Autorin: Ragna

Letzten Mittwoch war unser Pokalspiel gegen unseren Ligarivalen BTSC, das steht für Berliner Turn- und Sport Club. Es handelte sich bereits um das Achtelfinale, für das wir uns zwar nicht mit fußballerischen Fähigkeiten, aber dennoch hochverdient qualifiziert hatten (in der vorausgegangenen 1. Runde im Pokal wurde nach Schönheit entschieden, wer weiter kommt). Das Wetter war extrem gut und wir konnten unsere neuen bauchfreien Trikots tragen.

Anders als bei den vorigen Spielen durfte Trainer Philipp Hertel endlich mal wieder auf deutlich mehr als sieben Spielerinnen zurückgreifen, so dass sehr oft gewechselt werden konnte und dieses Mal kein Sauerstoffzelt am Spielfeldrand aufgebaut werden musste. Außerdem gab es ein Comeback: Meike, früher bei uns, jetzt bei den 11er-Frauen, ersetzte Ragna im Tor, die nach ihrer Glanzleistung am vorigen Samstag beim Heimsieg gegen Hertha Zehlendorf (Kicker-Note: 1), nun auch auf dem Feld ihr Können unter Beweis stellen sollte.

Den Gegner hatten wir vor etwa einem Monat bereits in der Liga besiegt, wir waren (insbesondere nach der herausragenden Leistung gegen Hertha am Wochenende) der haushohe Favorit und deswegen war klar: wir werden auch dieses Spiel gewinnen!

Das Spiel begann um 20 Uhr mit Lenka, Yasmin und Schmitti in der Abwehr. Vorne sollten zunächst Lisa Z., Lisa H. und Hanneke für schnelle und viele Tore sorgen. Sofort übernahmen die Hansa Seven die Kontrolle, so dass das Spiel mehr oder weniger vor dem Tor des Gegners stattfand. Die Spielerinnen des BTSC, von denen läuferisch nicht viel erwartet werden konnte – waren sie doch nur zu siebt in die Wrangelstraße gekommen – konnten nur gelegentlich durch weite Bälle für Entlastung sorgen. Diese konnten unsererseits zwar nicht immer souverän abgefangen werden, sorgten aber nie für Gefahr. Trotz unserer Überlegenheit kam es dennoch nur selten zu Torabschlüssen, da der berühmte letzte Pass oft einfach nicht ankommen wollte und gelang uns doch mal der Schuss auf das Tor, war dieser zu ungefährlich und könnte leicht von der BTSC-Torhüterin aufgenommen werden.
Nur einmal erlaubte sich die ansonsten kompakte uns-das-Leben-schwer-machende Defensive des BTSC einen groben Fehler, als deren letzte Frau den Ball an die mittlerweile eingewechselte Wiebke verlor und letztere nur noch die Torhüterin vor sich hatte: Wiebke zog ab, aber die Torfrau konnte parieren. Schade.

Kurz darauf war Julia fast durch, als sie von einer Gegenspielerin unfair gestoppt wurde. Viele hofften auf einen Neunmeter, tatsächlich fiel Julia aber außerhalb des Strafraums und so gab es immerhin einen Freistoß aus aussichtsreicher Position. Lisa Z. führte aus und weil sie nur die Latte traf, durften wir den Freistoß wiederholen. Es könnte aber auch daran gelegen haben, dass die gegnerische Mauer zu früh losgelaufen war. Beim zweiten Mal wurde der Ball einige Meter zurück, auf die dort lauernde Lenka gepasst, die, wie wir seit dem Spiel gegen Hertha wissen, auch aus der Distanz treffen kann. Dieses Mal war aber leider ein Mensch im Weg und so ging es mit dem unbefriedigenden 0:0 in die Pause.

Dann die zweite Halbzeit. Keiner hatte Bock auf Neunmeterschießen, also musste das jetzt besser werden. Aber das Gegenteil war der Fall: obwohl wir uns weiterhin bemühten, war das doch alles sehr kopflos, was unsere Mannschaft in der zweiten Hälfte bot, selbst auf die ungefährlichen Torschüsse mussten unsere mitfiebernden Fans jetzt verzichten, da die Schüsse entweder abgeblockt wurden oder gar nicht erst zustande kamen. Zudem schafften es die Gegner nun immer öfter in unsere Hälfte, es wurde zwar nie wirklich gefährlich, nahm uns aber wichtige Minuten um hier endlich in Führung zu gehen.

Die eben angesprochenen zahlreichen Fans wurden immer unruhiger, sie hatten hier mit einem klaren Sieg gerechnet und nun drohte ein Unentschieden nach 60 Minuten. Die Hansa 7 warfen alles nach vorne. Erfolglos. Nur einmal wurde es noch gefährlich, als ein Schuss von Marina noch von der Torhüterin an die Latte gelenkt werden konnte. Dann war Schluss.

BTSC freute sich. Wir hingegen nicht so. Meike, die während des Spiels nahezu beschäftigungslos gewesen war, kam pünktlich von der Toilette wieder, zu der sie noch während des Spiels gegangen war und so konnte das Shoot Out beginnen, welches übrigens aus dramaturgischen Gründen im Präsens nacherzählt werden muss: für uns schießen die „Drei L“ – nämlich Lisa, Lisa und Lenka. Zunächst ist aber der BTSC dran und deren Spielerin verwandelt mit einem gut platzierten Schuss in die linke Ecke und lässt Meike keine Chance. Dann wir: Lisa H. trifft nur die Latte. Immerhin kann Meike den nächsten Neunmeter verhindern, aber auch Lenka vergibt, da sie den Ball links am Tor vorbei schießt. Das heißt: sitzt der nächste von BTSC, sind wir wohl leider raus. Die BTSC-Spielerin läuft an, sie schießt und Meike hält! Jawoll! Jetzt muss „nur“ noch Lisa Z., unsere sicherste Strafstoßschützin, den Ball versenken, dann steht es wieder Unentschieden. Lisa trifft! Es geht weiter.

Wieder tritt die Spielerin an, die den ersten Neunmeter sicher verwandelte und wieder hat Meike keine Chance. BTSC wusste, warum sie die mitnehmen. Jetzt ist wieder Lisa H. an der Reihe. Sie schießt, die Torhüterin ist dran, kann den Ball aber nicht festhalten und der Ball landet im Tor! Und BTSC? Trifft auch wieder. Lenka muss nachlegen. Und diesmal versenkt sie den Ball eiskalt im Tor. Keine Chance für die Torfrau. Der BTSC ist wieder dran. Den letzten Ball dieser Spielerin konnte Meike halten, schafft sie es dieses Mal auch? Jaa, sie schafft es! Maike „Vielleicht ist das gar nicht Meike, sondern Manuel Neuer“ hält!

Jetzt liegt alles es in den Händen beziehungsweise Füßen von Lisa Z., trifft sie, sind wir weiter. Es ist soweit, der Ball liegt bereit. Der Schiedsrichter gibt den Ball frei. Lisa wartet noch kurz, dann schießt sie.

Freudenschreie, allgemeine Erleichterung, alle liegen sich in den Armen. Insbesondere Philipp ist vor Freude kaum zu halten. Der Ball liegt in der linken Ecke des Tores und wir stehen im Viertelfinale. Maria, die heute verhindert ist, aber mit Vreni, die zuschaut, über What’s App in Kontakt steht und so alle Geschehnisse des Spiels live auf ihrem Handy verfolgen konnte, drückt ihre Freude angemessen mit vier roten Rosen und 32 tanzenden Frauen im roten Kleid aus.

Das war also unser nervenaufreibender Pokalabend. Wir haben zwar nicht geglänzt, hatten am Ende ein wenig Glück. Und außerdem waren wir dafür letztes Wochenende echt gut!

Ergänzung aus dem Regelbuch des BFV: Leider gilt im Pokal, im Gegensatz zur Liga, für Spielerinnen vom Großfeld eine 10 Tage Sperre für Spiele auf Kleinfeld. Das Comeback Meikes war somit nicht regel konform und es ist davon auszugehen, dass das Spiel am grünen Tisch für den BTSC gewertet wird.

 

5 Responses to Seven vs. BTSC

  1. Kai sagt:

    Versteh mal einer die Regeln.

  2. andi sagt:

    toll trotzdem und geil, dass ihr spielberichte schreibt!
    als wär man dabei gewesen!

  3. André sagt:

    Schöner Bericht. Leider war auch der Schiedsrichter aus meiner Sicht nicht ganz „regelfest“, da es nicht drei, sondern fünf Schützen pro Mannschaft hätte geben müssen.

    Nachzulesen hier:
    http://berliner-fussball.de/fileadmin/Dateiablage/public/Sonstiges/Durchfu%CC%88hrungsbestimmungen_fu%CC%88r_den_Spielbetrieb_Kleinfeld_14_15.pdf

  4. Alice sagt:

    Unsere Pokalheld*innen! Mal schauen, wie es weitergeht…

  5. Philipp sagt:

    Beide Teams sind aufgrund jeweils einer nicht spielberechtigten Spielerin ausgeschieden. Der Pokal – ist er nächste Saison tatsächlich freiwillig? – hat hierzu härtere Regeln als die Liga. Warum das noch der Anhörung bedurfte, erschließt sich mir nicht.
    Ob der Schiedsrichter seinerseits bis ins Halbfinale vordringen konnte, entzieht sich unserer Kenntnis.

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