiel. Mir wären 20 oder sogar 100 Kommentare nach dem Spiel lieber als die unzähligen auf dem Platz.
    Ich hab da auch schon nen Therapievorschlag: Jeder sollte mal selber ein Spiel pfeifen, egal ob Kreisliga, Uniliga oder ein Trainingsspiel. Da hat man nämlich mal ein Gefühl dafür, was es heißt in dieser Liga Schiri zu sein. ich habs letzte Saison mal machen müssen (1. Uniliga). Seit dem kommentier ich zumindest nicht mehr jede entscheidung. 😉

  14. christian sagt:

    @rico: schiedsrichterversteher!! 😉

  15. Ben sagt:

    Dirk schreibt auf jeden Fall den nächsten Spielbericht. 😉

  16. Dirk sagt:

    @Ben schaun mer mal 😉

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