100 Jahr FSV Hansa 07 e. V.

Die Anfangsjahre

Am 12. Oktober 1907 legten folgende zwölf Freunde des Fußballsports in einem Lokal an der Schlesischen Brücke den Grundstein für die heutige FSV Hansa 07 e. V.:
Emil Abel, Otto Beyer, Franz Franke, Walter Gillketter, Ernst Gladis, Georg Greuel, Max Gutte, Franz Mosolf, Bruno Owczaryczek, Hugo Pomnitz, Alwin Schmallandt und Heinz Weißgerber.
Sie gründeten einen Verein, dem sie den Namen B. F. C. Hansa 07 gaben. Zu Beginn der Saison 1908/09 traten sie dem Märkischen Fußballbund, Abt. Berliner Ballspielbund, bei und wurden der II. Spielklasse zugeteilt. Gleich im ersten Spieljahr konnte hinter Hevellia der 2. Tabellenplatz und damit der Aufstieg in die I. Klasse erreicht werden. Gespielt wurde auf dem Tempelhofer Feld (heute Flughafen Tempelhof). Das erste Umkleidelokal war bei Fechner, Fidicinstr. 4. Aber schon nach einem Vierteljahr wurde zu Emil Engelke in die Fidicinstr. 38 gewechselt.
In der Spielzeit 1910/11 konnten schon 3 Mannschaften gemeldet werden, und zwei Jahre später startete zum ersten Mal eine Jugendmannschaft. Die erste Meisterschaft wurde in der Serie 1914/15 in der III. Klasse errungen, jedoch nach einem Einspruch von Treptow-Süd am „grünen Tisch“ wieder aberkannt.

Der Zusammenschluss

Am 4. Januar 1919 erfolgte der Zusammenschluss mit der Freien Sport-Vereinigung Berlin, wodurch der Verein an Spielstärke bedeutend gewann und bald darauf den Platz an der Lohmühlenstraße pachtete. Der Meisterschaft der Junioren folgte 1920 die der Senioren und damit der Aufstieg in die I. Klasse. In den nächsten Jahren wurde jeweils der 2. Platz belegt, bis endlich 1923/24 die Meisterschaft und somit der Aufstieg in die Kreisliga glückte. 1933 wurde man durch die Umgestaltung des Sports in die I. Klassse zurückgestuft. Zu diesem Zeitpunkt besaß der Verein einen eigenen gepachteten Platz an der Harzer Straße in Neukölln, der von den Mitgliedern in vielen Arbeitsstunden hergerichtet wurde. Bei Kriegsbeginn wurde der Platz von seinem Besitzer verkauft und der Verein war wieder heimatlos. Bis zur Einstellung des Spielbetriebs am 1. Dezember 1944 konnte ein Gelände am Maybach-Ufer genutzt werden.
Nach der Befreiung durch die Alliierten fanden sich die ersten Fußballspieler, welche sich aus den verschiedensten Vereinen zusammensetzten, in der Kommunalsportgruppe Kreuzberg-Ost ein. Die Aufnahme des Spielbetriebs – wieder am Maybach-Ufer – ging unter den schwierigsten Umständen vor sich. Zuckersäcke mussten herhalten, um daraus Spielkleidung zu schaffen und es wurden sogar die Tore vom Sportplatz gestohlen – als Bau- oder Feuerholz?

Die Handball-Abteilung

Am 30. Juli 1933 wurde in Folge des Verbots der Arbeitersportvereine eine Handball-Abteilung gegründet. Der Spielbetrieb wurde mit drei Männer-, einer Frauen- und einer Jugend-Mannschaft aufgenommen. Männer und Frauen wurden der III. Spielklasse zugeteilt. Durch fleißiges Training und guten mannschaftlichen Zusammenhalt stiegen beide bis in die höchste Spielklasse auf. In den ersten Kriegsjahren kam der Spielbetrieb zum Erliegen und eine Neugründung konnte nach Kriegsende wegen starker Verluste und fehlenden Jugendnachwuchses nicht erfolgen.

Die Wiedergründung

Nach dem von den Besatzungsmächten das Verbot der Gründung von Privatvereinen aufgehoben wurde, beantragten die Sportkameraden Alwin Schmallandt, Richard Jütze, Willi Jaensch, Ernst Lange und Ernst Mauritz die Lizenzierung der Freien Sport-Vereinigung Hansa. Am 7. Mai 1949 erfolgte daraufhin eine außerordentliche Generalversammlung, in der die Wiedergründung der FSV Hansa 07 beschlossen wurde. Da wir als Kreuzberger Verein die Spiele auf einem bezirksfremden Platz austrugen, mussten wir nach Beendigung der Verbandsspiele den Sportplatz am Maybachufer verlassen. Das Bezirksamt hatte für uns und den BBC Südost zur Behebung der Spielplatznot den ehemaligen Kasernenhof in der Wrangelstraße gepachtet. Nach dem der Platz mit Hilfe vieler freiwilliger Arbeitsstunden der Mitglieder hergerichtet wurde, ist er im August 1950 mit einem Freundschaftsspiel gegen den BFC Südring eingeweiht worden. Zwei Jahre später war Hansa als Meister der II. Klasse endlich Aufsteiger in die I. Klasse und hatte gleich im ersten Spiel gegen den Spandauer BC 2.500 Zuschauer in der Wrangelstraße. Mit dieser Mannschaft wurde der Aufstieg geschafft: Isigkeit, Weidehoff, Wendt, Carstens, Matzke, Woitinek, Reinhold, Rolke, Liedtkemann, Knuth, Harry Schulz und Sulis.
Im Juli 1952 wurde das Vereinslokal Holland in der Görlitzer Str. 52 bezogen. Fünf Jahre später, zum 50-jährigen Bestehens, verfügte der Verein über 4 Schüler-, 3 Jugend- und 2 Juniorenmannschaften. Die erste Männer-Mannschaft pendelte in den nächsten Jahren zwischen I. und II. Klasse.

Von der C-Klasse beinahe in die Landesliga

Als der Berliner Fußball neu organisiert wurde, befand sich Hansa plötzlich in der untersten Spielklasse C wieder. Dort blieb man aber nicht lange. Nach der Meisterschaft (1969/70) und dem damit verbundenen Aufstieg in die B-Klasse wurden sofort wieder Staffelsieg und Aufstieg errungen. 1974 ist Hansa aus der A-Klasse wieder abgestiegen. Nach jeweils 2. Tabellenplätzen konnte 1976 der angestrebte Platz in der A-Klasse erreicht werden. Der ganz große Wurf wäre 1978 fast gelungen. Als Tabellenzweiter musste Hansa gegen den Tabellenzweiten der 2. Abteilung, 1. FC Neukölln, Ausscheidungsspiele um den Aufstieg in die Landesliga austragen. Im ersten Spiel gab es vor 500 Zuschauern auf dem Tennenplatz in der Wrangelstraße ein 1:1 Unentschieden. Auch das zweite Spiel auf dem Rasenplatz des 1. FC Neukölln vor 1.000 Zuschauern endete 3:3 Unentschieden, so dass ein 3. Entscheidungsspiel auf dem Tennen-Sportplatz Maybachufer angesetzt wurde. Die Mannschaft entschloss sich, dieses Spiel ebenfalls auf dem Rasenplatz des 1. FC Neukölln auszutragen. Vor 1.500 Zuschauern wurde das Spiel mit 3:6 verloren. In den Jahren danach spielte die erste Mannschaft überwiegend in der Kreisliga A. Wo zumeist Plätze im Mittelfeld der Tabelle erreicht wurden. Dennoch gab es Abstiege in die B-Klasse, denen aber meist nach wenigen Jahren wieder ein Aufstieg folgte.

Das neue Jahrtausend

Ende der 90-iger Jahre wurden dem Verein die Folgen der rudimentären Jugendarbeit unangenehm verdeutlicht. Da sich die Jugendarbeit mangels Betreuer und der schwierigen sozialen Situation im Einzugsbereich „Wrangelkiez“ nur dem Bereich von 6 bis 14 Jahren widmen konnte, gab es keinen Nachwuchs für die Herren-Mannschaften. So mussten auf anderen Wegen, zumeist über Kneipe und Uni, nach Spielern Ausschau gehalten werden. Da gab es zwar richtige „Kracher“, aber die Breite fehlte, um erfolgreich zu spielen. Und wer nicht erfolgreich spielt, der verliert seine guten Spieler an die höheren Ligen. So wurde die letzten zehn Jahre immer gegen den Abstieg gespielt. Ein Aufbäumen 2005 brachte fast den überraschenden Aufstieg in die Bezirksliga. Am Ende reichte es nicht ganz, wieder verließen Spieler den Verein und ausgerechnet im Jubiläumsjahr blieb am Ende nur der Abstieg in die Kreisliga B, was im ersten Jahr des neuen Hansa-Jahrhunderts aber gleich wieder korrigiert wurde. Neben der 1. und 2. Herren verfügt der Verein zur Zeit über 3 Freizeitmannschaften, eine Senioren (Ü32), eine 11er und eine 7er Altliga (Ü40) und ganz neu eine Ü 50-Mannschaft. Die Jugendabteilung zählt 5 Mannschaften (von den F- bis zu den D-Junioren).

Detlev Oßenkopp

 

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