28. Spieltag: FSV Hansa 07 – Pro Sport Berlin 24 7:0 (3:0)

Montag, 16. Mai 2011, Wrangelritze, 18:30 Ortszeit. Sprühregen. In der Kabine: überraschende Farben. Man könnte auch meinen: bayernesk. Der Gedanke an einmal Pommes Schranke kommt auf. Doch die Assoziationskette wird jäh unterbrochen. Trainer Wegerhoff betritt den Raum. Seine Ansage ist unmissverständlich: Passspiel über die Außen. Räume schaffen. Und dann den Torabschluss suchen. Während sich Hansa mit taktischen Feinheiten und dem CD-Player beschäftigt, wartet Pro Sport noch auf Spielerinnen mit weitem Anreiseweg. Gegen 19:40 ist das Team aus Berlins tiefem Westen schließlich vollständig. Vollständig zu neunt. Wenn Spielerinnen montagabends aus Neuruppin kommen, um in Kreuzberg Fußball zu spielen, noch dazu als Tabellenletzte, weicht leichter Verwunderung erst Anerkennung und dann Konzentration. Es geht hier zur Abwechslung mal um keinen Bus. Es geht um drei Punkte. Gegen 19:45 Anpfiff.

 

Neun tapfere Pro-Sportlerinnen stellen sich der hanseatischen Übermacht!

Doch genau genommen, fängt das Spiel erst in Minute fünf an. Das ist der Moment, in dem Hansa das Spiel von der linken, auf die rechte Seite verlagert. Bingo. Prompt kommt Skog im Strafraum an den Ball und – drin ist er. 1:0 für Hansa. So einfach geht das. Könnte man meinen. Nur zwei Minuten später überwindet Pracht per Kopf erst Gegenspielerin. Und dann sich selbst. Ihr Schuss verabschiedet sich Richtung Grünstreifen. Trotzdem: schöne Aktion. Ein paar Minuten später ist es wieder Pracht, die mit einem langen Einwurf Skog kongenial bedient. Und die fackelt nicht lange: Präzise wie ein schwedisches Uhrwerk flankt sie in den Strafraum, wo Stürmerin Agbeyegbe schon steht und wartet, doch knapp verpasst. In der 22. Minute ist es dann Abascal Sanchez de Molina, die der aufgerückten Messow herrlich auflegt. Ihr strammer Rechtsschuss – vorbei.

Das Meer der Möglichkeiten ist für Hansa genauso wie die Räume, die Pro Sport den Platzricken überlässt: weit. Doch Trainer Wegerhoff bleibt ruhig und geduldig. Nicht nur äußerlich. Genauso wie die Mannschaft. Und das zahlt sich aus. In der 31. Minute lässt Agbeyegbe den Pass von Behre abprallen, die nimmt ihn wieder auf und schießt ihn von der linken Strafraumkante rechts oben unter die Latte. Drin. 2:0 für Hansa. Keine fünf Minuten später ist es wieder die spielgestaltende Messow, die im Strafraum an den Ball kommt und ihn dieses Mal treffsicher versenkt. 3:0 für Hansa. Halbzeitstand.

Viel hat Trainer Wegerhoff in der Kabine nicht zu sagen. Das, was er sagt, setzt Hansa in der zweiten Halbzeit um. Druckvoller als noch in der ersten Spielhälfte dirigiert Hansa nun das Spiel. Die Spielerinnen von Pro Sport: schlichtweg überfordert. Drei Minuten nach Wiederanpfiff kommt Abascal Sanchez de Molina frei zum Schuss – knappe Sache. Glück für das Team aus dem Grunewald, das jetzt zu acht hinten drin steht. Hansas Rezept in dieser Situation über die Außen zu kommen, geht auf: Wieder einmal ist es Skog, die in der 51. Minute eine Flanke in die linke Strafraumhälfte bringt, Behre antizipiert, zieht nach innen und muss den Ball nur noch rechts an der Torhüterin vorbeischieben. 4:0 Hansa. Torwärtin Wittenburg übt sich derweil im Kopfrechnen. Den Zahlenraum 1 bis 100 beherrscht sie zu diesem Zeitpunkt sicher.

Während Wittenburg munter dividiert und multipliziert, sehen die von Wetter, Wochentag und Uhrzeit Unerschrockenen in der Wrangelritze ein zunehmend unterhaltsames, wenn auch einseitiges Spiel. Denn nur zwei Minuten später ist es, wie schon zuvor, Abascal Sanchez de Molina aus 16 Metern – aber dieses Mal sitzt das Ding. 5:0 für die Hansa Frauen, die jetzt nach Belieben probieren, passen und über die Bananenflanken aus dem Hause Skog staunen – und darüber bisweilen das Treffen vergessen. In den Minuten 55 und 60 kommt dann für Agbeyegbe Kanter und für Behre Möhring. Hansa sortiert sich in Mittelfeld und Sturm neu – was Skog gleich mal dazu nutzt, ihre Torquote um einen Treffer zu erhöhen: ein scharfer Schuss aus dem Strafraum ins linke, lange Eck. Sitzt, wackelt, und hat Luft. 6:0 für Hansa. Für Wegerhoff die Gelegenheit zum Auswechseln. Für Absacal Sanchez de Molina kommt Gugel. Die für Agbeyegbe gebrachte Kanter wirbelt sich währenddessen spielfreudig durch den Strafraum, haut erst noch ein, zwei Bälle knapp daneben, um dann in Minute 88 den Ball flach und platziert im Netz zu versenken. 7:0 für Hansa. Endstand. Ein Ergebnis, das gut tut. Ein Ergebnis, das aufhorchen lässt. Aus zwei Gründen: Wahrer Sportsgeist steigt nicht proportional zum Tabellenplatz. Auf diesem Wege ein Gruß an Pro Sport. Und: Krake Paul lebt. Er wohnt jetzt in Berlin und ist Hanseat. Sein Name: Ben Fischer.

Aufstellung: Wittenburg – Fugger, Kaapcke, Winterstein, Pracht –  Heinicke, Messow, Behre (60.Möhring), Abascal Sanchez de Molina (68.Gugel), Skog – Agbeyegbe (55.Kanter)

Tore: 1:0 Skog (5.), 2:0 Behre (31., Agbeyegbe), 3:0 Messow (35., Behre), 4:0 Behre (51., Skog), 5:0 Abascal Sanchez de Molina (53.), 6:0 Skog (67.), 7:0 Kanter (88.)

Spielerin des Spiels: Astrid Skog, die nicht nur ihre ersten zwei Treffer für Hansa erzielte, sondern noch dazu über die volle Zeit von Rechtsaußen brandgefährliche Flanken in den Strafraum beförderte.

(Autorin: Johanna B.)

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4 Responses to Lebst du noch oder flankst du schon? Oder: Die Krake lebt

  1. Ben sagt:

    Glückwunsch Amazonen. 🙂
    In den schönsten Trikots Hansas 7:0 gewonnen…den Kasten habt ihr euch mehr als verdient!

  2. Ben sagt:

    Hansa-Frauen nicht im Finale?
    Dafür die langweilige Fußball-Elite, die ihr Viertelfinale verloren haben? brigitte.de….Du hast sie nicht alle….widerlich….

  3. marc sagt:

    HANSA HAT DIE BESTEN FRAU’N DER WELT, HANSA HAT DIE BESTEN FRAU’N DER WELT!

  4. roman sagt:

    ist halt auch brigitte…

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