18. Spieltag: FSV Hansa 07 II – BW Hohen Neuendorf II 2:1 (1:1)

Woran erkennt der Hanseat den Frühlingsanfang? Nicht etwa wie man meinen möchte am sprießenden Krokus, den zwitschernden Vögeln, den wärmenden Sonnenstrahlen. Nein, er erkennt es daran, dass plötzlich geschätzte 15 Fans (inklusive Ex-Präsident Ralle) anwesend sind. Und das bei einem Heimspiel, das genau genommen sogar ein Auswärtsspiel ist.

Auf der Lobeckanlange hatte die Zweite Asyl gefunden. Zum letzten Mal, wie mittlerweile bekannt ist, musste eine Heimpartie auf fremdem Geläuf ausgetragen werden. Das Derby gegen Südring am 11.03. kann also wieder in der »Wrangelritze« stattfinden. Große Erleichterung.

Der Platz an der Lobeckstraße ist groß, er war nass und hinterher waren sich alle Hanseaten einig, »bloß nicht noch mal hier spielen müssen.« Aber vermutlich stand dieses Urteil auch noch unter dem Einfluß, Ablauf und Charakter des Spiels. Denn, es war kein schönes Fußballspiel. Beiden Mannschaften fiel es schwer, sich mit dem rutschigen Terrain anzufreunden und schnelle, präzise Ballstafetten waren Mangelware. Aber auch hoch und weit fand kaum statt. Meist blieb alles irgendwo dazwischen stecken.

Großstadtfrühling

Immerhin begannen die Hanseaten wie die Feuerwehr. Machten gleich einen auf Hausherren, obwohl sie selbst nur Gast waren. So fand das Spiel in den ersten 15 Minuten fast nur in der Hälfte der Gäste aus Brandenburg statt. Doch so recht zwingend war nur ein Schuss von Kai Schumann, den der Torwart gerade noch elegant um den Pfosten lenken konnte. Ansonsten war es Feldüberlegenheit, mehr aber auch nicht. Nach der Anfangsviertelstunde wurden die Hohen Neuendorfer wehrhafter und es gelang ihnen mehr und mehr das Spielgeschehen erst in die Mitte und dann in die Hälfte von Hansa zu verlagern. Und Hansa half kräftig mit. In der Defensive schlich der Schlendrian umher und sprang fröhlich munter von Mann zu Mann. In der 21. Minute war es dann so weit. Max Helleberg passte unter Druck zurück zu Torwart Enrico Selk, der den Ball nicht gleich wegschlagen wollte, aber ebenfalls unter Druck geriet, dann den Ausweg gen Seitenlinie suchte, den Ball nun doch klären wollte, aber vom Bein des Angreifers geblockt wurde. Angreifer und Torwart suchten in der Luft nach dem Spielgerät, welches sich bereits näkisch direkt vor dem leeren Tor tummelte und dort von einem dankbaren Spieler aus Hohen Neuendorf humorlos ins Tor befördert wurde – 0:1.

Wutausbrüche an der Seitenlinie. Solche Gegentore machen Trainer älter, lassen graue Haare wachsen oder Haare ausfallen oder beides und sind ungesund für den Blutdruck.

Hansa wogte nun zwischen »jetzt erst recht« und »oje, das wird heute schwer« hin und her. Es blieb vornehmlich Stückwerk und Hohen Neuendorf war bemüht immer wieder schnelle Gegenagriffe anzusetzen. Zehn Minuten vor dem Pausentee bekam Hansa dann wieder mehr Zugriff auf das Spiel und setzte sich wieder in des Gegner Hälfte fest. Ein Konsequenz daraus war eine Vielzahl von Eckbällen. Einer dieser Standards, von Engin Kahraman getreten, segelte in den Sechzehner, Kopfball Netz, abgeblockt, Schuss Schachner, abgeblockt, noch mal Schuss Schachner – 1:1 (42.).

Erleichterung an der Seitenlinie. Blutdruck wieder bei 120:80. Fast.

In des Trainers Kopf sprangen Wechselideen und Umstellungen umher, aber er schickte dann doch wieder die selbe Elf auf den Platz. Abwarten erschien ihm das richtige für das Momentum zu sein.

Schumann auf Gratulations-Tour.

Und es dauerte nur wenige Minuten, dann erlebte das Spiel seinen fußballerischen Höhepunkt. Hansa fing einen Angriff im Mittelfeld ab, die Abwehr aus Hohen Neuendorf stand noch tief, der Libero war noch mit Aufrücken beschäftigt, da schickte Engin Kahraman Kai Schumann über links mit einem Pass in die Gasse auf die Reise. Der Torwart kam angestürmt und dann, CHIP, ein feiner, kurzer Kontakt, eine Bogenlampe aus 18 Metern über den verduzten Keeper hinweg, hinein ins Glück zur Hansa-Führung (51.). Traumtor Schumann. Gladbach-Fan-sein verleiht wohl eine gewisse Leichtigkeit der Tage.

Der Rest des Spiels war Kampf, Krampf und Kuriosität. Hohen Neuendorf kämpfte um den Punkt. Teils verbissen, teils glücklos und teils scheiternd an Hansa-Torwart Selk, der seinen Lapsus zum 0:1 mit zwei Spitzenparaden kurz vor Schluß wieder wettmachte. Hansa hatte diverse Konterchancen der Güteklasse A, verkrampfte aber jedes Mal beim Ausspielen und verpasste so den endgültigen Knock-Out. Und dann leistete sich der Schiedsrichter noch eine Kuriosität der besonderen Art. Kurz vor Spielende stellte er den Kapitän aus Hohen Neuendorf mit Gelb-Rot vom Platz, obwohl dieser beteuerte noch nicht gelbverwarnt gewesen zu sein. So rumpelte sich das Spiel zu Ende. Und Hohen Neuendorf erwägt nun Protest einzulegen wegen des angeblich falschen Feldverweises.

Durchpusten an der Seitenlinie. Dritter Sieg im dritten Rückrundenspiel. Nicht schön, aber mit einem selten schönen Tor. Alle abklatschen und schon geht der Fokus auf das Spitzenspiel kommendes Wochenende bei Türkspor. Es geht halt immer weiter.

Aufstellung: E.Selk – Kreischer, Strzoda, Labude, Helleberg (85.Lauer) – Schumann, Behrendt, Meiser, Netz (80.Strauss) – Kahraman, Schachner (69.Hoss)

Tor/e: 0:1 Pannewitz (21.,Rechtsschuss), 1:1 Schachner (42.,Rechtsschuss), 2:1 Schumann (51.,Rechtsschuss,Kahraman)

Karte/n: Strzoda (gelb/Foulspiel), Kahraman (gelb/mit dem Gegner anlegen)

Spieler des Spiels: David Labude, der sich als Einziger im Defensivverbund nicht vom Schlendrian befallen ließ und vor allem in den letzten Minuten des Punkterettungsversuch von Hohen Neuendorf wichtige Zweikämpfe gewann.

[ratings]

 

11 Responses to Nicht schön, aber ein selten schönes Tor

  1. christian sagt:

    glückwunsch!! aber wer hat jetzt puls 120 und wer puls 80? 😉

  2. marc sagt:

    Puls? Wie Puls? lalala

  3. Toni sagt:

    Wo isen das Video von nachem Spiel? Da sieht man wie erleichtert wir wirklich waren!

  4. roman sagt:

    oder das Video von Kais Kopfball…

  5. Schachi sagt:

    Sonntag mittag – Lobeckstrasse – 10 Grad – 3 Punkte – PERFEKT!

  6. Kai sagt:

    3 Punkte!!!
    schön war’s mit viel support an der linie!danke dafür!

    auf zu Türkspor!!! big points!

    @ Ben & Paul – Unsere Jungs immer bei uns – Gute Besserung!

  7. McBain sagt:

    3 dicke fette Punkte im Stile einer Spitzenmannschaft: 2 lichte Momente haben gereicht.

    @Team: Ich hau sie jetzt einfach immer raus. 😉

    @Toni: Das video hat Hoffel. Aber er ist zu glatt um es vom Handy auf den Rechner zu bringen. 😉 Kommt aber noch…

    Am Sonntag dann den nächsten Sieg. Jungs, das kann noch ne ganz große Nummer dieses Jahr werden. Und dann ziehen wir auch wieder LKWs, fahren im Kreis… und Ufftaen uns um den Verstand.

  8. McBain sagt:

    PS: Ich schließe mich Kai an und grüße die beiden rekonvaliszenten Warriors. Gute Besserung!

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