25. Spieltag: FSV Hansa 07 – VFB Hermsdorf 5:0 (4:0)

Vögel zu bestimmen ist eine Wissenschaft für sich. Während die meisten eine Amsel mühelos von einer Krähe unterscheiden können, sieht die Sache bei Schwalben und Mauerseglern schon anders aus. Beim Fußball ist es ähnlich. Um zu sehen, ob ein Spiel gut oder sehr gut war, braucht es manchmal die Adleraugen eines Trainers.

Wenn der Tabellenfünfte zum Tabellensechsten kommt, kann das ein Versprechen sein. Wenn drei Unparteiische in der Wrangelritze auflaufen – noch ein viel größeres. Einziges Manko: Der VFB Hermsdorf musste in Unterzahl antreten. Mit dem Anpfiff war Hansa die spielbestimmende Mannschaft. Allein Rechtsaußen Pek hatte in den ersten zehn Minuten zweimal die Führung auf dem Fuß. Doch der Torerfolg ließ auf sich warten.

Bis zur 14. Minute, als Drouin ihren eigenen Eckstoß nach Vorlage Messows zum 1:0 verwandelte. Nur vier Minuten später konnte Schuster nach Vorarbeit von Pek die Führung ausbauen. Wer jetzt denkt, das Spiel war gelaufen, irrt. Auf hanseatischer Seite schlichen sich Fehlpässe und andere Ungenauigkeiten ein. Hermsdorf luxte ein ums andere Mal Hansas Spielerinnen den Ball ab, war wacher und immer öfter den einen Schritt schneller – wenn auch vor dem Tor ungefährlich. Was nicht zuletzt an Hansas einwandfreier Defensivabteilung lag und Torwärtin Keese, die zur Stelle war, wenn sie gebraucht wurde.

Auf der anderen Seite machte Hermsdorf die Räume geschickt eng und unterband Hansas ansonsten so sicheres Aufbauspiel. In der 30. Minute hatte Hansa endlich wieder Grund zu jubeln: Nach Pass von Schuster traf Drouin zum zweiten Mal. Zwei Minuten später zog ein Direktschuss Messows nur knapp über die Latte. Noch vor Abpfiff war es dann Pracht, die nach langem Pass durch Pek, den Ball zum 4:0 einschob.

Während in der ersten Halbzeit manche Tore etwas plötzlich gefallen waren, arbeitete Hansa sie in der zweiten Hälfte besser heraus – und blieb doch überwiegend glücklos. Trainer Wegerhoff brachte frische Kräfte: Ahlrichs kam für Pracht, Feldt für Schiffler, Vogel für Weis. Letztere schickte Ahlrichs kurz vor ihrer Auswechslung noch auf Reise in den 16er, wo Hermsdorfs Torwärtin sich zunächst gegen Ahrlichs, dann Schuster, dann Ahlrichs und Pek bewähren konnte. In der 82. Minute dann eine der sehenswertesten Spielzüge der Begegnung, initiiert durch Vogel: Zunächst lässt sie ihre Gegenspielerin aussteigen, beweist dann ein gutes Auge für das Spielgeschehen und bedient schließlich Schuster auf links in den Lauf. Schusters Flanke findet eine dankbare Abnehmerin in Pek, die den Ball trocken und flach ins linke Ecke drischt.

Hansa gewann an diesem Sonntag 5:0 – souverän, dominant oder im Endergebnis doch ein bisschen glücklich? Hermsdorf präsentierte sich in der Wrangelritze als fairer und engagierter Gegner. Vielleicht hängt die Frage mit den gestiegenen Ansprüchen zusammen. Direkt nach dem Spiel war oft die Rede vom letzten Pass, der ungenau war. Der letzte Pass.

Ein Spiel zu bestimmen ist manchmal so schwer, wie der Unterschied zwischen Schwalbe und Mauersegler. Am kommenden Sonntag kann sich Hansa mit einem Sieg in Spandau auf den 4. Platz vorspielen. Und dort die zweite Saison beenden. Vögel und Bezirksliga – was in beiden Fällen wichtig ist: nach oben schauen.

 

Tore: 1:0 Drouin (14.), 2:0 Schuster (18.), 3:0 Drouin (30.), 4:0 Pracht (41.), 5:0 Pek (82.)

Aufstellung: Keese, Kanter, Trzewick, Kaapcke, Schiffler (70. Feldt), Weis (73. Vogel), Pek, Messow, Pracht (62. Ahlrichs), Drouin, Schuster

 

Spielerin des Spiels: Valerie Vogel, die in der 73. Minute ins Spiel kommt und sofort konzentriert und entschlossen agiert. Aus dem Mittelfeld leitet sie mit viel Schwung direkt ein paar gefährliche Toraktionen ein. Oder im Jargon des Vogelbestimmers zu bleiben: Valerie Vogel [lat. valere – stark]; Familie: Hansis Fusbalis; Unterordnung: Linksfüßer [Linksae]; Zugvogel [spez. Norditalien].

 

Autorin: Johanna Behre

 

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