12. Spieltag: FSV Hansa 07 II – Eiche Köpenick 1:3 (1:1)  

Autor: Michael Brunnert

Während andernorts an einem 11. November fröhlich gesinnte Jecken die 5. Jahreszeit einläuten oder Kinder mit selbst gebastelten Laternen dunkle Straßen erhellen, versammelten sich in Kreuzberg an der Wrangelritze 22 Fußballer um drei Punkte in der ersten Staffel der Berliner Kreisliga B zu vergeben. Pünktlich um 15.30h, als der Grauton des Novemberhimmels zwischen aschfahl und zementfarben oszillierte, bat der Unparteiische Mohamed Abo El Oulla vom BFC Meteor 06 zum Anpfiff.

Auf der einen Seite Hansa II, das sich auf Grund von einigen Ausfällen neu sortieren musste. Für Haberecht rückte Stammtorwart Hertel wieder zwischen die Pfosten. In der Innenverteidigung musste Rehwinkel erkältungsbedingt passen und machte Platz für Möller. Dieser nahm seine angestammte Position als Rechtsverteidiger ein, während Kohl in die Mitte zog um mit dem heutigen Kapitän Labude die defensive Zentrale zu bilden. Hinten links verteidigte wiederum Schulte, der mit seinen gefürchteten Dribblings immer wieder in des Gegners Hälfte vordringen sollte. Im Mittelfeld musste die Hansa aus Kreuzberg auf den Strippenzieher Bußmann und seine brilliante Statistik von 16 direkten Torbeteiligungen in 10 Pflichtspielen in dieser Saison verzichten. Für ihn rückte nach abgesessener gelb-rot Sperre Bublak zurück ins Team, was im Mittelfeld zu folgender Rochade führte: Der in der Vorwoche stark aufspielende Behrendt schob auf die Position hinter den Spitzen, Bublak gesellte sich neben Brunnert auf die Doppelsechs. Die Offensive war mit den Außenläufern Uthoff und Hoss sowie der einzigen Spitze Hausmann besetzt. Auf der Bank nahmen der wieder genesene Meiser und Offensivallrounder Engel neben dem Trainergespann Göritz und Fischer Platz.

Auf der anderen Seite befanden sich 11 Herren aus Köpenick, die in ihrem Vereinsnamen den wohl deutschesten aller Bäume tragen und von Beginn an auch mit eben jenen berüchtigten Sekundärtugenden aufwarteten: Rustikale Zweikampfhärte, Laufstärke und Teamgeist. Obwohl das hanseatische Trainergespann seine Mannschaft genau auf diesen Aspekt mehrfach aufmerksam gemacht hat, zeigte sich Hansa II überrascht und ließ sich sehr schnell in den eigenen 16er treiben. Ein Einwurf der in weiß spielenden Köpenicker flutsche so nach 8 Minuten durch die Doppelsechs, die Innenverteidigung und letztlich durch Hertels Handschuhe: 0:1, wieder ein früher Rückstand. „Spielt mit Herz und Verstand!“ mahnte Trainer Göritz noch kurz vor Spielbeginn. Hiervon war in den ersten 10 Minuten leidlich wenig zu sehen. Doch das Trainergespann erkannte die Unstimmigkeiten rechtzeitig und passte das Spiel der Hanseaten der Taktik von Eiche Köpenick an. Denn wer glaubte mit Lothar Matthäus sei der letzte Libero vor 10 Jahren in den Ruhestand versetzt worden, hat noch nie ein Spiel der Eiche-Elf gesehen. Fortan war es also die Aufgabe von Hoss eben jenen letzten Mann der Köpenicker zu belauern und somit zwei Gegenspieler auf sich zu ziehen. Bublak rutschte auf die nun freie rechte Seite und Brunnert agierte fortan als alleinige „6“. Für Freunde der Taktiktafel bedeutete dies ein 4-1-4-1.

Die Umstellung trug rasch Früchte und Hansa konnte nun häufig mit flachen Pässen das Mittelfeld überbrücken und sich Torchancen erarbeiten. In der 23. Minute nutzte Hoss nach feiner Hereingabe von Hausmann eine solche und netzte zum Ausgleich ein.

Hansa war zurück im Spiel, Hansa hatte Spaß am Fußball, Hansa war nun die bessere Mannschaft, Hansa wollte drei Punkte!

Doch zur Pause blieb es beim 1-1. Aussichtsreiche Chancen konnten nicht genutzt werden. So war einmal das Aluminium im Weg, ein anderes Mal drosch Uthoff die Kugel knapp über den Kasten.

Während des Pausentees wartete Trainer Göritz noch mit einer kleinen Änderung auf: Uthoff sollte jetzt für Hoss in die vorderste Spitze stoßen, die beiden Spieler tauschten also die Positionen.

Es schien als konnten die Elf Hanseaten den Schwung aus der ersten Halbzeit mitnehmen: Kurz nach Wiederanpfiff kombinierte sich Bublak nach vorne. Pass auf Hausmann, der den Ball gekonnt über seine Hacke in den Lauf des mitgestürmten Linksfußes Behrendt gleiten ließ. Dessen Flachschuss verfehlte nur um Zentimeter das Gehäuse des Gästekeepers. Der Gegenangriff der Eiche aus Köpenick versandete in der hanseatischen Abwehr. Kohl, Labude und Schulte passten sich gekonnt zu um das Spiel zu verlagern. So weit, so alltäglich. Doch als der bis dahin solide agierende Brunnert an die Kugel kam, packte ihn der Sekundenschlaf. Völlig indisponiert und unbedrängt passte er den Derby Star in den Laufweg des lauernden Gäste Stürmers Reinhardt. Dieser nahm das zweite Geschenk des Tages dankend an und beförderte das Leder unhaltbar für Keeper Hertel ins untere Toreck. Wieder einmal hatte sich Hansa in Form eines individuellen Fehlers selbst bestraft. Trotz der guten ersten Halbzeit machte sich nach dem zweiten Gegentor eine Tristesse zwischen den Elf Hanseaten breit, die an einigen Stellen die Füße zu lähmen schien. Zwar spielte Hansa auch weiterhin gefällig nach vorne und kam zu Torchancen, doch aufmerksame Beobachter dieses Spieles merkten, dass nun die letzte Genauigkeit in den Aktionen fehlte und häufig die falschen Entscheidungen getroffen wurden. Spukte bereits das Abstiegsgespenst durch die Wrangelritze?

Dennoch hätte der Ausgleich fallen können. Erneut rettete bei einem Freistoß das Aluminium für Eiche. Wenig später war der kopfballstarke Möller nach gefühlvoller Behrendt-Ecke etwas zu weit in Rücklage um einnicken zu können. Der besser postierte Uthoff bat ferner eine Zehntel Sekunde zu spät um Durchlass. Ab der 80. Minute erhöhte sich dann nochmals der Druck auf das Tor der Gäste aus dem Berliner Stadtteil mit dem berühmten Hauptmann. Labude, der wie immer ein fehlerfreies Spiel in der Defensive lieferte, verließ seine angestammte Position und unterstützte seine Offensivkollegen. Auch der eingewechselte Engel kombinierte auf der linken Seite mit Schulte noch einige Male gekonnt nach vorne und brachte somit neuen Schwung.

In der 85. Minute dann die einzige Fehlentscheidung des souverän agierenden Schiedsrichters aus dem Wedding. Hausmann setzte seinen Körper glänzend ein, um den Ball in der Luft vor den groß gewachsenen Köpenickern abzuschirmen. Der darauf folgende rustikale Einsatz des Abwehrmanns hätte zu einem Elfmeterpfiff für Hansa führen müssen.

In der Schlussminute kassierte die hoch aufgerückte Hansa dann noch den Treffer zum 1:3 Endstand und blieb, wie so oft in dieser Saison, mit leeren Händen fassungslos und traurig zurück. An diesem 11. November war nicht einmal mehr die rheinische Fraktion um Kohl und Behrendt zum Spaßen aufgelegt.

Ein Blick auf das Tableau verrät, wie zäh die kommenden Wochen für Hansa werden. Dem Trainergespann Göritz und Fischer fällt nun die schwere Aufgabe zu, die Mannschaft wieder aufzurichten und an die Stärken der Wrangel-Kicker zu appellieren.

Denn nur wenn die Hanseaten den Slogan des Trainers „Mit Herz und Verstand!“ am kommenden Sonntag über 90 Minuten lang umzusetzen vermögen, wird es nach Abpfiff heißen: „Au revoir tristesse!“

 

Aufstellung: Hertel, Möller – J. Kohl – Labude – Schulte, Bublak – Brunnert, Hoss (70. Engel) – Behrendt – Uthoff, Hausmann

Tore: 0:1 (8.) Reinhardt, 1:1 (23.) Hoss, 1:2 (47.) Reinhardt, 1:3 (90.+1) Bock

Karten: Fehlanzeige

Spieler des Spiels: Fehlanzeige

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9 Responses to Bonjour tristesse!

  1. David sagt:

    Welch literarisch anmutender Spielbericht. Chapeau und Dank dafür! Sehr schön.

  2. Hoffel sagt:

    Super Bericht Micha!

  3. Vicente von Eiche Köpenick sagt:

    Schöner und ausführlicher Spielbericht. Alles in allem war es auch ein sehr faires Spiel. Ein Unentschieden wäre sicherlich vom Spielverlauf gerechter gewesen. Chancen genug waren ja vorhanden. Auf ein ähnlich interessantes Rückspiel,…dann aber auf dem Sportplatz am Eiche Casino 🙂

  4. Toni sagt:

    1. Krass cooler Bericht
    2. Meiner Laune hilft selbst der nicht… Oh man = (

  5. Ben sagt:

    Auf das Rückspiel freuen wir uns jetzt schon. Und danach dritte Halbzeit im Casino? 😉

  6. Vicente von Eiche Köpenick sagt:

    da kann man leider nur auf Pferderennen wetten 🙁 ^^

  7. Ben sagt:

    Weltklasse, Hoffel! Absolute Weltklasse!

  8. roman sagt:

    oh mann, leute.
    das ist doch scheiße!

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