11. Spieltag: FC Brandenburg 03 II – FSV Hansa 07 II 3:5 (1:2)  

Autor: Anthony Behrendt

Für einen Hanseaten ist es früher Sonntagmorgen. Es herrscht schlechte Luft in der gerade bezogenen Auswärtskabine. Diese wird nicht etwa durch die Stimmung unserer Helden verursacht, sondern -ganz banal- durch den herüberziehenden Atem der benachbarten Duschkloake. Mannschaft und Trainer wiederum sind für 10Uhr morgens schon ganz gut drauf.  Der Geruch wird leise ertragen, passt vielleicht sogar ein wenig zum Abstiegskampf. Wie immer am Spieltag: Die Trainer halten sich kurz. 5-6 Worte vom Chef persönlich, bevor Herr Fischer einen kurzen, aber wie immer prägnanten Satz hinzufügt. Es klopft an der Tür und eine dem Gegner zugehörige ältere Person ragt den Kopf hinein. Marlon Brando imitierend verrät  er der Mannschaft den Grund der Störung: Die Bockwürste sind fertig! Jawohl! Es darf Fußball gespielt werden.

Gelingen soll der Punktgewinn mit einer fast komplett neugeordneten Defensive. Anstatt Stammtorwart Hertel steht Haberecht zwischen den Pfosten. In der Verteidigung nur Abwehrchef Labude auf der Position der vergangenen Woche. Daneben der zurzeit gesunde Rehwinkel . Kohl rückt nach rechts und Schulte auf der mit Inbrunst geliebten linken Außenverteidigerposition, durch die ihn das lästige Offensivspiel nicht ständig stört.  Davor –auch nichts neues- eine neue Doppelsechs mit Behrendt und Brunnert. Vor ihnen, die bewährte 10 Bußmann, Kapitän Schuhmann über links und „die Lunge“ Hoss auf der rechten Seite. Gleichgeblieben der Sturm, einsam bestehend aus Uthoff.

Beim Aufwärmen brüskieren sich die Hanseaten noch über die gefühlt meterhohen Wellen des kleinen Kunstrasens. Beim Anpfiff scheint das jedoch vergessen worden zu sein. Von der ersten Minute, so meinte man, war Hansa II auf dem Platz. Das Ballgefühl direkt vorhanden, die Ordnung im Blick und mit der nötigen Aggressivität. Es sah gut aus und führte dann in der dritten Minute direkt zum 0:1. Wie bitte? Schnell erzählt: Hansa hoch aufgerückt, langer Ball, Stürmer gewinnt das Laufduell, Tor. Wieder ein Rückstand. Gefühlt lag man diese Saison inzwischen jedes Spiel zurück und einen besonders positiven Ausgang hatten die Wenigsten.

Das Gefühl an diesem Sonntag war jedoch ein anderes. Angetrieben durch den hochmotivierten und lautstarken Kapitän Schumann spielte Hansa weiter und hatte das Spiel trotz Rückstand gut im Griff. Der Ausgleich, an diesem Tag nur eine Frage der Zeit. Antwort: 23. Minute!  Hansa kommt über rechts, Hereingabe durch Hoss, mehrere Versuche aufs Tor, bis Bußmann ihn dann endlich reinschiebt. Ausgleich geglückt, nächstes Ziel: Pausenführung!

Leider fiel dann der bis dahin sehr auffällige und wichtige Schuhmann aus. Man hätte sich nicht wundern dürfen, hätte das einen leichten Bruch ins Spiel der Hanseaten gebracht. Aber anstatt das dieser Bruch auch nur anklopfen durfte, nahm sich der gerade für Schuhmann eingewechselte Hausmann einfach die nächste Ecke, brachte diese halbhoch an den Fünfmeterraum und Sturmspitze Uthoff haut das Ding in die Maschen. 2:1! Halbzeit. Schauen wir mal wie es in der Kabine so riecht.

Genau derselbe Uthoff baute dann die Führung eine viertel Stunde nach Wiederanpfiff, gut eingesetzt durch Bußmann, weiter aus. Ein Zwei-Tore-Vorsprung und noch eine halbe Stunde zu spielen. Das Spiel so glaubte man hatte man ebenfalls voll Im Griff. Konnte da noch was schief gehen, mit dem ersten Dreier seid dem 1. Spieltag?

Ein klares Jein ist wohl die Antwort. Die Verteidigung der Hanseaten funktionierte in der neuen Konstellation hervorragend, wurde aber dann doch noch einmal zu sehr alleine gelassen. Behrendt spekulierte auf einen Ball, bekommt ihn nicht, die Mitte offen, Pass in die Schnittstelle, Anschlusstreffer. Äußerst ärgerlicher Fehler des Sechsers, wodurch die Abwehr und der konzentriert spielende Haberecht keine Chance mehr hatten.

Der Gegner witterte nochmal Punkte, aber an diesem Sonntag wusste Hansa II immer die richtige Antwort zum richtigen Zeitpunkt. Und so spielte die Offensive der Hanseaten, besonders Bußmann, die Abwehr  ein weiteres Mal durch gutes Kombinationsspiel schwindelig, was schließlich zu einem Eigentor des Gegners führte. Die Katze war im Sack.

Zumindest bis Hansa II dann doch noch einmal in den berühmten Sekundenschlaf fiel. Ein Freistoß wird abgelegt, keiner fühlt sich verantwortlich, Tor. Schon wieder ein Anschlusstreffer. Aber da das ja schon mal erlebt wurde und die Hanseaten die richtige Antwort ja bereits herausgefunden hatten, antwortete man also wieder gleich: Eine Grätsche durch Behrendt im Mittelfeld, die zur Balleroberung führt und schließlich den Ball zu Brunnert  bringt. Dieser bedient direkt den startenden Uthoff von der Mittelinie mit einem Traumpass und dieser wiederum schiebt den Ball eiskalt zum Endstand am Torhüter vorbei.

Endstand 5:3! Die Hanseaten begeben sich in die Kabine. Es wird gesungen, aber nur ein bisschen. Man weiß das man gut gespielt hat, aber man weiß auch, dass es wieder in die Hose hätte gehen können. Die drei Punkte tun dennoch gut. Jemand eine Bockwurst? Nein danke. Hunger haben wir trotzdem!

Aufstellung: Haberecht – Schulte, Labude, Rehwinkel, J. Kohl – Behrendt, Brunnert – Schumann (Capt.) (40. Hausmann), Bußmann, Hoss (70. Engel) – Uthoff

Tore: 1:0 (3.) Strahlendorf, 1:1 (23.) Bußmann (rechts, Vorl. Hoss), 1:2 (43.) Uthoff (rechts, Vorl. Hausmann), 1:3 (60.) Uthoff (rechts, Vorl. Bußmann), 2:3 (77.) Demirkaya, 2:4 (79.) Eigentor (Vorl. Bußmann), 3:4 (85.) Strahlendorf, 3:5 (88.) Uthoff (rechts, Vorl. Brunnert)

Karten: Fehlanzeige

Spieler des Spiels:

Uthoff – Drei Tore, eiskalt!,
Schulte – In der Symbiose mit Raum und Zeit. Beackerte 90 Minuten die linke Seite.

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2 Responses to „Die Bockwürste sind fertig…“

  1. roman sagt:

    ach, ick freu mir!

  2. David sagt:

    Machh noch eener Bockwuarst? Härlisch Herr Behrendt. Isch fräu mi schon oof den nächste Sonntag dahaim. Danke für de Berischterschtaddung.

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