BSV Victoria Friedrichshain II – FSV Hansa 07 II 2:9 (1:5)

von Marc Nutsch

Verrückte Spiele mit Beteiligung der Zweitvertretung der Hansaherren ist der Zuschauer durchaus gewohnt. Allein in dieser Saison stellten die Hanseaten die Rekorde für den höchsten Sieg, das torreichste Unentschieden und der höchsten Niederlage seit Zugehörigkeit zur Kreisliga B auf. Am vergangenen Wochenende kam dann ein weiteres Highlight dazu.

Im Hinspiel hatte Hansa es nicht geschafft gegen den Tabellenletzten ein Tor zu erzielen. Ein mageres Nullzunull stand am Ende auf der Anzeigentafel. Die Erinnerungen an das Spiel waren entsprechend auch sehr umnebelt, bis gar nicht mehr vorhanden. Selbst Trainer Nutsch hatte unter dem Spiel ein ganz anderes (das 5-2 gg. Marzahn) auf seiner Hirnplatte abgespeichert. Dementsprechend musste die Motivationsansprache spontan umgebaut werden. So besann man sich auf das Salz in der Fußballsuppe: Das Toreschiessen! Darin zeichneten sich die Haseaten in dieser Saison weder im Training, noch im Spiel wirklich aus. Darum bat der Trainer um höchste Konzentration und eine gewisse instinktgesteuerte Selbstverständlichkeit beim Abschluss.

Spiel Hansa II

Foto mit Seltenheitswert I: Victoria in Hansas Strafraum

Vom Anpfiff weg zeigte sich, dass Hansa das klar bessere Team war. Die Gastgeber rangen mit sich und ihrer Defensivorganisation. Das Abwehrzentrum des Tabellenschlusslichts war so sehr mit verbaler Organisation bemüht, dass alles andere zu kurz kam. Hansa wars Wurscht und setzte den Gegner unter Druck. Eine erste Großchance, nach schönem Spielzug über die rechte Seite, ließ Seyed noch liegen, aber fünf Minuten später klingelte es erstmals. Einen Eckball bekamen die Hausherren nicht geklärt, so dass Rafik den Ball elf Meter vor dem Tor kontrollieren konnte, ihn gut abschirmte und dann mit links aus der Drehung abzog. Ein Abwehrbein fälschte unglücklich ab und der bereits am Boden liegende Torwart konnte nur noch mit großen Augen zusehen, wie das Spielgerät über ihn hinweg schnippisch lächelnd ins Netz hüpfte. Führung Hansa in Minute 13. Und weiter ging die wilde Fahrt. Fast hätten sich Seyed und Niklas bei einem schnellen Angriff über links über den Haufen gerannt, aber sie taten es nicht und am Ende passte Seyed von der Grundlinie auf Niklas, der den bemitleidenswerten Victoria-Keeper aus Nahdistanz ins kurze Eck übertölpelte. Zweinull nach 15 Minuten. Was war denn mit Hansa los? Knapp zehn Minuten später hetzte Seyed einem eigentlich schon verlorenen Ball hinterher, zwang den Verteidiger zu einem Risikorückpass zum Torwart, der bekam sofort stressigen Besuch von Tony, versuchte dann einfach den Ball wegzuknüppeln – aber an Tony muss man erst mal vorbeischießen – was nicht gelang und Tony legte den Ball ins leere Tor. Dreinull. Verwundertes Augenreiben auf der Gästebank und auf dem Spielfeld. Überrascht ob der plötzlich eigenen Kaltschäuzigkeit vor dem Tor, nahm sich Hansa eine Auszeit und ließ Victoria mal mitspielen. Und weil Hansa schon immer eine freundlicher Gast war, schenkte man den bis dato so bemitleidenswerten Friedrichshainern einfach ein Tor. Wie geschehen? Niklas passte auf Torwart Philipp zurück, also er wollte, also er versuchte, ach … es misslang völlig. Philipp stand rechts, Niklas spielte nach links. Ball drin. Dahin das zu Null. Aber an diesem Tag war das auch egal, denn der Hansa-Express rollte einfach weiter. Unter gütiger Mithilfe des abseitsübersehnenden Schiedsrichters fand sich Seyed alleine vor dem Tor und sagte Danke. Viereins. Was dann folgte, dürfte jeden Fußballfan entzückt haben. Hansa eroberte in der eigenen Hälfte den Ball. Dieser gelangte zu Achille, dem Löwen aus Yaoundé, der einen Sprint ansetze, weit in die Hälfte von Victoria eindrang, dort zu Seyed passte, der den Ball per Hackendoppelpass dem durchlaufenden Achille zurückservierte. Achille rannte einfach weiter und packte dann acht Meter vor dem Tor die ihm in Fleisch und Blut übergegangene Vollpieke aus. KAWUMM. Fünfeins. Halbzeit.

Die Halbzeitansprache lässt sich auf zwei Aussagen reduzieren: »Nicht zurücklehnen« und »Wenn die Acht wollen, dann sollen sie die auch bekommen!«.

Doch etwas zu entspannt aus der Halbzeit kommend, fing sich Hansa bald darauf Gegentor Nummer zwei. Ein Pass von Markus aus der Innenverteidigung ins Mittelfeld wurde abgefangen und der springende Ball dann einfach mal aus 45 Metern direkt aufs Tor geprügelt. Ein Segelflug, wie ihn Otto Lilienthal nicht schöner hätte beschreiben können, und Hansatorwart Philipp blieb nur die Rolle des staunenden Zuschauers. Schönes Ding. Fünfzwei. Das Hallo-wach nahmen die Hanseaten gerne an und erhöhten wieder die Schlagzahl. Dann legte sich Andrea Pir…nein, Antonio Berendetto den Ball zum Freistoß hin und streichelte ihn über die Mauer ins Tor. Sechszwei.

Der Pulsschlag des Spiels verlangsamte sich. Zu eindeutig das Ergebnis, zu klar der fußballerische Unterschied. Einen Elfmeterpfiff, der bei allen Beteiligten Fragen aufwarf, nutzte Käpt’n Stürmer eiskalt. Siebenzwei. Dann folgte nochmal ein Tor aus der Abteilung »schön gespielt«. Das Spiel tummelte sich auf der rechten Seite, dann verlagerte Tony mit einem Zuckerpass das Spiel nach links, wo Jonas den meilenweit freien Raum zum Tor mit seinen Siebenmeilenstiefeln nutzte, mit seinem Abschluss zwar am Towart hängen blieb, Nikals aber den Rebound einnetzte. SWOOOSH. Achtzwei. Als dann in der Schlussminute ein erneuter Elfmeterpfiff, nach Foulspiel an Seyed, ertönte und das Gerangel um den Ball mit einem Machtwort von Käpt’n Stürmer endete, durfte sich unser echter Italiener Claudio auch noch in die Torschützenliste eintragen. Neunzwei. Ende.

Nutsch-Presse

Foto mit Seltenheitswert II: Trainer Nutsch im Gespräch mit der Presse (FuWo)

Hansa verdiente sich diesen deutlichen Sieg dank hohem Einsatz, einer unglaublichen Galligkeit und dem festen Willen Tore zu erzielen. Natürlich hat es uns Victoria tatsächlich sehr leicht gemacht, aber neun Tore muss man trotzdem erst mal machen. Den Bezirksnachbarn noch viel Erfolg im Abstiegskampf und beim Versuch das Asylrecht für ihren Spieler aus Afghanistan zu erstreiten! KEIN MENSCH IST ILLEGAL!

Hansa: Philipp – Jonas, Claudio, Markus, Achille – Rafik, Tille (61. Malte) – Niklas, Tony, Fred (58. Sven) – Seyed

 

One Response to Alle Neune

  1. Hofflé sagt:

    Schöner Bericht.

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