Nachholspiel 5.Spieltag: FSV Hansa II – Berlin Türkspor II 7:2 (2:0)

Am gestrigen Abend fand das lang ersehnte Nachholspiel gegen Türkspor statt. Insider erinnern sich: Da war doch was! Richtig, aber wir sind fair und wollen nicht nachtreten. Immerhin bescherte uns dieser Zwischenfall das erste Flutlichtspiel der Saison auf heimischen Boden und das hatte doch auch Charme. Der Platz war so weich wie Beton und der Kälte trotzend, fanden mehrere Dutzend Zuschauer den Weg in die Wrangelritze, um sich am Spiel des frisch gebackenen Tabellenführers Hansa 07 II aufzuwärmen.

In der Mannschaft gab es in der Defensive zwei Veränderungen. Sowohl die linke als auch die rechte Verteidigerposition wurden durch die Mittelfeld-Routiniers Schumann und Wegerhoff besetzt. Auf dem linken Flügel feierte Hansa I Legende Jörg Weikardt sein Saisondebüt für die beste Zweite Hansa Mannschaft aller Zeiten.

Das Spiel ging munter los. Hansa fand gut in die Partie und ging nach vier Minuten durch Kahraman in Führung. Wer jetzt dachte, dass diese frühe Führung Hansa in die Karten spielte und mit Türkspor kurzen Prozess machte, durfte eines besseren belehrt werden.  Nach und nach warf Hansa sein Konzept über Bord. Eine unverständliche Nervosität machte sich breit. Dazu kamen die permanenten Spielunterbrechungen des Schiedsrichters, der gefühlt jeden Körperkontakt abpfiff. „Hände weg“ war das Gebot der Stunde. Diskutieren half nichts und wurde konsequent mit Ermahnungen und gelben Karten geahndet. Der BFV hatte anscheinend bei der Schiedsrichterbestimmung mitgedacht, denn der pfeifende Hardliner sorgte in diesem drohenden „Problemspiel“ dafür, dass beide Mannschaften gar nicht erst auf Aggressionstemperatur kommen konnten und somit grobe unsportliche Aktionen ausblieben. Dafür gebührt dem Mann Respekt.

Zurück zu einem Spiel das im Laufe der ersten Halbzeit etwas verflachte. Türkspor kam selten gefährlich vors Tor. Zwar ließen sie erkennen, dass sie gute Einzelspieler mit technisch einwandfreien Qualitäten in ihren Reihen hatten, gefährlich für das Hansa Tor waren die Aktionen jedoch nicht. Wirklich gefährliche Chancen ergaben sich für den Gast aus Standards, die aber allesamt nichts Zählbares für den Tabellenneunten einbrachten. Hansa II spielte, warum auch immer, viel zu umständlich. Haarsträubende und leichtfertige Ballverluste, wenig Kommunikation, Zauberpässe ins Nichts, so sah Hansas Spielkultur Mitte der ersten Halbzeit aus. Die Abwehr ließ sich einen kurzen Moment von der aufkommenden Tristesse anstecken. Unkonzentriertheit war die Folge, ebenso sinnlose Diskussionen mit Gegner und dem Schiedsrichter. Verflogen war die Souveränität vergangener Spiele. Ein Lichtblick war Kai Schumann der auf der ungeliebten linken Verteidigerposition mit kompromisslosem Einsatz und Ruhe agierte. Passend zum unglücklichen Spielverlauf verletzte sich nach einer knappen halben Stunde Hansas Kapitän Emmerling. Für ihn kam mit Herrmann ein würdiger Vertreter, der sofort Dampf machte. Zwei Minuten später dann die überraschende und schmeichelhafte, aber auch wunderschön herausgespielte 2-0 Führung. Wieder war es Kahraman, der diesmal nach Vorarbeit von Stargast Weikardt den Ball durch Strafraum und Gegner dribbelte und eiskalt abschloss. Balsam für die arg strapazierten Hansa Nerven.

Halbzeit. Trainer Nutsch fand klare Worte in der Kabine. Die mit Abstand schlechteste Halbzeit lag hinter ihnen, einzig das Ergebnis stimmte. Und niemand widersprach dem Coach. Nachdem die Köpfe gewaschen und die Mägen mit Tee und Bananen beruhigt wurden(Danke Waltraud!), ging es in die zweite Halbzeit.

Kurz nach Wiederanpfiff schaffte es Türkspor mit freundlicher Unterstützung der Hanseaten für Konfusion in der Abwehr zu sorgen. Gleich mehrere Hanseaten schafften es nicht, den Ball aus der Gefahrenzone zu kicken. Türkspor bedankte sich, eroberte den Ball, ein Schuss, Pfosten, Nachschuss, Tor. 1-2 aus der Sicht von Türkspor, die nun ihrerseits die Chance witterten, etwas Zählbares beim Spitzenreiter mitzunehmen.  Eine Minute später gelang ihnen dann von der Abwehr ungehindert fast der Ausgleich. Keeper Lauer brachte die Schlafmützigkeit seiner Vorderleute zur Weißglut. Mit dem Trainer brüllte er seine Vorderleute wach und siehe da, der Hallo- Wach Effekt zeigte Wirkung.
Angetrieben vom starken Boris Herrmann fand Hansa langsam aber sicher wieder in die Spur. Drei Minuten nach Türkspors Anschlusstreffer fand eine schöne Vorarbeit von Herrmann den Weg zu Stankowski, der sich die Chance nicht nehmen ließ und das 3-1 erzielte. Der Knoten war geplatzt. Endlich spielte die Mannschaft wieder Fußball. Einfache Pässe, hohe Laufbereitschaft, Pressing und frühe Balleroberung bestimmten nun das Spiel von Hansa und das sollte belohnt werden. Bektas sorgte zehn Minuten später mit dem 4-1 für die Vorentscheidung. Hansa hatte jetzt Blut geleckt und tat alles dafür, die erste Halbzeit vergessen zu lassen. Die Zuschauer kamen voll auf ihre Kosten.

In der 70. Minute erhöhte Kahraman, nachdem Bektas im Strafraum rüde zu Fall gebracht wurde, mit einem verwandelten Foulelfmeter auf 5-1. Drei Minuten später belohnte sich der unnachgiebige Kahraman mit einem Kracher unter die Latte mit seinem vierten Tor an diesem Abend. Unter dem Jubel der Zuschauer durfte er kurz darauf das Spielfeld verlassen. Türkspor gab sich geschlagen. Zwar demonstrierten einige Spieler wieder mit ein paar Kabinettstückchen was sie individuell drauf hatten, aber unterm Strich blieb es wertlose Kunst. Hansa dagegen wollte mehr. Ein halbes Dutzend weiterer guter Chancen wurden im Minutentakt herausgespielt, die aber viel zu leichtfertig vergeben wurden. Kurz vorm Abpfiff erhöhte Bektas schließlich auf 7:1. In der letzten Minute dann doch noch der zweite Ehrentreffer für Türkspor, dem eine schöne Vorarbeit vorausging. Allerdings muss auch erwähnt werden, dass die Hansa Abwehr ebenso wie Keeper Lauer da nicht gut aussah und die Gedanken wohl schon in der Kabine waren. Sei`s drum, der wichtige Dreier war unter Dach und Fach.

Mit dem Schlusspfiff ließ sich die Mannschaft von den Hardcore-Fans mit der Welle feiern. An dieser Stelle ein großes Dankeschön für euren Support. Ganz großes Kino.

Fazit: Hansa II untermauert in einem über weite Strecken mittelmäßigen Kick seinen Anspruch auf die Tabellenführung und beglückt seine treuen und kälteresistenten Fans mit einem Schützenfest. Trotzdem bleibt festzuhalten dass, trotz des hohen Sieges, das gestrige Spiel mit eines der schwächsten in dieser Saison war. Ob es an dem Druck der ungewohnten Höhenluft lag, an dem grauenhaften Flutlicht oder den unangenehmen Witterungsbedingungen wird ein Geheimnis bleiben. Sicher ist jedoch, dass in den letzten beiden Spielen die Mannschaft noch einmal alles abrufen muss, um das Etappenziel Herbstmeisterschaft zu erreichen und die Siegesserie weiter auszubauen. Dafür ist aber ein Höchstmaß an Konzentration über 90 Minuten nötig. Die Truppe hat absolut keinen Grund nervös und überheblich auf dem Spielfeld zu agieren. Die Mannschaft weiß was sie kann, nicht umsonst steht sie mittlerweile verdient an der Tabellenspitze.

Aufstellung: Lauer – Schumann, P.Kohl, Linke, Wegerhoff – Weikardt, Tucic, Emmerling (28.Herrmann), Stankowski (63.Strauss) – H.Bektas, E.Kahraman (74.Hoss)

Tor/e: 1:0 E.Kahraman (4.,Rechtsschuss,Stankowski), 2:0 E.Kahraman (30.,Rechtsschuss,Weikardt), 2:1 (50.), 3:1 Stankowski (52.,Rechtsschuss,Herrmann), 4:1 H.Bektas (62.,Rechtsschuss,Weikardt), 5:1 E.Kahraman (70.,Rechtsschuss,FE,H.Bektas), 6:1 E.Kahraman (73.,Rechtsschuss,Herrmann), 7:1 H.Bektas (88.,Rechtschuss,Weikardt), 7:2 (90.)

Karte/n: Tucic, Schumann, Hoss (gelb/Foulspiel), Weikardt (gelb/Meckern)

Spieler des Spiels: Engin Kahraman: 4 Tore sagen alles oder?

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2 Responses to Hansas 7. Streich

  1. Hoffel sagt:

    Oh, wie ist das schön, oh wie ist das schön. So was hat man lange nicht gesehen, so schön, so schöööön… Super Jungs! Ich will zurück auf den Platz, so schnell wie möglich.

  2. tim sagt:

    Glückwunsch Jungs!!

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