15. Spieltag: Hansa I – Traber FC II 8:0 (3:0)

Das Rezept für ein Tor des Monats – ja warum nicht sogar des Jahres? – sieht in etwa so aus: 25 Meter Entfernung, zentrale Lage, zwei Schritte Anlauf; man nehme nun den Ball mit links aus der Luft und jage ihn schnurstracks, stramm und kompromisslos in den Winkel; und um dem Kunststoß eine ganz besondere Note zu verleihen: Unterlatte nicht vergessen. Fertig.

Elf Minuten waren gerade erst gespielt, als der auf die Halbinsel Stralau verbannte FSV Hansa 07 (die Wrangelritze ist für den Spielbetrieb nach wie vor gesperrt und wird es aller Voraussicht nach auch in der Rückrunde bleiben) mit diesem sehenswerten Treffer von Pablo Gorelik 2:0 in Führung ging. Zuvor hatte der arg gescholtene, mit sich und seinen Leistungen hadernde Co-Spielertrainer Frank Engel seinen persönlichen Glücksmoment. Wie in alten Zeiten, damals also, in den 90ern, als Engel-Schüsse noch gefürchtet waren in der Kreisliga, landete der Ball unhaltbar im Seitennetz (4.). Und weil die Kreuzberger, von diesem Doppelpack wie berauscht, weiter den Ton angaben und auf eine frühe Entscheidung drängten, fiel in der 17. Spielminute bereits das 3:0. Die Gäste aus Mariendorf waren sichtlich bedient. Einziger Wermutstropfen: Torschütze Engin Kahraman, den Torjubel noch auf den Lippen tragend, knickte um und musste ausgewechselt werden. Nur kurze Zeit später der nächste Schock für Hansa: Halil Dumam wurde brutal von hinten umgemäht, auch er konnte nicht mehr weiterspielen, für ihm kam Spielertrainer Ali Ilhan zu einem weiteren Einsatz. Doch damit nicht genug: Plötzlich, nach einer der wenigen Angriffsbemühungen der Gäste, lag auch Kapitän Paul Linke am Boden. Nach einer kurzen Behandlung – Teambetreuerin und Wunderheilerin Julia Trzewick kam mit ihrer Arbeit kaum hinterher – reihte er sich aber wieder in die gewohnt sichere Viererkette ein. Es war dies die einzige Phase, in der das Spiel zu kippen drohte. Ein Glück, dass Torsteher Christian Haberecht zwei Schüsse parierte und jede Flanke sicher vom Himmel holte. Der Halbzeitpfiff kam zur rechten Zeit.

tabelle winterpauseIm zweiten Spielabschnitt gab es dann wahrlich kein Halten mehr. Und das obwohl Erfolgstrainer Ali Ilhan, wie er nach dem Spiel gleichermaßen verschämt und erleichtert einräumte, „kein gutes Gefühl“ hatte. Zehn Minuten nach wieder Anpfiff verflogen seine Befürchtungen vollends. Wie am Reißbrett gezogen lief der Ball durchs Mittelfeld, One-Touch-Football à la Hansa, über vier, fünf, sechs Stationen, dann in die Spitze. Der überragende und zu Recht in die Elf des Tages der „Fußballwoche“ berufene Ender Kökyaprak, spielte den entscheidenden Querpass, den der wieder erstarkte Mittelfeldregisseur Cengiz Yücel lässig über den Keeper lupfte. „So stelle ich mir das vor“, bilanzierte Ilhan. Wie oft mag er schon an seinem Job gezweifelt haben, wie oft hat er schon unter der Woche Spielzüge trainieren lassen, Laufwege und Passstafetten, nicht mehr als drei Ballkontakte – am Wochenende verweigerte die Mannschaft regelmäßig das Gelernte. Diesmal nicht. Diesmal gelangen den Kreuzbergern sogar die Standards, wie beim Kopfball von Linke zum 5:0 (62.), diesmal führten auch Konter zum Torerfolg, wie beim sechsten Treffer durch Kökyaprak (65.), ja, diesmal gab es selbst eine wunderschöne Co-Trainer-Trainer-Kooperation: Flanke Engel, Volleyschuss Ilhan (68.). Lägst hatten die Mariendorfer das Spiel aufgegeben, das letzte und zweite Tor durch Kökyaprak (72.) war nur noch demütigend. Hansa behielt in der Schlussphase, was nicht immer selbstverständlich war, die Nerven, und ließ sich auf die Provokationen des Gegners nicht ein. „Die haben doch keine Eier, darüber kann ich nur lachen“, sagte Kartenkönig Gorelik. Danach war das Spiel zu Ende.

Hansa verabschiedet sich mit einer Glanzleistung in die Winterpause. Die Bilanz: Beste Abwehr der Liga, Tabellenplatz zwei und die Aussicht auf die baldige Rückkehr aller Verletzten. Der ersehnte Aufstieg rückt näher, die Weihnachtsfeier findet nächste Woche statt. Na dann – prost!

Aufstellung: Haberecht – Linke – Catal, Meiser, Dumam (30. Ilhan) – Engel, Gorelik, Kökyaprak (80. Baloglu), Yücel, Ciftci – Kahraman (17. Karayel).

Tore: 1:0 Engel (4.), 2:0 Gorelik (11.), 3:0 Kahraman (17.), 4:0 Yücel (55.), 5:0 Linke (62.), 6:0 Kökyaprak (65.), 7:0 Ilhan (68.), 8:0 Kökyaprak (72.)

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One Response to Flanke Engel, Volley Ilhan

  1. Johnny sagt:

    Glückwunsch zum 8:0 Sieg und Tabellenplatz 2 nach der Hinrunde.

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