Kreisliga B – 10.Spieltag: Hansa 07 II – SF Kladow II 1:0 (1:0)

92. Minute, Freistoß für den SF Kladow aus dem Halbfeld. Der Ball segelt mit viel Schnitt in den Fünfmeterraum, entkommt irgendwie den Pranken des sonst herausragenden Keepers Hertel, trudelt gefährlich in Richtung Torlinie und damit in Richtung „Ausgleich in letzter Minute“. Doch mit Relitz kommt von den 22 im Sechzehnmeterraum versammelten Spielern genau der richtige zuerst an die Kugel: Dem kampfstarken Innenverteidiger gelingt das Kunststück, den Ball im Rückwärtsfallen mit Außenrist über den Querbalken zu befördern und den Schiedsrichter so zum umjubelten Schlusspfiff zu animieren.

Hart erkämpft waren die drei Punkte, die sich die Zweite von Hansa am Sonntag im (kann man es Spitzenspiel nennen? Man kann.) Spitzenspiel der Kreisliga B sichern konnte. Schon während der Woche gab es Indizien für die große Motivation der Mannschaft; im Internet wurde tatsächlich eine Verlängerung des Abschlusstrainings diskutiert. (Umgesetzt wurde dies nicht, aber derartige Spitzfindigkeiten interessieren nach einem solchen Sieg nur unverbesserliche Kleingeister). Vor dem Spiel dann emsiges Colatrinken und Bananenessen der einen, in der Kabine ausgiebiges Aufwachen/Ausnüchtern der anderen. Als Aufwärmprogramm betätigten sich einige der Hansaspieler unter Führung von Kohl gar als Bodyguards für einen ebenfalls hochmotivierten Zaungast, der partout den Elfmeterpfiff im Spiel der Ersten Mannschaft gegen aufgebrachte Spieler und Fans der Gästemannschaft verteidigen wollte. (Dass der Elfmeter verschossen wurde und somit die ganze Szene unter den Titel „Viel Lärm um nichts“ fallen sollte, gehört ebenfalls in die Kategorie der oben erwähnten Spitzfindigkeiten). So viel Action vor dem Spiel war selten und sollte genau die richtige Einstimmung auf das Geschehen auf dem Platz sein.

Die Marschroute von Trainer Göritz war klar: Frühes Pressing = früher Ballgewinn = kürzerer Weg zum gegnerischen Tor = mehr Tore. Obwohl die ersten drei Teile der Gleichung in der ersten Hälfte wunderbar aufgingen, fehlte es am Ende doch an dem einen oder anderen Tor, was aber nicht an Taktik, Einsatz oder Einstellung, sondern vielmehr an der fehlenden Stringenz bei zahlreichen Konteraktionen in der zweiten Hälfte lag. Doch um nicht vorzugreifen und die Millionen Leser dieser Zeilen, die das Spiel nicht in der Wrangelritze erleben konnten, nicht zu verwirren, gehen wir der Reihe nach vor: Hansa von Beginn an hellwach. Kladow, mit mächtig Selbstvertrauen nach dem Kantersieg gegen Aufstiegsfavorit Preußen und 12 Auswärtspunkten angereist, wirkte überrascht angesichts der hanseatischen Aufmüpfigkeit. Schnelle Ballgewinne im Mittelfeld und bis zum Sechzehnmeterraum flott vorgetragene Angriffe der Hansa waren die Folge. Nach etwa 20 Minuten reagierten die Gäste und agierten zunehmend mit langen Bällen auf ihre agilen Spitzen, um sich dem Druck auf ihre Defensive zu entziehen. Es ergaben sich einige Torgelegenheiten, weil das hanseatische Mittelfeld nur noch selten die nachrückenden Gegner entscheidend stören konnte. Die überragende, in dieser Form selten gesehene Leistung des Innenverteidigerduos Stürmer/Relitz und des Torhüters Hertel sicherte Hansa in dieser Phase das Unentschieden. Dann der spielentscheidende Moment. Hansa gelingt ein Konter bis in den Strafraum des Gegners und dort sogar ein Überzahlspiel. Doch weder Hoss noch Klotz können sich zu einem wirklich entschlossenen Torabschluss durchringen. Dafür ist im Moment besonders ein Mann im Hansaspiel zuständig, der Mann mit dem PUNCH: Die Rede ist natürlich vom formidablen Sebastian Bialon, der die Liga zur Zeit dermaßen auf links zieht, dass die Vorstellung, die Torjägerkanone eines schönen Tages in die Wrangelritze zu holen, kein Hirngespinst mehr sein kann.

In der Halbzeitansprache erneuerte Trainerfuchs Göritz seine Ansagen weiter anzugreifen, hoch zu stehen und den Gegner früh unter Druck zu setzen, was auch bei allen anwesenden Spielern auf wohlwollende Zustimmung stieß. Paradoxerweise geschah das Gegenteil. Hansa zog sich zurück, verteidigte resolut, teils brillant (die erwähnten Stürmer, Relitz und Hertel), und setzte den einen oder anderen gefährlich wirkenden Konter, der sich in der entscheidenden Zone (Strafraum des Gegners) aber leider zu oft als Sturm im Wasserglas entpuppte. Die Folge war ein bis zum Ende hin offenes, packendes Spiel mit hohem Einsatz auf beiden Seiten, das in der eingangs beschriebenen Freistoßsituation gipfeln sollte und auch noch lange nach Abpfiff die Gemüter aufwühlte.
Die Defensivarbeit der gesamten Hansa-Mannschaft und die häufig feinen Ansätze im Offensivspiel (Homann, Krause-Behrendt, Klotz und natürlich Bialon) machen zweifellos Mut für die letzten Spiele der Rückrunde. Das knappe Resultat zeigt aber auch, dass die Mannschaft genau dieses enorme Engagement benötigt, um in der ausgeglichen-unvorhersehbaren Staffel Siege einfahren zu können.

Aufstellung: Hertel – Kohl, Relitz, Stürmer, Littmann – Allinger (46. Winkler), Krause-Behrendt (70. Homann), Homberg, Klotz – Bialon, Hoss (62. Meiser).

Spieler des Spiels: Hertel

 

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