10.Spieltag: SpVgg Tiergarten II – FSV Hansa 07 II 1:3 (1:1)

Am Ende standen fünf Hanseaten in Alt-Moabit, schoben das Auto an und versuchten den Motor zum Laufen zu bringen. Doch dieser wollte nicht gehorchen und ließ immer nur sein höhnisches »Eeeeeeeeeee« misslungener Startversuche verlauten. Der Verzweiflung nah, ein Anruf bei der Wagenbesitzerin, um zu erfragen, wie das denn sei mit der ADAC-Mitgliedschaft. Dann ein kurioser Hinweis: »Auto nochmal abschließen und wieder aufschließen.« Fragende, zweifelnde Blicke. Auto zu, Auto auf. Startversuch, Motorschnurren, Gelächter bei den Hanseaten und den beiden Kassendamen, Erleichterung.

Eine Auswärtsfahrt ist lustic, eine Auswärtsfahrt ist froh, …

Das könnte eigentlich auch schon der Spielbericht gewesen sein. Ein Bericht von Verzweiflung, Haareraufen, Abrackern, Ärger, Wut, technischen Mängeln und dann doch ein Happy End. Das Hansa schlussendlich als Sieger vom Platz ging, lag am Gegner, der es nicht gebacken bekam, den weichgespülten Schlaffiauftritt der Gäste abzustrafen.

Die Hanseaten spielten 90 Minuten so, als hätten sie davor 90 Stunden durchgefeiert. Träge, blutleer, kraft- und sprachlos, jeder mit sich selbst beschäftigt. Glücklicherweise traf der desolateste Auftritt der Saison zusammen mit einem aufopferungsvoll kämpfenden, aber komplett glücklosen und abschlussschwachen Gegner.

Hansa ging früh aus abseitsverdächtiger Position in Führung (4.), gewann damit aber keine Sicherheit, sondern wiegte sich selbst in Sicherheit hin und her, bis alle fast eingeschlafen waren. So übernahm der Gastgeber das Zepter und offenbarte die an diesem Tag eklatanteste Schwäche der Kreuzberger: das  Zweikampfverhalten. Hansa lief nur noch hinterher und musste sich mehrfach bei Torwart Stephan Mann oder den Stürmern aus Tiergarten bedanken, dass nicht schon viel früher der Ausgleich fiel. Der fiel dann aber doch und war mehr als verdient. In einer 3:1-Überzahl auf der rechten Defensivseite der Hanseaten entstand kein Ballgewinn, ein Pass in die Mitte, auch da hatte ein Spieler mit genug Platz, Zeit den Ball anzunehmen, zu schießen, Ausgleich (19.).

Klar hatte Hansa auch Chancen auf Tore, doch diese waren eher dem ebenfalls mangelhaften Abwehrverhalten der Heimmannschaft anzulasten, denn dem wunderbaren Spiel der Hanseaten.

So gings mit 1:1 in die Halbzeit. Hätte aber auch 4:1, 1:2, 3:3, 4:4 oder so stehen können. Beide Defensivreihen waren mehr als wackelig. Trainer Nutsch war entsetzt und wechselte zwei Mal. Schachner und Linke sollten nun für mehr Dampf und Energie sorgen.

Doch Hansa unterbot die Darbietung des ersten Durchgangs noch und erspielte sich nunmehr so gar kaum noch Tormöglichkeiten. Eigentlich möchte man den Mantel des Schweigens über die Aufführung werfen, wäre da nicht das Endergebnis, welches den Hanseaten einen Sieg bescheinigt. Und so kam es: Anthony Behrendt spitzelte einen Ball aus 16 Metern flach ins Eck (68.) und als Tiergarten dann vehement auf den Ausgleich drängte, nutzte Rafael Strauss die Vorlage nach bissigem Einsatz von Geburtagslinke zum 3:1 (90.+2).

Alles Weitere wollen wir nicht erwähnen. Wer Fragen hat, der wende sich an Spielbeobachter und Chefkritiker Dirk Lauer.

Die netten Kassendamen von Tiergarten beim Plausch. Danke für den Warte-Stuhl für Paul.

Hansa siegt mit viel Glück und wenig Verstand. Aber so ist er ,der Fußball. Die Woche davor lieferte die Mannschaft die beste Saisonleistung ab und ergatterte nur einen Punkt. Nun reichten 10 Prozent des eigentlichen Könnens zum Sieg.

Aufstellung: Mann – Kreischer, P.Kohl, Hoffmann, Meiser – A.Selk (46.Linke), Tucic, Schumann, Hubmann (64.Strauss) – Behrendt, Hoss (46.Schachner)

Tor/e: 0:1 Hubmann (4.,Linksschuss,Schumann), 1:1 Atila (19.), 1:2 Behrendt (68.,Linksschuss,Schachner), 1:3 Strauss (90.+2,Rechtsschuss,Linke)

Karte/n: Tucic, Schumann (bd. gelb/Foulspiel)

Spieler des Spiels: Anthony Behrendt – der als Einziger annähernd in Normalform auftrat, sich Chancen erarbeitete und das glückliche 2:1 erzielte.

[ratings]

 

3 Responses to Hans A. im Glück

  1. Marcel R. aus K. sagt:

    Das war ja mal gar nix und komm mir jetzt ja nicht einer mit dreckiger Sieg. Hätte der Chefgrantler Franz ihn nicht erfunden, am Sonntag wäre die Zeugung des Begriffes Rumpelfussball fällig gewesen…erinnerte stark an den HSV unter Oenning…mutlos, kraftlos,sprachlos, einfach nur zum wegschauen. Am Sonntag bitte wieder 100% anders plus drei Punkte. Danke!

  2. McBain sagt:

    Hauptsache 3 Punkte! Gruesse aus der zentrale der Macht (glaube sie hier zumindest ;-))

  3. El Tren sagt:

    Glückwunsch Jungs, Tabelle sieht ziemlich gut aus.

    @McBain: Bist du an Marcs Spind?

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