7.Spieltag: FSV Hansa 07 II – FCK Frohnau II 3:1 (1:0)

Wladi hatte eben den letzten Schluck Weißbier die trockene Kehle hinuntergleiten lassen, als ihm ein kleiner Mann mit grauer Mähne und spitzer Nase ins Ohr schwadronierte: »Hör‘ auf zu saufen und schau doch mal genau hin, es gibt keine Kleinen mehr.« Wladi blickte sich erschrocken um, aber weit und breit war kein Mensch zu sehen. Er war gerade dabei sich die Fragen für den Trainer, der gleich kommen würde, zurechtzulegen.

Er notierte »Warum war das heute so ein Krampf?«, da erbebte wieder diese Fiestelstimme: »Du Dummbratze, weil wir gegen einen Gegner gespielt haben, der mit zehn Mann um den eigenen Sechzehner gestanden ist, der nur auf Spielverhinderung aus war, der körperlich robust dagegengehalten hat!«

Zwei schnelle Schulterblicke, links, rechts, aber nirgends Anzeichen menschlichen Lebens. Wladi faste sich an die Stirn, normale Temperatur, ein kurzer Puls-Check, alles okay. Der Stress, ganz klar der Stress. Diese Kreisliga-Berichterstattung ist mittlerweile ja fast schon so anstrengend wie der Profibetrieb. Ein kurzer Griff unter den Tisch, *PLOPP*, *GLUCKGLUCKGLUCK*, das Glas voll, ein großer Schluck, besser.

Der Bleistift krakelte »Aber selbst wenn der Gegner so spielt, man kann doch … « und mitten in seine Frage hinein, erschallte schon die Antwort »Ja Kruzifix, was willst du denn? Dass wir die 9:0 verhauen? Reicht ein 3:1 dem Herrn jetzt nicht oder was? Wir haben halt keinen Messi, Gomez oder Öktem oder wie der heisst, dem drei Chancen für fünf Tore genügen. Immer alles negativ sehen. Ich mach‘ das nicht mehr lange mit. Mir reichts.«

Die 3:1-Erlösung durch Anthony Behrendt.

Jetzt fühlte sich Wladi wirklich schlecht. Er lockerte den Schlips, tupfte sich den Schweiss von der Stirn, warf einen tiefen Blick ins Weißbierglas, denn das ging jetzt eindeutig zu weit. Vielleicht hatten ihm diese Praktikanten was ins Bier getan? In Kreuzberg soll es ja Drogenabhängige und Dealer geben. »Wär‘ ich doch nur in München geblieben« dachte er. »Und dann? Dann hättste dir da die Wampe schön dick gesoffen und würdest irgendso einen Drecks-WM-Club im TV moderieren« antwortete die Stimme.

Das war jetzt aber wirklich zuviel des Guten. Wladi stand auf »Wer bist du? Was soll das?«
Aber keine Antwort.

»Ich kann so nicht arbeiten, ich kann so nicht arbeiten. Meine Nerven. Das ist wie ein Spiel total überlegen spielen, dann aber mit dem ersten Torschuss des Gegners den Ausgleich kassieren. Ich kann nicht mehr, ich werd‘ wahnsinnig. Fußball macht mich fertig. Ich kündige, ich kündige.«

Er schnappte sich die letzten vier Weißbierflaschen, warf das Mikro in die Ecke und stürmte aus dem Studio.

Auftritt Trainer Nutsch »Hallo? Hallo?«

Aufstellung: Lauer – A.Selk, Strzoda, Hoffmann, J.Kohl (21.Meiser) – Schumann, Behrendt, Tucic, Brandt Stisen (62.Coban) – Engel (68.Jaschke), Hoss

Tor/e: 1:0 Behrendt (10.,Linkspieke), 1:1 Altundag (58.,Linksschuss), 2:1 Schumann (75.,Rechtsschuss), 3:1 Behrendt (78.,Linksschuss)

Karte/n:

Spieler des Spiels: Keiner.

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3 Responses to Die Wutrede von Kreuzjavik

  1. El Tren sagt:

    Glückwunsch Jungs! Und überhaupt, ihr seid ja echt gut in Wladis B-Liga-Club angekommen. Weiter so. Grüße aus Bochum, bis demnächst mal.

  2. f-16 sagt:

    Klasse Spielbericht! …so macht lesen Spaß

  3. Marcel Reif Rangnickzky sagt:

    Ganz großes Kino Marc…jedesmal ein Vergnügen deine Ergüsse zu lesen A+
    @Truppe: Viel Erfolg morgen gegen Union…wir sehen uns am Dienstag.

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