8. Spieltag: FSV Hansa 07 II – SV Blau Weiss Berlin II 2:3 (1:0)

Autor: David Labude

Am Sonntag lief Hansas Zweite zum wichtigen ‚Sechs-Punkte-Spiel‘ gegen den SV Blau Weiss Berlin auf. In einem direkten Aufeinandertreffen begegneten sich zwei vom Abstieg bedrohte Teams der Kreisliga B. Entsprechend entschlossen sollte es zu Werke gehen. Hätte man erwarten dürfen.

Doch zunächst ein kurzer Rückblick, denn in der Woche zuvor überschlugen sich die Ereignisse in der Wrangelritze: Am Montag hatte zunächst der Co-Trainer sein Amt niedergelegt. Am Dienstag hatte sich die Mannschaft dann vom Trainer A. Dogan getrennt und war seitdem ohne sportliche Leitung. Das am folgenden Tag ausgetragene Pokalspiel gegen ein Team der Kreisliga C konnte unter der Führung des kurzfristig eingesprungenen K. Schumanns souverän (8:1) gewonnen werden. Selbstverständlich hofften nun alle auf einen weiteren Erfolg des Interim-Coachs.

Es war der Tag-X für die Mannen von Hansa II, die entschlossen waren am heutigen Sonntag die Wende einzuleiten und den verpatzten Saisonauftakt zu korrigieren. Die Hansakogge sollte wieder auf Kurs gebracht werden.

Die Ausgangssituation war allen klar, ebenso die Dringlichkeit. Drei Punkte mussten her. Egal wie. Blau Weiss Berlin hatte in sieben gespielten Partien keinen einzigen Punkt geholt und verbuchte fünfundvierzig Gegentore auf seinem Konto. Auch die Hanseaten hatten sich erst fünf Punkte erspielt, konnten aber mit einem Dreier wieder Kontakt zum Mittelfeld der Tabelle herstellen oder zumindest den Abstand zu den Abstiegsrängen ausbauen. Dementsprechend wurde die Devise ausgegeben den Gegner früh zu stören und ihn gar nicht erst ins Spiel kommen zu lassen. Man selbst wollte das Geschehen dominieren und nach Möglichkeit früh in Führung gehen.

Die Partie begann im Sinne Hansas. Das von Schumann geforderte Pressing wurde zwar nicht vollends umgesetzt, doch der Gegner ließ die Hanseaten weitestgehend gewähren und verhielt sich sehr passiv. Angriffsbemühungen wurden erst spät gestört und Hansa konnte das Spiel immer wieder über die Innenverteidigung neuaufbauen und verlagern. Dadurch entstanden zahlreiche gute Tormöglichkeiten. Der stark aufspielende Linksverteidiger Kohl setzte sich immer wieder nach Zusammenspiel mit Hausmann auf dem Flügel in Szene und konnte den Ball in den Sechzehner der Blau Weissen hinein flanken. Zudem forderte Kahraman im Zentrum ein ums andere Mal die Bälle und nach guten Kombinationen mit Behrendt bzw. Hoss entstanden immer wieder gefährliche Torchancen. Leider führten diese Angriffsbemühungen vorerst nicht zu einem Treffer.

Erst ein krasser Patzer des Schlussmannes der Gäste führte zum verdienten 1:0 in der 10. Spielminute. Hoss hatte den Instinkt und spekulierte richtig. Ein hoch in den Strafraum der Blau Weissen geschlagener Ball wurde vom gegnerischen Torhüter nicht festgehalten und als diesem das Leder aus den Händen glitt konnte Hoss erfolgreich abstauben.

Das Spiel wurde auch anschließend von Hansa kontrolliert. Die Gäste beschränkten sich auf Vorstöße nach langen Bällen und Standardsituationen, die aber weitestgehend neutralisiert wurden und keine Gefahr für das eigene Tor darstellten. Die Verteidigung um Meiser und Labude entschied zu diesem Zeitpunkt alle Zweikämpfe für sich und garantierte Hansas Überlegenheit in der Luft und auf dem Boden.

Hansa kam in der Folgezeit – insbesondere durch Kahraman und Hausmann – zu einigen guten Tormöglichkeiten und zwei Mal rettete nur das Aluminium die Gäste vor einem höheren Rückstand. Es war in dieser Phase in der Hansa das Spiel hätte entscheiden und den eigenen Vorsprung ausbauen müssen. Doch die Hausherren vermochten es nicht und so ging es mit einem knappen 1:0 Vorsprung in die Pause.

Der Trainer des Gästeteams hatte seine Mannschaft in der Halbzeit gut eingestellt. Man merkte den Blau Weissen an, dass sie das Spiel noch drehen wollten. Blau Weiss agierte jetzt entschlossener und attackierte plötzlich weit in der gegnerischen Hälfte. Hansa musste sich auf die neue Situation einstellen, das eigene Aufbauspiel hakte und die Zweikämpfe wurden nicht mehr aggressiv genug geführt. Zahlreiche Bälle gingen dadurch verloren. Hatte man den Gästen in der ersten Halbzeit noch Passivität und Zurückhaltung bescheinigen können agierten sie nun wie ausgewechselt. Geschlossenheit und Aggressivität zeichneten ihr Spiel von nun an aus. Es waren keine Einzelaktionen oder individuelle Stärken die die Gäste hier darboten, sondern eine kompakte Mannschaftsleistung. Hansa verkrampfte. Schumann wechselte aus und versuchte das Mittelfeldspiel wieder anzukurbeln. Bublak kam in die Partie (55.). Doch zunächst blieb Blau Weiss am Drücker.

In der 65. Minute bekamen die Gäste einen strittigen Freistoß an Hansas Sechzehnmeterraum zugesprochen. Trotz zunehmenden Spielanteilen hatte sich Blau Weiss bis dato noch wenig Torchancen aus dem Spiel heraus erarbeiten können, doch die Standardsituationen häuften sich und diese war in gefährlicher Position. Ein satter Schuss entriss Hansa die Führung. 1:1.

So kraftvoll der Ball in das Netz einschlug war der Ruck der durch die Mannschaft fuhr. Man raufte sich zusammen und begann wieder zu spielen. Bublak gelang es das Offensivspiel zu beleben und Brunnert wurde zum Garanten im defensiven Mittelfeld. Durch seinen rigorosen Einsatz entschied er zahlreiche Zweikämpfe für Schwarz Gelb.

Es sah wieder nach Fußball aus. Zumindest der Wille dieses Spiel zu gewinnen war wieder erkennbar. Ein ums andere Mal setzte sich Bublak auf rechts durch und kam gefährlich vor das Tor der Gäste. Auch Hausmann, der mittlerweile Hoss im Sturm ersetzte, und Netz sausten wieder durch die Hälfte der Blau Weissen. Erneut war es Bublak auf rechts, der sich durchsetzte und den Ball von der Grundlinie in den Rücken der Abwehr spielte, wo Hausmann den Pass bereits erwartete und zum 2:1 (75.) einschob. Hansa war wieder auf Kurs.

Doch nach der Führung schalteten die Hanseaten wieder einen Gang zurück. Das Spiel entglitt zunehmend und verlor an Ansehnlichkeit. Hansa hatte sich anscheinend mit dem 2:1 arrangiert.

Vom Führungstreffer der Kreuzberger unbeeindruckt machte Blau Weiss aber weiter Druck. Über die Flügel trugen sie ihre Angriffe immer wieder vor Hansas Tor. Zudem bereitete ein aggressives Forechecking der Hintermannschaft einige Probleme. So war es keineswegs ein Produkt des Zufalls was sich zehn Minuten vor Schluss auf dem Platz abspielte: Zunächst führte ein Abstimmungsfehler in der Hansadeckung zum 2:2 Ausgleichstreffer (80.). Schwarz Gelb war daraufhin sichtlich irritiert bemühte sich aber wiederum um eine Ergebniskorrektur. Diesem Bemühen folgte allerdings nach wenigen Augenblicken ein weiterer Patzer. Das von Blau Weiss praktizierte Forechecking provozierte einen Fehlpass in Hansas Aufbauspiel. Der Ball landete direkt vor den Füßen eines gegnerischen Angreifers, der mit einem Sonntagsschuss aus 25 Metern zum 2:3 (82.)aus Hansasicht traf. Das Spiel stand Kopf.

Wenigstens einen Punkt aus dieser Begegnung mitzunehmen war die neue Devise. Circa zehn Minuten verblieben dazu, doch es geschah nichts mehr. Man sah Hansa den Schock an. Die Mannschaft war völlig konsterniert. Es kam kein Spielfluss mehr zu Stande und außer einigen Einzelaktionen passierte nichts nennenswertes mehr.

Der Schiedsrichter beendete kurz darauf die Partie und ließ eine für unmöglich gehaltene Niederlage gegen Blau Weiss Berlin zur bitteren Realität werden.

Am Ende gewann die kompaktere Mannschaft die die nötige Entschlossenheit mitbrachte dieses Match für sich zu entscheiden. Bei Hansa sollte man sich der neuen Situation schnellstens bewusst werden: Und die heißt Abstiegskampf.

Aufstellung: P. Hertel – J. Möller, P. Meiser, D. Labude, J. Kohl – A. Behrendt, M. Brunnert – M. Netz (78. F. Engel), E. Kahraman (55. B. Bublak), M. Hausmann – A. Hoss (70. Hajji)

Torschützen: 1:0 A. Hoss (10.), 1:1 (65.), 2:1 M. Hausmann (75.), 2:2 (80.), 2:3 (82.)

Spieler des Spiels: J. Kohl; K. Schumann für seinen super Einsatz als Interimstrainer!

 

One Response to Ihr da oben – wir da unten

  1. Hoffel sagt:

    Abhaken und Neustart! Beginnt mit dem Pokal am Sonntag, und dann wieder in der Meisterschaft punkten!

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