8. Spieltag: Ankaraspor vs. FSV Hansa 07 II 6:0 (4:0)

So hätte es wohl die Zigarre auf zwei Beinen Dragoslav Stepanovic formuliert als am Sonntag irgendwann um zwei der Schlusspfiff eines denkwürdigen Spiels erfolgte. Wurden im Vorfeld des Spitzenspiels zwischen den zweitplatzierten Ankaraspor und dem Verfolger Hansa, (genährt durch den tollen Pokalauftritt eine Woche zuvor) noch Hoffnungen gehegt, dass man am Ende des Spiels in der Tabelle vor den Mannen von Ankaraspor stehen würde, trat nach Abpfiff die große Depression ein. 0-6! Das glich einer Hinrichtung. Es hätte dabei weitaus schlimmer enden können, aber eine couragierte und kämpferische Einstellung, eine spielerische Steigerung in Hälfte zwei sowie den Rettungstaten von Keeper Rico Selk verhinderten eine zweistellige Tracht Prügel.

Das Spiel begann auf Hansaseite mit einigen Ausfällen sowohl auf Spieler- als auch auf Trainerseite. Aus der ersten Mannschaft wurden zwei Spieler abgestellt und Capitano Ben Fischer zeigte wie so oft Verantwortung und gab sich für den vakanten Posten des Spielertrainers her. Probleme gelöst wollte man meinen. Anpfiff!

Die zahlreich daheim gebliebenen Zuschauer verpassten einen Auftakt nach Maß für Ankaraspor, die auf dem glitschigen Kunstteppich weitaus weniger Probleme hatten als die Hansa- Schützlinge. Der erste Angriff von Ankaraspor über rechts landete flach im hanseatischen Strafraum und von dort aus in den rechten Torwinkel. 0-1 nach vierzig Sekunden. Mund abwischen, weiter machen. Anstoß Hansa. Es folgte ein Ballverlust und ein erneuter Angriff über rechts, wieder kam der Ball flach in den Strafraum wo Keeper Selk beim Versuch den Ball weeeit weg zu dreschen den runden Bruder flach und punktgenau in den Fuß des gegnerischen Stürmers beförderte. Der hatte eine Woche zuvor Hertha geguckt und lupfte den Ball über den Unglücksraben ins Tor. 0-2 nach zwei Minuten.

Angetrieben von Roman Emmerling, der immer wieder die Gattuso-Gedächtnis-Grätsche auspackte, drückte Hansa auf den Anschlusstreffer, aber es sollte nicht sein. Trotz teilweiser schöner Spielzüge gelang kein Tor, was zum einen an der sattelfesten Abwehr der Gastgeber zum anderen aber auch leider an den nicht enden wollenden Versuchen der Hansa Stürmer lag, den Ball mit Hacke Spitze 1-2-3 ins Tor zu tragen. Die Rache folgte auf den Fuß. Ankaraspor spielte das alte Lied vom Tor über rechts. 0-3 und noch über siebzig Minuten zu spielen. Gott stehe ihnen bei. Kurze Zeit später fiel dann das 0-4, wie es gefallen ist, konnte ich nicht sehen. War vielleicht auch besser so.

Bis zur Pause passierte dann Gott sei Dank nicht mehr viel, mit Ausnahme des Schiedsrichters, der mit seinem eigenwilligen Pfeifstil nicht nur die Spieler auf den Platz zur Verzweiflung brachte. Beim schwarzen Mann saßen die gelben Karten so locker, wie bei den Bullen der Knüppel am 1. Mai. Auf den Rängen wurden Rote-Karten-Wetten zu miesen Quoten abgeschlossen. Bei gefühlten 15 gelben Karte alleine in der ersten Hälfte nicht verwunderlich. Halbzeit!

Spielertrainer Fischer reagierte in der Pause und erlöste den von einer Grippe geschwächten Verteidiger Paul Linke. Dafür kam die Leihgabe aus der Ersten Ender Kökyaprak ins Spiel. Hansa begann die zweite Hälfte couragiert. Man hatte sich für die zweite Hälfte Wiedergutmachung vorgenommen, da Rasen kaputt treten wegen Nicht vorhanden sein ausfiel. Der Ball lief teilweise gut in den eigenen Reihen und über das Problemkind rechte Hälfte ging für Ankaraspor weitaus weniger als in Hälfte 1. Kurzzeitig hatte man das Gefühl, der Gastgeber ließe jetzt fünfe gerade sein und manch einer der wenigen Zuschauer erinnerte sich an große Schlachten wie das legendäre Bundesligaspiel zwischen Kaiserslautern und Bayern München in den 70er Jahren, wo die Teufel zur Halbzeit 1-4 hinten lagen und am Ende noch 7-4 … Alter wach auf.

Der Rest des Spiels ist schnell erzählt. Hansa belohnte sich nicht für ein ordentliches und vor allem kampfbetontes Auftreten, sondern kassierte innerhalb von fünf Minuten das 0-5 und 0-6. Hansa demoralisiert, Ankaraspor euphorisiert, der Schiedsrichter gefiel sich weiter in der Rolle des Sonderlings und Roman Emmerling erhörte die Gebete der fröstelnden Zuschauer in dem er einfach mal aus 25 Metern abzog und den gegnerischen Torwart zu einer Glanzparade zwang. Dann war`s endlich vorbei. „Lebbe geht weida“… Ach halt`s Maul.

Fazit: Das Spiel wurde in den ersten 10 Minuten verloren. Der Versuch Spielertrainer ist nicht nachahmenswert. Grippe geschwächte Spieler gehören nicht in die erste Elf, wenn gesunde Alternativen vorhanden sind. Bei rutschigen Boden besser aus der 2. Reihe aufs Tor schießen, statt den Ball mit Kabinettstückchen ins Tor zu tragen. Bei Ballverlust nicht mit sich hadern und stehen bleiben, sondern nachsetzen und das Ding zurückerobern. Hach Fussi kann so einfach sein.

Aufstellung: R. Selk – Gorelik (60.D.Kahraman), Fischer, Hoffmann (70.Kreischer), Linke (46.Kökyaprak) –Emmerling, Meiser, Ewald, Wegerhoff – H. Bektas, E. Kahraman

Tore: 1:0(1.), 2:0(2.), 3:0(10.), 4:0(25.), 5:0(60.), 6:0(65.)

Karte/n: R.Selk, Hoffmann, Fischer, Gorelik, Meiser, E.Kahraman, H.Bektas (alle gelb wegen irgendwas)

Hansa-Spieler des Tages: Roman Emmerling, der seine Mitspieler antrieb, kämpfte, grätschte, feine Pässe servierte und für sein vorbildhaftes Auftreten fast mit einem Traumtor belohnt wurde. Und Pablo Gorelik, flink, gewitzt und voller Einsatzfreude. Nicht tot zu kriegen der Junge.

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8 Responses to „Lebbe geht weida“

  1. York sagt:

    das sind milde worte, für die kleine katastrophe, die sich dort abgespielt hat. gute besserung für deinen daumen!
    P.S. ich hatte keine gelbe karte

  2. Ben sagt:

    Ich hatte eine Gelbe….und habe das Spiel immer noch nicht verdaut.
    Zum Spielbericht: Sehr witzig…solltest öfter schreiben.

    Bis morgen dann.

  3. dirk sagt:

    @ York: Danke, das wird schon wieder. Jetzt weiß ich immerhin wie wertvoll so ein linker Daumen ist. Stimmt war ne Katastrophe, aber ich sag mal so…wer weiß für wat et jut et 😉
    Glückwunsch zu dem Nichterhalt einer Karte, wer sind die anderen zwei?
    @ Ben: Danke, hat Spaß gemacht. Bis morgen

  4. Laszlo sagt:

    steppi! da geht mir frankfurter ja des herz uff! schade jungens. nächste woche wieder nen dreier einfahren! sehr gelungener bericht. chapeau

  5. roman sagt:

    trotz gefühlten 32 blutgrätschen bin ich ohne gelbe karte vom feld gegangen. was selbst den schiri überraschte, aber er hat extra nochmal nachgeschaut – das war auch leider mein einziger erfolg.
    schöner bericht, bitteres, sehr bitteres spiel. man stellt sich nach all den jahren die frage, ob man wirklich nicht mal in der kreisliga C mithalten kann – traurig, peinlich!!!

  6. christian sagt:

    so isser, der roman. immer hart. immer fair. außer zu sich selbst, da isser nur hart.

  7. York sagt:

    @ stepanovic: ganz große vier monate bei eintracht trier, winter 91, bevor er nach frankfurt ist!

  8. Laszlo sagt:

    für steppi gibts nur eine eintracht und die spielt am main. sorry york…und roman lass de kopp ned hänge! lebbe geht weida. sonntag nen dreier und außerdem steht ihr tabellarisch doch gar nicht so schlecht da! nen ausrutscher gibts immer auch wenn die bei dir anscheinend unter der kategorie blutgrätsche geführt werden 😉

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