13. Spieltag: BSV GW Neukölln – FSV Hansa 07 3:2 (0:0)

In einer Woche werden uns Günter Jauch und RTL mit dem ersten Jahresrückblick beglücken. Muss man nicht sehen, im Grunde ist 2008 nicht viel passiert: Es gibt jetzt Kneipen, in denen man nicht mehr rauchen darf, Benzin ist noch teuerer geworden, der Comandante tritt ab, China + Doping = Goldrausch, die SPD war mal eine Volkspartei, Banken sind pleite, Massenmörder machen auf Heilpraktiker, der Kaukasus fängt da an, wo Russland aufhört und, ganz wichtig, wir haben einen neuen Weltpräsidenten. Das sind in etwa die Schlagzeilen des Jahres. Für alle, die global denken, aber eher lokal leiden, muss die Liste aus aktuellem Anlass um eine Nachricht erweitert werden: Hansa 07 ist kein potentieller Aufsteiger in die Bezirksliga.

Die Enttäuschung darüber lässt sich wie so oft am besten im Konjunktiv fassen: Hätte Hansa die letzten zwei Spiele gewonnnen, stünden die Kreuzberger jetzt mit nur vier Punkten Rückstand auf den zweiten Platz aussichtsreich in Lauerstellung. Nach der 2:3-Niederlage gegen den BSV GW Neukölln jedoch ist das Tabellenende plötzlich näher als die Spitze, ist die Selbsteinschätzung weit von der Realität entfernt.

Gegen den Tabellenvorletzten aus Neukölln konnte Hansa allenfalls im Ansatz zeigen, wie man ein in der Kabine formuliertes Wir-wollen-hier-unbedingt-gewinnen auf dem Kunstrasen umsetzt. Zwei, drei Angriffe über den rechten Flügel nährten zunächst die Hoffnung auf den zweiten Auswärtsdreier der Saison. Die flachen Hereingaben von Halil Duman fanden jedoch keinen Abnehmer, hohe Bälle waren gegen die groß gewachsenen Abwehrhünen aus Neukölln kein probates Mittel. Notstürmer Roman Emmerling kam nur einmal unbedrängt zum Kopfball, das Ergebnis in eigenen Worten: „Wäre ich hochgesprungen, hätte ich ihn besser drücken können.“ Emmerling, der später mit seiner fehlenden „Coolness vor dem Tor“ haderte, vergab auch die zweite große Torchance, nachdem ihm ein verunglückter Kopfball von Duman vor die Füße gefallen war. Auf der Gegenseite ließen auch die Gastgeber beste Chancen aus, den ersten Eigentorversuch des Tages – Asker Karayel schienbeint in die kurze Ecke – konnte Torwart Christian Haberecht noch abwehren.

Das Stellungsspiel der Kreuzberger Viererkette war an diesem Tag ohnehin ein Rätsel. Es macht einfach keinen Sinn, den Raum zu decken, in dem sich kein Stürmer aufhält. Und es macht auch keinen Sinn, eine sinnfreie Bogenlampe per Grätsche stoppen zu wollen, wie es Innenverteidiger Paul Linke vor dem 0:1 (52.) versuchte. Dass Linke mit seiner zweiten Grätsche wenigstens den Ball traf, machte es auch nicht besser – das glitschige Leder landete im eigenen Tor, diesmal war Haberecht machtlos (58.).

Wie das von Trainer Ali Ilhan gepredigte Flachpassspiel aussehen kann, zeigten die Kreuzberger direkt nach dem Wiederanpfiff – aber nur einmal. Duman wird auf halbrechts frei gespielt, umkurvt leichtfüßig drei Neuköllner und legt ab in die Mitte zu Ercan Öktem, der sich die Ecke – links – aussuchen kann: 1:2 (59.). Der nun erwartete Sturmlauf der Kreuzberger blieb jedoch aus, vielmehr summierten sich die Abspielfehler, wie in der 70. Spielminute, als Linke mit seiner dritten Grätsche einen Ballverlust von Akgün Akdogan ausbessern wollte – Notbremse, glatt Rot, kein Protest.

Mittlerweile waren die aus Reinickendorf angereisten Auswechselspieler eingetroffen: Benjamin Fischer, der jedes Wochenende vom selben Traum verfolgt wird (Ich mache das Tor in der Nachspielzeit) und Frank Engel (Ich flanke auf Fischer, der das Tor in der Nachspielzeit macht). Es kam ein wenig anders: Den Ball zirkelte zwar von Engel in den Sechzehner, den Schädel musste aber Öktem hinhalten, an den Pfosten, und zurück zu Öktem, der zum umjubelten 2:2 (87.) einschob. Hansa war damit zufrieden, immerhin ein Punkt, Hansa war sogar nicht mehr in Unterzahl, Gelb-Rot für Neukölln (88.), doch Hansa ist halt Hansa. Wieder standen die Abwehrspieler Karayel und Ilhami Catal im Nirgendwo, niemand hinderte den Schützen zum 3:2 (89.) am Abschluss, niemand. Die Welt soll also es ruhig erfahren: der gleiche niemand glaubt noch ernsthaft an den Aufstieg.

Aufstellung: Haberecht – A. Selk, Karayel, Linke, Catal – Huber, Gorelik (86., Engel), Akdogan (76., Ilhan), Duman – Öktem, Emmerling (85., Fischer)

Tore: 1:0 (52.), 2:0 (58., Linke, Eigentor, Rechtsgrätsche), 1:2 (59., Öktem, Linksschuss, Duman), 2:2 (87, Öktem, Engel), 3:2 (89.)

Karten: Gelb für Öktem (Foulspiel), glatt Rot für Linke (Notbremse)

Hansa-Spieler des Spiels: spontan keiner

Besondere Vorkommnisse: zu wenig Autos für ein Auswärtsspiel

Aktueller Tabellenplatz: 9.

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5 Responses to Einmal Pfosten und zurück

  1. christian sagt:

    so siehts wohl aus… ab sofort gilt es in der tabelle nach unten zu schauen.

    danke für den bericht, paule.

  2. christian sagt:

    ich überleg franky für das zweite tor nen assist gutzuschreiben… wie seht ihr das?

  3. joe sagt:

    war ja auch frankys assist

  4. Ben sagt:

    Zumindest stand ich beim Ausgleich nur zwei Meter entfernt. 😉

  5. Youareallnuts sagt:

    kopf hoch, hansa, auch an den aufstieg in die kreisliga a hat dieser niemand zu diesem zeitpunkt der saison vor einem jahr nicht geglaubt. der mann ist halt ein zwecks-pessimist.

    hat uns der capitano das 0:2 unterschlagen oder finde ich das einfach im bericht nicht?

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