3. Hauptrunde Berliner Pilsener Pokal: SC Charlottenburg – FSV Hansa 07 II 1:0 (1:0)

Autor: Sebastian Bialon

#Pokalfight #Wildkot #engagiert #unglücklich

Dass dies kein einfaches Pokalspiel werden würde, wussten Mannschaft und Trainer schon im Vorfeld. Hansas Zwote trat am 17.11.2013 in der 3. Hauptrunde des Berliner Pilsener Pokals gegen die 2. Herren des Bezirksligisten SC Charlottenburg an. Dass sich allerdings bereits die Anreise als erste Hürde entpuppt, das war dann doch überraschend. Trainer Göritz und drei seiner Spieler hatten die Ausfahrt verpasst und waren zum vereinbarten Zeitpunkt immer noch auf der AVUS Richtung Potsdam unterwegs, während der Rest der Mannschaft schon zum Warmlaufen bereit war. Als das französische Navi die Verirrten über Waldwege zurück nach Berlin führen wollte, spätestens dann war klar: Das wird nicht leicht heute!

Nichtsdestotrotz standen die Chancen für Hansas Zwote nicht schlecht. In Staffel 2 der Kreisliga B steht sie auf dem 2. Tabellenplatz, hat drei Siege in Folge eingefahren und in der letzten Pokalrunde die höherklassige Mannschaft von Concordia Wilhelmsruh ausgeschaltet. Der Gegner aus Charlottenburg hingegen steht auf einem Abstiegsplatz in der Bezirksliga. Hansas Kader war ausreichend besetzt, um in diesem Spiel mithalten zu können. Lediglich Spielertrainer Engel und der Knipser von Kassel, Hausmann, der in den letzten vier Spielen jeweils doppelt traf, fehlten. Nicht zu vergessen: ein samtweicher, gepflegter Rasenplatz wartete darauf, beackert zu werden. Tatsächlich, im Vergleich zu den zahlreichen stumpfen Betonkunstrasenplätzen Berlins und den hügeligen Äckern zwischen Eifel und Hunsrück war der Platz ein Traum, Prädikat „besonders gelenk- und rückenschonend“. Lediglich die umherliegenden Kothäufchen, die von einem Hanseaten fachmännisch als „Wildkacke“ identifiziert wurden, trübten die Vorfreude aufs Geläuf.

Spitzenfussball auf vollgeschissenem Rasen im Eichkamp

Das Spiel begann mit der ersten Aktion für Hansa. Alex kam nach einem Zuspiel von Behrendt über die linke Seite, die Hereingabe schaffte es allerdings nicht bis zu den Stürmern. Ein erstes Warnschüsschen, bei dem es auch erstmal blieb. Hansa wartete ab und machte in einem 4-2-2 vor allem die Mitte zu und lenkte die Angriffe des Gegners konsequent auf die Außenbahnen. Die präzisen langen Bälle der Charlottenburger konnten dank einer stabilen Hansa Hintermannschaft um das Duo Stürmer/Kohl jedoch keine Gefahr ausrichten. In den Folgeminuten hatte der Gegner dann doch Oberwasser. Über physische Präsenz, Reaktionsschnelligkeit und recht ansehnliches Zusammenspiel kommt Charlottenburg, vor allem durch Stürmer Kerimoglu zu Chancen.

Hansa versucht zu antworten und zeigt ihrerseits physische Präsenz. Die Zweikämpfe werden jetzt entschlossener geführt. Leider lässt Hansa im Spiel nach vorne die letzte Konsequenz in ihrem bisher erfolgreichen Kurzpassspiel vermissen, so dass nur eine nennenswerte Aktion erspielt werden konnte: Starke Balleroberung von Kastner, Doppel-Doppelpass mit Bialon, der in den Strafraum zu Hoss in den Lauf, dem der Ball auf dem Weg zum Tor wegen der Wildkacke verspringt. Ansonsten folgen noch drei Freistöße für Hansa, die allesamt im Grunewald landen…bis auf einen… der landet nämlich am Fuß eines Charlottenburgers, der postwendend den Konter einleitet. Hansa agiert ein wenig ungestüm als der gegnerische Mittelstürmer dann in den Strafraum eindringt: Pfiff, Elfmeter, 1:0. Das blieb dann auch der Höhepunkt einer durchwachsenen ersten Halbzeit mit vielen Einwürfen, Freistößen sowie Fehlpässen auf beiden Seiten und kaum Torchancen, dafür umso intensiver geführten Zweikämpfen.

In der zweiten Halbzeit ein ähnliches Bild, aber eher zu Gunsten der Hansa, die jetzt früher den Gegner im Aufbauspiel stört und die gegnerischen Verteidiger zu Fehlern zwingt. Die langen Bälle aus der Charlottenburger Hälfte kommen nicht mehr ganz so präzise und Hansa schafft es im Mittelfeld, ein bisschen mehr Kontrolle über das Spiel zu bekommen. Mit einem offensiven Doppelwechsel in der 60. Minute (Netz/ Jeannest für Relitz/ Hoss) gewinnt das Spiel, vor allem durch den sehr agilen Jeannest an Fahrt. Hansa schafft es fortan besser über die Außenbahnen in Strafraumnähe zu kommen. Eine Hereingabe durch Jeannest über die linke Seite auf den ersten Pfosten wird von einem Charlottenburger nur knapp vor Stürmer Bialon geklärt. Hansa rückt nun noch weiter vor, so dass Charlottenburg sich aufs Kontern beschränkt und dabei sogar zweimal gefährlich zum Tor durchkommt. In den 1 gegen 1-Situationen bleibt Torhüter Hertel jedoch souveräner Sieger.

Kurz vor Abpfiff hat Hansa dann noch mal ihre klarste und eigentlich einzige „echte“ Torchance. Ein von Behrendt getretener Freistoß aus dem Halbfeld senkt sich auf Höhe des Elfmeterpunktes, die Abseitsfalle bei Charlottenburg funktioniert nicht und drei Hanseaten stehen zum Kopfball bereit… Doch leider sind sich die drei nicht einig, wer das Ding ins Tor hauen soll und so wird entschlossen übers Tor geköpft.

Kreisligist Hansa bietet dem Bezirksligisten aus Charlottenburg die Stirn, spielt engagiert, aber letztendlich unglücklich und zu nervös. Es war kein schönes, aber ein spannendes Spiel an diesem hässlichen grauen Novembertag. Die Verlängerung wäre durchaus verdient gewesen und mit ein bisschen Glück sogar der Einzug ins Achtelfinale.

Trainer Göritz wies vor dem Spiel darauf hin, dass man sich durch eigenes Ungeschick nicht verunsichern lassen soll, Devise „A**** lecken und weiter“.  Die Zwote wird dem Folge leisten, das Spiel abhaken und in den nächsten drei Spielen gegen direkte Verfolger um den Verbleib auf einem Aufstiegsplatz kämpfen.

Aufstellung:
Hertel – Bublak, Stürmer (C), Kohl, Schmidt (80. Winkler) Kastner, Relitz (60. Netz) Behrendt, Alex, Hoss (60. Jeannest), Bialon

Spieler des Spiels: die mitgereisten verletzten Hoffmann, Schindler, Rehwinkel

Tore:
1:0 Kerimoglu (23. FE)

[ratings]

 

One Response to „A**** lecken und weiter“

  1. shams sagt:

    Haha, schön gesagt mit der Wildkacke. Grätschen macht da besonders Spaß 😉

    Grüße aus Charlottenburg und viel Erfolg weiterhin.

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