"Alles, was du hier siehst, mein Sohn..."

"Alles, was du hier siehst, mein Sohn..."

Autor: André Hoss
Kreisliga B, St. 2, Sonntag 14 Uhr, Stadion an der Windmühle, FC Hellas vs. Hansa II, 1:1 (1:0).
Abschiedsspiel von „Michbeck“. Riesiger Rasenplatz umgeben von Wald, idyllischem Grün, begleitet von leichtem Regen und geleitet von Herrn Herberger. Die Personaldecke der Hansa war erneut ausgesprochen dünn. Behrendt half bei der ersten Mannschaft aus und für ihn übernahm Brunnert auf der Doppelsechs neben Stürmer. Labude rückte in bester Kevin-McKenna-Manier von der Innenverteidigung in den Sturm. Rehwinkel nahm seinen Platz in der Verteidigung ein. Engel wechselte auf die ungewohnte rechte Seite. Hansaveteran Meiser verteidigte links hinten und Schimpke gab vor ihm sein Hansabebut.

Die ersten langen Bälle beim Aufwärmen gaben einigen Spieler das Gefühl sich durchaus berechtigt als Ex-potenzieller Bundesligaspieler zu fühlen. Im Anschluss übliche Warmmachspielchen mit Leiter, Ball, Leibchen und Männern an den Stangen. Abschließend erörterte das Trainerteam nochmal das Verschieben der Viererkette und Bewegungsabläufe der offensiven Standards.
Gleich zu Beginn des Spiels kam die Hansa zu einer sehr guten Möglichkeit. Langer Ball von Hertel, Hoss verlängert per Kopf in den Lauf von Labude, der allein vorm Keeper auftaucht, doch leider den Ball nicht trifft. Die Anfangsphase verläuft ziemlich zerfahren: Der ungewohnte Naturrasen fabriziert viele unnütze Ballverluste, Zweikämpfe und Foulspiele auf beiden Seiten. Brunnert holt sich bereits nach 10 Minuten etwas ungestüm die gelbe Karte und muss sich zunächst mit seiner Lieblingsbeschäftigung, der einbeinigeingesprungenen Grätsche, in der Folge etwas zurückhalten. Einige nette Passstafetten kamen schon zu Stande, allerdings blieb große Gefahr für das Tor der Heimmannschaft weitestgehend aus. Engel verzog etwas überrascht mit dem schwächeren Rechten, Brunnerts Schussversuch vom Strafraumeck landet in den Füßen der Verteidiger, Sturmturm Labude verpasst bei einem Kopfballversuch nach einer der zahlreichen Schimpkeflanken unter Bedrängung nur knapp. Und so fällt etwas aus dem Nichts das 0:1: Ballverlust in der Vorwärtsbewegung, langer Ball in die Schnittstelle zwischen Kapitän Kohl und Rehwinkel, gegnerischer Angreifer durch, Keeper Hertel machtlos, Tor. Rückstand. Die darauffolgenden Eckbälle und Freistöße brachten nichts ein. Hansa ließ hinten wenig zu, verschleppte jedoch etwas das Spiel, hielt generell die Bälle zu lang und war so unterm Strich im Spiel nach vorn in der ersten Hälfte einfach zu harmlos.

Saubere Leistung

In der Halbzeit forderte das Trainerteam weiter Geduld, Konzentration und das Einstellen exzessiver Dribbelversuche. Ex-potenzial hin oder her. Mit hohem Engagement kämpfte man sich zurück ins Spiel. Der wiedergenese Verteidiger Rehwinkel prophezeite in der Halbzeit ein gutes Grätschgefühl zu haben und blieb den Nachweis nur drei Minuten schuldig: Ballverlust Engel – Grätsche Rehwinkel –  Gelbe Karte – Freistoß am Strafraumeck. Auf einmal begann sich die versammelte Hintermannschaft verbal zu bekriegen. Hinterher sollte sich herausstellen, dass irgendwie alle eigentlich das Gleiche meinten und wollten. „Gute Nachricht: Jungs – kein Tor!“ Die Hansa war nun endgültig wach und unter Führung ihres unermüdlichen Kriegers Stürmer am Drücker. „We have to fight weiter!“. In der 77. Minute brachte Trainer Göritz mit Gökhan Yildirim vorn die dritte Spitze und stellte hinten auf Dreierkette um. Gute Möglichkeiten vom starken Debütanten Schimpke und Kohl verfehlten das Tor noch knapp. In der 84. Minute war es dann endlich soweit und das Anrennen wurde belohnt: Freistoß, Kopfball Stürmer (wie von Göritz im Vorfeld gewünscht diagonal gegen die Laufrichtung des Torwarts), Ausgleich. Hansa versuchte weiter alles, auch wenn sie das Spiel leider nicht mehr drehen konnte.

Wie es sich für so ein Abschiedsspiel gehört beendet der Protagonist das Spiel nicht auf dem Rasen. Wohingegen sich Ballack, Frings und andere exponentielle Bundesligaspieler nach 70 Minuten mit Ehrenrunden verabschieden und im Applaus der Menge Baden, hatte Brunnert für seinen Abschied eine kreative Alternative parat. 89. Minute: Er nimmt Anlauf, grätscht den gegnerischen Spieler von hinten ab, sucht in der Folge noch kurz nach dem Ball und holt sich mit einer an Stumpfheit kaum zu übertreffenden Aktion in seinem letzten Spiel die verdiente gelb-rote Karte. „Pure Vernunft darf niemals siegen!“ Wir werden ihn nicht nur für die brillant inszenierte Abschlusspointe vermissen und wünschen Michbeck gutes Gelingen bei der Rückkehr in die ostwestfälische Provinz.

Ein Punkt gewonnenen – zwei  verloren? Sei es drum: Hansa zeigte wieder eine gute geschlossene Mannschaftsleistung, überzeugte mit körperlicher Präsenz und klettert in der Tabelle auf Platz 5. Nächste Woche wartet mit Süden eine weitere schwere Aufgabe und mit hoffentlich etwas breiterem Kader die neuerliche Herausforderung, sich oben festzusetzen.

Hertel – Kreischer, Rehwinkel (77. Yildirim), P.Kohl, Meiser – Brunnert, Stürmer, Engel, Alex S. – Hoss, Labude

 

5 Responses to Michi Beck in Hell

  1. Michbeck sagt:

    Spitzenbericht!

    Danke für die außergewöhnliche Zeit, Freunde.

    Mein Herz schlägt Hansa!

  2. Hoffmann sagt:

    Meine Highlights im Spiel:
    – Hoss verlängert per Kopf in den Lauf von… (so noch nicht gesehen)
    – MichBecks Abgang (übrigens genauso wie bei Marc van Bommel)
    – Engel kniet nach einer vergebenen Chance auf dem Rasen und trommelt mit den Fäusten auf selbigen (hatte was von einer Filmszene aus Platoon: Waaaaruuuuum?)

    Meine Highlights im Spielbericht:
    – „Die darauffolgenden Eckbälle und Freistöße brachten nichts ein. “
    – „Passstafetten“ (mit 3 s)
    – „holt sich mit einer an Stumpfheit kaum zu übertreffenden Aktion in seinem letzten Spiel die verdiente gelb-rote Karte. „Pure Vernunft darf niemals siegen!““

  3. Toni sagt:

    Ach André, du hattest mich schon bei McKenna!Geil

  4. marc sagt:

    Hoss debütiert als Autor. Ick staune, beglückwünsche zum Punktgewinn und grüße ausm Süden.

  5. Kai sagt:

    Daumen hoch zum Bericht!
    Daumen in die Mitte zum Spiel!
    Daumen nach unten gibt es bei Hansa nicht!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.