FSV Hansa 07 Ü32 – SG Stern Kaulsdorf

07.05.2016

von Enrico Selk

Am Samstag trafen die Herren von Hansas Ü32 im Kellerduell der Landesliga Staffel 2 auf die SG Stern Kaulsdorf. Die Vorzeichen waren wie folgt: Hansa mit 10 Punkten aus den letzten vier Spielen und mittlerweile einem Punkt Vorsprung auf einen Abstiegsplatz, traf mit der SG Stern Kausldorf auf einen direkten Abstiegskonkurrenten. Ein Sieg und die Mannen um Neu-Coach Ralph Goeritz könnten sich zum ersten Mal in dieser Saison nachhaltig von der Abstiegszone entfernen. Denn gleichzeitig spielten die anderen Teams aus dem Tabellenkeller direkt gegeneinander (Hilalspor gegen Schöneberg) oder gegen ein Team von ganz oben (Buchholz gegen Frohnau). Hansa hatte heute also die Möglichkeit, sich mal richtig Luft im Abstiegskampf zu verschaffen. Und entsprechend couragiert war auch der Auftritt – zumindest in der ersten Halbzeit.

Kaulsdorf warmmachen

Vor dem Spiel hochkonzentriert: Die Ü32 beim Warmmachen.

In der Hintermannschaft vertraute Göritz, bis auf eine Veränderung, der gleichen Formation wie im letzten Spiel gegen Empor. Auf links verteidigte der nach langer Verletzungspause immer besser in Schwung kommende Yigit Agca, in der Mitte Erkan Erdogan sowie Claudio Ermini und auf rechts rückte Mario Pataca in die Viererkette. Ermini musste noch im letzten Spiel nach einem Sturz auf den Kopf mit einem Rettungswagen vom Spielfeld gefahren werden, war heute aber bereits wieder im Vollbesitz seiner körperlichen sowie geistigen Kräfte und lieferte zum wiederholten Male eine Top-Leistung ab. Vor der Abwehr spielten Kai Schuman und Georgios Bloumis im defensiven und Ufuk Guersoy, Sebastian Bialon sowie Awet Goitom im offensiven Mittelfeld. Engin Kahraman bildete heute die einzige Sturmspitze.

Hansa spielte von Beginn an gut auf und hatte nach 4 Minuten bereits die erste Torchance. Kahraman nimmt einen langen Kopfball von Schumann aus dem Mittelfeld mit einer Ballberührung herunter, legt wieder ab auf Schumann, doch dessen strammer Schuss aus der Distanz geht knapp über das Tor. Zwei Minuten später gleich die nächste Riesenchance. Goitom spielt aus dem rechten Mittelfeld Kahraman in der Spitze an, der läuft allein auf den Keeper zu, scheitert mit seinem Schuss aber an dessen starker Fußparade. Kausldorf hielt zunächst gut mit und kam auch hier und da zu Chancen. Die Hanseniores waren in der Anfangsphase aber deutlich zwingender und mit gutem Kombinationsspiel unterwegs. Eine dieser schönen Kombinationen führte dann auch zum 1:0. In der 15. Minute spielt Bloumis auf halblings einen tollen hohen Ball zu Goitom. Der nimmt den Ball technisch stark im Sechzehner an und bedient dann Kahraman halbhoch im Fünfer. Vom Verteidiger und dem herausstürmenden Torhüter bedrängt, kommt Kahraman nur noch mit dem Knie (oder war’s die Brust?) an den Ball und netzt im Fallen unhaltbar in den rechten Winkel. Große Freude auf und neben dem Platz über dieses stark heraus gespielte Tor. In der Folge spielte sich Hansa, vor allem über links, immer wieder geschickt vor das Kaulsdorfer Tor, konnte den finalen Pass aber zu selten an den Mann bringen. Immer wieder spielten sich Agca und Guersoy schön bis auf die Grundlinie durch, scheiterten bei ihren Hereingaben aber meist am Keeper, an der Abwehr oder an sich selbst. Eine Tatsache, die sich auch bei anderen Spielern wie ein roter Faden durch die gesamte Partie zog – egal ob Freistoß, Eckball oder Abschluss.

Hansa war dennoch klar Herr im Haus und setzte Kaulsdorf weiter unter Druck. Aber auch die Gäste kamen immer wieder zu Torchancen. In der 25. überrennt ein Kaulsdorfer Spieler Hansas rechte Mittelfeld- und Abwehrreihe und bringt den Ball scharf vor Habrechts Tor. Den Schuss von Kaulsdorfs Nr.10 Theuergarten hat der Hansa-Keeper (heute wieder mit seiner feuerroten Gewerkschaftskappe gegen die Sonne unterwegs) aber sicher. Die Partie beruhigte sich dann etwas und plätscherte, sicherlich auch angesichts der gut 25 Grad, ein bisschen vor sich hin. Eine gewisse Bräsigkeit machte sich auf und neben dem Platz breit. An der Außenlinie hatte plötzlich das grau melierte Haupthaar des Gäste-Keepers und ein kleiner weißer Hund weit mehr Aufmerksamkeit als das Spielgeschehen.

Pataca

Starke Haltungsnoten: Pataca beim Einwurf

Und dann doch wieder die Hanseaten. In Minute 30 setzt sich Bialon schön im Sechzehner durch, will dann auf Kahraman quer legen, doch der Kaulsdorfer Keeper (der mit dem schönen Haupthaar) ist auf der Hut und fängt die viel zu schwache Hereingabe ab. Zwei Minuten später erneut Bialon, der steil geschickt wird. Doch wieder ist der Kaulsdorfer Schlussmann schneller und klärt kurz bevor Bialon den Ball erlaufen kann. Direkt im Anschluss dann plötzlich Aufregung vor dem Hansa-Tor. Kaulsdorf, mit einem seiner wenigen Gegenstöße, dringt auf rechts in Hansa Sechzehner ein, der Ball wird quer gelegt und wartet darauf, in der Mitte eingeschoben zu werden. Doch wie durch Zauberhand ist Haberecht vor dem Kaulsdorfer Stürmer am Ball und kann ihn sicher aufnehmen. Der Stürmer reklamiert vehement, von einem Hanseaten gehalten worden zu sein. Erfolglos. Fortuna schien heute (noch) Hanseatin zu sein, denn so ganz sauber war die Aktion wohl nicht. Kurz darauf niest dann Bloumis den Schiedsrichter zusammen, weil der bei einer Aktion im Mittelfeld seinen Körper nicht schnell genug beziehungsweise gar nicht aus Bloumis‘ Laufbahn bekam. Das Ergebnis: Ballverlust und gelbe Karte für Bloumis. Hat man so auch noch nicht gesehen. Kurz vor dem Halbzeitpfiff dann noch einmal eine kleine Chance für Hansa. Einen Freistoß auf links köpft der eben angesprochene Bloumis sehenswert fast auf der Grundlinie quer in die Mitte, wo Goitom drei Meter vor dem Tor leider nicht mehr so richtig an den Ball kommt. Das wäre wohl das 2:0 gewesen. So bleibt es beim Stand von 1:0 als der Pausenpfiff ertönt und die Spieler unter Applaus der gut 5-10 Zuschauer den Platz verlassen.

Während Kaulsdorf die zweite Halbzeit mit neuem Torhüter beginnt, kehren die Hanseaten ohne personelle Veränderungen auf das Spielfeld zurück. Göritz hatte in der Halbzeit gefordert, wieder mehr Ordnung in den Spielaufbau zu bringen und den Ball, gerade aufgrund der hohen Temperaturen, noch mehr laufen zu lassen. Doch das Spiel verflachte zusehends. So richtig wollte es einfach nicht mehr laufen. Nicht bei Hansa und noch weniger bei Kaulsdorf. Als bereits 10 Minuten der zweiten Halbzeit ohne nennenswerte Vorkommnisse gespielt waren, kam er dann, einer dieser typischen Schumann-Bälle. Wenn niemand so richtig weiß, wie es weitergehen soll, hält der nämlich ganz gerne einfach mal drauf. Diesmal aus 25 Meter Torentfernung. Zunächst sah alles ganz ungefährlich aus – für die Zuschauer, wie für den frisch eingewechselten Kaulsdorfer Keeper Seifert. Der hebt nämlich den Arm und winkt ab. Doch der Ball widersetzt sich dem Willen des Torwarts und schlägt tatsächlich unten links neben dem Pfosten ein. 2:0 Hansa. Aus dem Nichts und doch nicht unverdient.

Hansa, mittlerweile mit Vissers für Goitom und Hausmann für Kahraman, hatte jetzt keine Probleme, die Partie zu kontrollieren und konnte sich eigentlich nur noch selbst schlagen. Kaulsdorf fand quasi nicht mehr statt und verlegte sich jetzt auf Wortgefechte mit dem Schiri, welcher den Kaulsdorfer Theuergarten mit einem knappen „Halt die Klappe“ in die Schranken weist. Schön, wenn auch noch Zeit für Zwischenmenschliches bleibt. Fußball wurde aber auch noch gespielt – wenn auch ausschließlich von Hansa und wenn auch nur bis zum Sechszehner. Wie in der 68. Minute zum Beispiel. Hausmann treibt den Ball durchs Mittelfeld, legt ab auf Bialon, der nach kurzer Drehung Vissers auf der rechten Seite anspielt. Vissers gewinnt das Laufduell und flankt – ins Toraus. So langsam beschlich die Zuschauer das Gefühl, dass es schwer werden würde mit dem dritten Tor. Zumindest wenn Hansa weiter so verschwenderisch mit seinen Chancen umgehen würde – das taten sie nämlich. Und wer sich mit Hansa auskennt, ahnt schon, welche Fußballfloskel jetzt kommt. Richtig! Wer sie vorne nicht macht, bekommt sie hinten. In der 70. Minute bekommt Kaulsdorf einen Freistoß im rechten Halbfeld zugesprochen. Der Ball wird lang auf den zweiten Pfosten geschlagen, wo ein Kaulsdorfer Spieler zunächst über den Ball stolpert und das Spielgerät etwa zwei Meter frei vor dem Tor liegen bleibt. Ein nachrückender Kaulsdorfer hält einfach mal drauf. Haberecht steht richtig und pariert. Nachschuss. Erneut kann Haberecht mit einem starken Reflex das Tor verhindern. Zweiter Nachschuss. Wieder Haberecht, der nun abtaucht, den Ball aber nicht festhalten kann und so kullert dieser in Seelenruhe ins lange Eck. Kaulsdorfs erste Torchance in Halbzeit zwei führt direkt zum 2:1-Anschlusstreffer.

Hansa war jetzt völlig von der Rolle. Immer wieder herbe Ballverluste, vor allem auf der eigenen rechten Abwehrseite. Zudem verletzte sich Schumann am Sprunggelenk und musste ausgewechselt werden. Ebenso wie ein Spieler der Kaulsdorfer, der in der gleichen Situation scheinbar einen Schlag gegen den Kopf bekommen hatte und mit blutverschmiertem Trikot vom Feld geführt werden musste. Gute Besserung an beide Spieler. Ohne Schumann verlor Hansa im Mittelfeld etwas die Kontrolle und den Zugriff auf den Gegner. Kaulsdorf jetzt mit mehr Spielanteilen und einigen Torchancen, während Hansa sich mehr und mehr aufs Kontern verlegte.

Vissers

Nach längerer Abstinenz wieder dabei: Eric Vissers (machte bis auf eine Aktion eine sehr ordentliche Partie)

Mit der 80. Minute brach dann die turbulenteste und gleichzeitig haarsträubendste Phase des Spiels an. Ein Phase, die wohl allen Beteiligten noch eine Weile in Erinnerung bleiben wird und in der dritten Minute der Nachspielzeit ihren traurigen slapstickartigen Höhepunkt erreichte. Aber der Reihe nach. Zehn Minuten vor Schluss warf Kaulsdorf alles nach vorne und Hansa boten sich jetzt unzählige Konterchancen. Doch erst scheiterte Hausmann fast im Liegen am Torwart, dann Guersoy nachdem er sich schön gegen drei vier Abwehrspieler durchgesetzt hatte. Kurz drauf verspielte auch noch Kahraman einen Konter kläglich, als er (unterstützt von vier (!!!) Hanseaten) dem einen verbliebenen Kaulsdorfer Verteidiger den Ball direkt in die Füße spielt. Kaulsdorf versuchte zwar nochmal alles, kam aber nicht mehr wirklich gefährlich vor das Hansa-Tor. Und wenn doch, war Haberecht da und packte sicher zu. Dann, kurz vor Schluss, durfte sich auch Bialon nochmal am kläglichen Scheitern versuchen. Guersoy läuft zunächst alleine aufs Tor, legt am Sechzehner quer auf Hausmann, der dann besagten Bialon anspielt. Bialon, nun alleine vor dem Torwart, hat alle Zeit der Welt und schiebt den Ball gekonnt über das Tor. Kurz darauf, in der 89. Minute, dann fast eine Kopie des vorhergehenden Geschehens. Hausmann läuft alleine auf den Kaulsdorfer Keeper zu, legt quer auf Kahraman und was macht der? Na? Richtig! Schießt ebenfalls über das Tor. Wer will nochmal, wer hat noch nicht? So lautete jetzt die Devise bei den Hanseaten.

Aber das war noch nicht das Ende der Fahnenstange. In der zweiten Minute der Nachspielzeit war es dann nämlich soweit: der Höhepunkt der Partie. Vissers erobert rechts außen, auf der Höhe der Mittellinie den Ball und hat plötzlich freie Bahn Richtung Tor. Mit ihm machen sich in der Mitte Hausmann und auf Links Guersoy auf den Weg. Weit und breit ist kein Kaulsdorfer Verteidiger mehr zu sehen. Es bleibt ein Duell der drei gegen den Torwart. Im Sechzehner legt Vissers quer auf Guersoy, spielt ihm den Ball dabei aber nicht in den Lauf, sondern ganz leicht in den Rücken. Guersoy braucht dann zu lange, um den Ball mit rechts anzunehmen und ihn auf links zu legen. Guersoys Schuss mit dem Außenrist kann der Towart dann zwar stark parieren, doch der Ball landet direkt bei Vissers und eröffnet ihm eine zweite Chance. Vissers, beim Schuss von Guersoy bereits klar im Abseits, bringt den Ball mit dem schwächeren linken Fuß direkt aufs Tor, macht das allerdings derart ungelenk, dass der Torwart genug Zeit hat, aufzustehen und den Stolperball erneut (diesmal mit dem Fuß) zu klären. Die mittlerweile zurückgeeilten Kausldorfer Verteidiger mussten nicht mal mehr eingreifen. Gerne möchte man sich in die Position von Hausmann versetzen, der dieser Szene aus nächster Nähe beiwohnen durfte und man möchte wissen, was ihm dabei wohl durch den Kopf ging. Von außen sah es jedenfalls grausig aus.

 

Dann war es endlich vorbei. 2:1 gewonnen, drei Punkte geholt und den Abstand zur Abstiegszone auf vier Punkte ausgebaut. Doch so richtig wollten und konnten sich die Hanseaten nicht freuen. Zu präsent waren die Ereignisse der Schlussviertelstunde. Bialon versuchte der Sache dann doch noch etwas Positives abzugewinnen. „Das Gute ist, dass jeder Offensivspieler einmal gescheitert ist. So gibt es wenigstens keinen Zwist.“ Stimmt auch wieder.

 

Kaulsdorf nchdemspiel

Nicht wirklich in Feierlaune: die Ü32 nach dem Spiel und den verdaddelten Konterchancen

Aufstellung: Haberecht (Tor), Pataca, Erdogan, Ermini, Agca, Guersoy, Bloumis, Schumann, Goitom, Bialon, Kahraman, Vissers ( 55.), Hausmann (55)

 

5 Responses to Niemals trifft man so ganz

  1. Patrick sagt:

    Ahahaha…schöner Text, schönes Video, schöne 3 Punkte!

  2. Eric sagt:

    Hahahah… Weiß ehrlich nicht ob ich mich freuen soll oder weinen muss. 3 Punkte ist 3 Punkte ist 3 Punkte. Aber dieses Video wird mich für immer und ewig folgen. DANKE RICO SUAVE! Scheiss handy.

  3. McBain sagt:

    Hahahaha, das tut mir ehrlich leid Eric. Aber ich MUSSTE das veröffentlichen. Mein Presse-Codex verlangt es so.

    Hab es aber in SEHR ordentliche Partie geändert. 😉

  4. christian sagt:

    Eric – your 15 minutes of fame! 😉

  5. Eric sagt:

    Eher 15 min of shame…

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