FC Hellas – FSV Hansa 07
Im sechsten Pflichtspiel der Kreisliga B traf die Elf der FSV Hansa 07 auf FC Hellas. Die Tabellensituation machte einen Sieg der Hanseaten erforderlich, wollte man oben dran bleiben. So kam es am vergangenen Sonntag (18.10.) zum Aufeinandertreffen der beiden Tabellennachbarn, welches die Hansa mit 3:2 für sich entscheiden konnte.
Autor: David

„An jedem verdammten Sonntag“, resümierte man nach der Partie im Berliner Stadtteil Neukölln-Britz. Diese Reminiszenz an den gleichnamigen Film Oliver Stones, mit Al Pacino in der Hauptrolle, sollte die derzeitige Stimmung und das gerade zurückliegende Spiel am treffendsten beschreiben. Denn das Wetter war grau, die Temperaturen unangenehm und obwohl der angesagte Nieselregen zumindest während der Partie ausblieb, spürten alle den näherkommenden Winter. Der Druck zu punkten war wie immer allgegenwärtig, da die Oberen der Tabelle dies scheinbar unaufhörlich taten. Warum also macht man sich an diesen Sonntagen, bei Wind und Wetter, auf zu entfernten Sportplätzen und verzichtet auf die heimische Kaffeetafel? Warum unterzieht man dich diesem Druck? Der Möglichkeit enttäuscht nach Hause geschickt zu werden? Göritz, spiritueller Mentor und Übungsleiter der Hansa, beschrieb die durchlebten Emotionen der vergangenen neunzig Minuten in Britz ausführlichst und machte das Spiel damit ein weiteres Mal für die anwesenden Spieler und unbeteiligten Gäste des Wiener Bluts erlebbar. Ob der Reiz am Messen zweier Mannschaften, das Auf und Ab in der Partie, die wissenschaftlichen Exkurse in gruppendynamische Soziologie und Sportpsychologie jedem der dort gewesenen einleuchtete, kann an dieser Stelle nicht geklärt werden. Mit den Worten, dass man es allerdings „‚an jedem verdammten Sonntag‘ wieder tun würde“, beschloss Hoss die Nachbereitung des Sonntagnachmittags und bereitete damit die Überschrift dieses Spielberichts.
Um halb drei schlossen sich die Türen des italienischen Mannschaftsbusses der Hansa und Claudio „Diamanti“ fuhr die Elf wie gewohnt souverän zum Austragungsort. Fehlende Rasenschuhe sorgten für einige notwendige Schlenker auf dem Weg nach Britz, aber letztlich waren alle mit dem richtigen Schuhwerk ausgestattet. Luka „Musika“ sorgte dabei für gute Laune und seine Funk und Hip Hop Beats sollten die Hansa schon mal in die notwendige entspannte Stimmung für das Spiel versetzen.
Punkte sammeln für den Winter war die Devise, damit dieser weniger grau werde. Man wolle nicht im Tabellenkeller überwintern, sondern Kontakt zur Spitze halten. Einige mochten sich an Frederik die Maus erinnert haben und antizipierten die ausgegebene Göritzsche Gleichung des grauen Winters auf ihre Art: Aus grau mach bunt. Hansas unzählige Kreativkünstler, die dem Mäuserich allesamt mehr ähneln als den strebsamen Mäusen um ihn herum, sollten unter Zuhilfenahme des Schiedsrichters ein farbenfrohes Spektakel inszenieren und fleißig Farben sammeln. Insgesamt zeigte der Referee zehn gelbe eine gelbrote und zwei rote Karten. Der Unparteiische hatte bereits vor Beginn der Partie eine kompromisslose Gangart gegenüber Regelverstößen angekündigt und berichtete von zwei roten Karten, die er bereits am Vormittag gezeigt hatte. Dabei war Letzterer ansonsten eher monochrom eingestellt und auf colouresque Einheitlichkeit bedacht. Ein Hellas Spieler wurde angehalten seine Shorts, die eher unter seiner Trikothose trug auszuziehen, da diese farblich nicht zum restlichen Ensemble passte und auch Luka musste die bunten Festivalbändchen abnehmen, obwohl, so vermutete man, der Schiedsrichter auf denselben Festivals gewesen war. Zudem wurde noch nach „Dädtuus“ gefragt, aber das verstand so recht keiner. Möglicherweise hatte auch das einen farblichen Bezug.

Um genau vier Uhr wurde die Partie angepfiffen.
Hellas erzeugte zunächst ungeheuren Druck und die Hanseaten taten sich schwer dagegenzuhalten. Für Entlastung der Hintermannschaft sorgten allerdings immer wieder die Schüleschen Vorstöße, die zur allgemeinen Verwunderung nach elf Minuten in einem Führungstreffer resultierten. 1:0 (11. Minute) für die Hansa nach einem trockenen Distanzschuss. Ein zu diesem Zeitpunkt nicht erwartetes Resultat.
Hellas spielte jedoch dessen unbeeindruckt weiter nach vorn. Das Team aus Britz trat auffällig aggressiv auf und ging bedingungslos in die Zweikämpfe. Drei Spieler der gastgebenden Mannschaft wurden in der ersten Halbzeit verwarnt. Und auch die Hansa wachte nun auf und nahm das Spiel an. Insgesamt wurde die Partie nun körperlicher geführt und dies war unablässig, wollte man auswärts gewinnen.
Trotz eines mittlerweile ausgeglicheneren Spiels und einer erstarkten Kreuzberger Elf, führte eine Unentschlossenheit in der Abwehr kurz vor dem Halbzeitpfiff zum Ausgleich. Der stark aufspielende Oloktsidis sorgte für das 1:1 (44. Minute).

Nach der Pause begann schließlich das „Fest der Farben“. Hansa verließ die Kabine entschlossen das Spiel wieder zu drehen. Kreativität und ein wenig Strebsamkeit sollten vor dem grauen Winter bewahren. Luka und Oleg Ratemackži beackerten die Flügel und wurden dabei vom starken Engagement Schüles unterstützt. Die Hansa erarbeitete sich im Folgenden einige Chancen, ehe Ratemackži in der 55. Spielminute zur erneuten Führung traf. 2:1.
Hellas, entschlossen auf heimischem Geläuf keine Punkte abzugeben, spielte weiter gut mit. Die Kreuzberger verließen sich über weite Strecken der zweiten Halbzeit auf ihre kompakt agierende Verteidigung und schnelle Außen, die das Spiel immer wieder vor das Tor Hellas trugen. Im weiteren Verlauf wurden mehrere Hanseaten verwarnt, doch auch Hellas stand dem in nichts nach. Der Schiedsrichter wurde zunehmend zu einem Akteur des Spiels.
In der 74. Minute bekam Bialon nach schönem Zuspiel von Schüle den Ball und lief auf das gegnerische Tor zu. Der heraus eilende Torhüter der Hellas konnte den Schuss und das 3:1 nicht verhindern, foulte den Hansaangreifer allerdings bei dieser Aktion. Diesmal grübelte der Schiedsrichter noch, „Elfmeter und Gelb oder ein Tor … ?“ Er entschied auf Vorteil, ließ die Karte stecken und das 3:1 zählte.
Kurz darauf zeigte sich der Referee weniger mild und stellte Hansas Sechser, Claudio „Diamanti“, nach wiederholtem Foulspiel mit Gelbrot vom Feld. Hansa spielte fortan mit einem Mann weniger. Trotz dessen gelangte man mit klug vorgetragenen Kontern immer wieder vor das Tor des Gegners. Schüle konnte sich in einer Situation durchsetzten, hatte nur noch Hellas Keeper vor sich, legte den Ball an diesem vorbei und wurde gefoult. Der Schiedsrichter zeigte dem Schlussmann daraufhin lediglich Gelb, obwohl er der letzte Mann war und regelwidrig eine klare Torchance vereitelte. Der fällige Freistoß verfehlte das Tor.
Ließ der Spielleiter auf der einen Seite Milde walten, griff er nur wenige Sekunden später zur Roten Karte zu Ungunsten Hansas. Zum wiederholten Male trug der Referee zur Farbenfreude in dieser Partie bei. Nach einem Foul im Mittelfeld zeigte er dem erst wenige Minuten zuvor eingewechselten Netz glatt rot. Hansa war ab diesem Zeitpunkt nur noch zu neunt.
Wiederum einige Augenblicke später sorgte ein erneuter Pfiff für Verwunderung. Nach einem Freistoß für Hellas, aus dem Halbfeld, der von Labude problemlos geklärt werden konnte, entschied der Schiedsrichter auf Elfmeter für die Britzer. Der Unparteiische hatte im Gerangel ein Festhalten beobachtet. Doch man konnte sich nicht des Eindrucks erwehren, dass der Referee das Spiel spannend halten wollte. Kaya verwandelte den Strafstoß zum 3:2 (80. Minute).
Hansa, entschlossen diese Partie trotz Unterzahl nicht aus der Hand zu geben, stemmte sich erbittert gegen die immer offensiver aufspielenden Britzer. Die verbliebenen neun Spieler verteidigten, allesamt in Hansas Hälfte, den knappen Vorsprung. Nach einer Einzelaktion Ratemackžis erhielt der Gastgeber seinerseits noch eine Rote Karte und die numerische Überlegenheit wurde wenige Minuten vor dem Ende um einen Spieler verringert. Das Ergebnis sollte sich nicht mehr verändern. Hansa siegte schließlich mit 3:2 und hält damit Kontakt zu den oberen Rängen.

Spieler des Spiels: Roman Schüle
Getagged mit
 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.