von Carsten Wegner

Letzten Freitagabend, 20:15 in der ARD: «Leichtmatrosen – Drei Mann in einem Boot». ARD-degeto-Schmonzette vom Feinsten … und wo spielt das Ganze? Auf der Havel ab Zehdenick flussaufwärts (oder abwärts?) in Richtung Müritz (einen Screenshot aus der ARD-Mediathek dürfen wir leider nicht einfügen, denn ansonsten gäbe es möglicherweise urheberrechtlichen Ärger …).

Samstagmorgen, 8:47 Uhr, am Ostkreuz: «Hansas Hunderter» im Regionalzug nach Zehdenick. Im Gepäck die Töppen sowie frisch aufgepumpte Fahrräder.

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Samstagabend, 18 Uhr – nach 50km im Sattel fielen unsere jungen Hanseaten vom Rad … um den Tag nur eine Stunde später noch mit einem kleinen Sonnenuntergangskick auf der Dorfwiese zu beenden.

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21 Uhr: „Ich bin müde, ich will ins Bett!“ Häää … hatten wir uns verhört?

Und dazwischen?

Erst mal ganz viel Fritz Walter. Denn schon beim Ausstieg am Zehdenicker Bahnhof tröpfelte es und die Wolken hingen so tief, dass kaum Besserung zu erwarten war. Umso sonniger war dann der Empfang der Zehdenicker Sportfreunde auf ihrer Anlage direkt am Havelufer, wo sich beide Mannschaften zu einem Freundschaftskick verabredet hatten, nachdem es im Januar bei einem Hallenturnier in OHV eine erste Kontaktaufnahme gegeben hatte.

Ganz viel Sonne und Herzlichkeit war dann auch vonnöten, nachdem die Hanseaten am Abend zuvor irgendwie ihren Torwart „verloren“ hatten und auch der etatmäßige Linksverteidiger nicht so richtig „rund“ lief, weshalb erst mal ein tiefer Blick in den Zehdenicker Sanikasten geworfen werden musste.

Absoluten Sonnenschein und Haute Couture brachte aber unser Trainer auf den Platz, dessen nicht-wasserabweisendes Sommerhütchen entweder eine schnelle Wetterbesserung erwarten lassen oder aber zumindest den Gegner verwirren sollte.

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Tatsächlich erinnerte das Spiel dann aber eher an Bern 1954: „Sechs Minuten noch im Wankdorf-Stadion in Bern, keiner wankt, der Regen prasselt unaufhörlich hernieder …“ … Was für ein Schietwetter! Oder um es positiv zu formulieren: Fritz Walter – Wetter! Die Älteren werden sich erinnern …

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Aber lieber im Regen in Zehdenick als im Krankenhaus in Templin, wo der Trainer das Spielende erlebte, während sich die Jungs im 3 x 20 Minuten – Modus weiter gegen die starken Zehdenicker erwehrten, die ihre Kreisstaffel in OHV unangefochten anführen. Ein hohes Bein der – trotz Kunstrasen – recht intensiv bestollten Gastgeber, die in der Meisterschaftsrunde viele Spiele auf RICHTIGEM Rasen austragen und deshalb wohl eher robuster beschuht sind, ließ anfangs Böses erwarten. Zum Glück war´s dann aber nur eine Prellung beim Junghanseaten. Dem parallel mit dem Krankenwagen vom Nebenplatz (Zehdenick vs. Prenzlau) ins Krankenhaus Templin eingelieferten B-Jugendlichen schien es hingegen schwerer erwischt zu haben. Gute Besserung!

Am Ende stand es 2:3 aus Sicht der Hanseaten, die sich freundlicherweise einen Torwart aus dem Zehdenicker Fußballerfundus ausleihen durften, der richtig stark war. Ein Unterschieden war greifbar, aber die Brandenburger waren einfach gut. Gleichwohl, wir kommen wieder … zum Turnier anlässlich des Stadtfestes im Juli ist Hansa07 wieder ins nördliche OHV eingeladen.

Die 60 Fritz-Walter-Gedenkminuten sowie das anschließende Freundschaftsgrillwürstchengeschenk der Gastgeber sollten für «Hansas Hunderter» aber nur den Einstieg in den Tag bilden, denn jetzt stand die eigentliche sportliche Herausforderung für die 2007er (+ ein geborgter 2008 aus der F1) an: Weitere 45km auf dem Radfernweg Berlin – Kopenhagen, immer in Nähe entlang der Havel oder quer durch den nördlichen Landkreis OHV.

Nach den ersten knapp 10km gab es dann aber schon den ersten Boxenstopp: Junghanseaten aus der E3 und der C hatten mit ihren Eltern im Brandenburger Wochenendexil den Grill für die 2007er angeworfen und es war einfach zu schön, so dass schon frühzeitig klar war, dass nur noch eine stark verspätete Bundesbahn den eigentlichen Tourplan hätte retten können.

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Aber egal: Packen wir also noch mal 10km oben drauf …Die Stimmung war ohnehin schon wieder ausgesprochen gut, denn auch der „gestollte Nasenpatient“ aus dem Krankenhaus war inzwischen wieder zur Mannschaft gestoßen. Kein Bruch. Nur eine Prellung. Dann wurde es aber auch Zeit, die letzten „nur“ noch 35km in Angriff zu nehmen. Diese verliefen zunächst auf dem Radfernweg Berlin – Kopenhagen, von dem wir uns später aber lösten, und uns quer durch bzw. über Wiesen, Felder, Wälder und Dörfer in Richtung Stechlinsee durchschlugen.

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Kurze Überlegungen, ob es denn hier unterwegs irgendwo einen sportschautauglichen Fernseher geben würde (typisch Städter: „Gibt´s hier keine Sky-Bar?“), wurden schnell verworfen und schon näherten wir uns wieder dem Radfernweg Berlin – Kopenhagen. 6 Kilometer vor dem Ziel ereilte einem der Junghanseaten dann aber noch ein Platten, der die Jungs allerdings auch nicht mehr stoppen konnte. Das Rad wurde am dörflichen Briefkasten angeschlossen, denn auf eine Reparatur hatte keiner mehr Lust. Das Ziel war ja schon so nah … im nächsten Dorf, nun schon in Mecklenburg-Vorpommern. Nach 50km auf dem Tageskilometerzählen waren wir dann endlich angekommen. Die gescheiterte Abkürzung über eine Regionalzugstation hatte niemand mehr im Sinn. Alle waren zurecht stolz auf das sportliche Tagespensum … im Übrigen auch die Erwachsenen. Das Pils war redlich verdient! Wer geglaubt (oder gehofft?!) hatte, dies wird ein Spätfrühstückersonntag, der sah sich getäuscht. 5:30 Uhr … die ersten beiden Augen geöffnet … und schon war auch der Rest der Jungs wach. Unfassbar! Verrückt! Wieso?

Also standen die Jungs um 9 schon wieder auf der Dorfwiese und quälten den Ball. Und während mit eines Nachbarn Hilfe das am Vortag zurückgelassene Fahrrad geborgen wurde, sprangen die Jungs tatsächlich in den See und eröffneten die Badesaison. Brrrrrrrrrrrrrr. Kalt!

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17:45 Uhr hatte uns dann der Berliner Hauptbahnhof wieder. Der unterwegs aus dem TADIM ausgesprochenen Einladung zu einem Dönerteller konnten – und wollten! – wir uns dann nicht widersetzen, denn schließlich mussten ja auch wieder ein paar Kalorien rein in die Kinderbeine. So endete ein ereignisreiches Wochenende am Kottbusser Tor. Fritz Walter wäre stolz auf die Jungs gewesen … die begleitenden Erwachsenen waren es definitiv.

Fazit? Raus nach Brandenburg! Die Kinder werden das Wochenende genießen und nach unseren Erfahrungen sind überall Vereine zu finden, die sich auf ein Spiel / Turnier gegen „die Berliner“ freuen oder ihren Platz für eine Trainingseinheit zur Verfügung stellen.

 

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