15. Spieltag: Spandauer Kickers II – FSV Hansa 07 3:1 (2:1)

Der Weg ist das Ziel. Alle Wege führen nach Rom. Viele nach Spandau. Beiden gemeinsam: Sie entstehen erst dadurch, dass man sie geht. Der aufstiegsambitionierte Tabellenzweite: unter Zugzwang. Hansas Anreise und Auftritt? Um in der Symbolik des Moments zu bleiben: ein Schotterweg.

Die Ausgangssituation war klar: Spandau musste gewinnen, wollte man gegen die punktgleichen Johannisthalerinnen nicht an wertvollen Punkten im Spitzenkampf verlieren. Aber auch Hansa wollte gewinnen: im Wissen um die unglückliche Heimniederlage in der Hinrunde, mit dem 8-Tore-Rückenwind vom letzten Spieltag und schlichtweg aus dem Anspruch heraus, den Anschluss nach oben zu halten, hieß die Losung Auswärtssieg.

Ein Spiel knapp über der Grasnarbe.

Die Partie begann ohne größeres Herantasten – druckvoll und laufintensiv, mit der ersten Torchance auf hanseatischer Seite durch Ahlrichs in der 3. Spielminute. Spandaus Antwort ließ 10 Minuten auf sich warten – was nicht heißt, dass zwischendurch kein Fußball gespielt wurde. Im Gegenteil. Insbesondere Spandaus variables Mittelfeld machte Hansa zu schaffen. Auch die immer gleichen weiten Bälle aus der Verteidigung forderten Hansa heraus. Aber: Wegerhoffs Team hielt mit viel Einsatz und den eindeutigeren Torchancen dagegen. Umso ärgerlicher, das in der 14. Minute den Gastgeberinnen zunächst zu viel Raum geboten wurde, Hansas Zuordnung nicht stimmte und schließlich Torhüterin Keese hinter sich greifen musste.

Hansas Reaktion kam prompt: Wieder war es Ahlrichs, die für Unruhe in Spandaus Abwehr sorgte. Eine der Verteidigerinnen wusste sich nicht anders zu helfen und foulte Hansas Stürmerin noch knapp vor der Strafraumgrenze. Der Schiedsrichter ließ zunächst weiterspielen, um dann doch noch – nach Agbeyegbes Tor – Vorteil und Treffer für Hansa zurückzupfeifen. Behre verwandelte den Freistoß flach an der Mauer vorbei ins linke Toreck zum verdienten Ausgleich.

Von diesem Moment an gewann das Spiel zusätzlich an Fahrt. Während Hansa durch Passkombinationen mehr und mehr ins Spiel fand, setzte Spandau weiterhin auf weite Bälle, erhöhte aber gleichzeitig den körperlichen Einsatz und wurde so zur spielbestimmenden Mannschaft. Den berühmten einen Schritt kam Hansa immer öfter zu spät oder scheiterte – so etwa in der 34. Minute die durchsetzungsstarke Agbeyegbe –an Spandaus Frau zwischen den Pfosten.

Obwohl von Spandau zwar so gut wie in fast jeder jeder Spielsituation Gefahr ausging, hatte Hansa das Spiel weitgehend unter Kontrolle. Erst ein von Keese unterschätzter langer Eckball brachte den Vorteil für Spandau – der nicht ungenutzt blieb.

Letzte Notiz vor der Pause: Beinahe hätte Ahlrichs noch zum Ausgleich getroffen.

Die zweite Halbzeit begann dort, wo die erste zu Ende gegangen war. Spandau drängte entschlossen, lauffreudig und einsatzbereit auf den nächsten Treffer, Hansa auf den Anschluss.

Trainer Wegerhoff stellte um. Trzewick wechselte auf rechts. Für die angeschlagene Schiffler kam Winterstein in die Innenverteidigung. Die Abwehr stand kompakt und auch Keese hatte sich in der 60. Minute im 1:1 als sicherer Rückhalt bewähren können.

Nur 7 Minuten später war es erneut Agbeyegbe, die sich auf der rechten Seite zunächst durchsetzte, um dann nur noch durch ein Foul aufgehalten werden konnte. Für die verletzte Agbeyegbe kam daraufhin Feldt ins Spiel. Später am Abend sollte sich herausstellen, dass es sich bei Agbeyegbes Schulterverletzung um einen doppelten Schlüsselbeinbruch handelt.

Nur wenige Spielszenen später war es dann Trzewick, die einen langen Pass an der Außenlinie nicht mehr ablaufen konnte. Spandau netzte dankbar zum 3:1 ein. Doch auch dieser Treffer ließ Hansa nicht einknicken. Trotz vorangeschrittener Spielzeit und hoher Intensität erkämpfte sich Hansa immer mehr Spielanteile und Torchancen, allen voran durch Ahlrichs und die eingwechselte Feldt.

In der 80. Minute brachte Wegerhoff Gugel für Ahlrichs. Weis rückte zurück in die Außenverteidigung, Gugel ins Mittelfeld, Geburtstagskind Pracht auf die Mittelstürmerposititon. Und als hätte sie es sich so gewünscht, beschenkte sich Pracht, nach einer Ecke von Behre in der 85. Minute, aus kurzer Instanz fast selbst. Wie gesagt: fast. Den Schlusspunkt einer spielstarken Partie setzte dann Torhüterin Keese mit einer satten Faustabwehr in der 90. Minute.

Nach dem Spiel zeigte sich Trainer Wegerhoff trotz der Niederlage zufrieden. Vom Seitenrand hatte er eine kämpferische Leistung seines Teams gesehen. Eine Leistung, die nicht zuletzt durch die frisch eingewechselten Spielerinnen möglich geworden war.

Nächstes Wochenede geht es gegen den direkten Liga-Konkurrenten aus Moabit: Heimspiel in der Wrangelritze. Anpfiff: 10 Uhr. Um es mit Laotse zu beschließen: „Wer sein Ziel kennt, der findet auch seinen Weg.“

Spielerin des Spiels: Sarah Agbeyegbe, die durch ihre hohe Laufbereitschaft, durch konsequentes Zweikampfverhalten ständige Torgefahr ausgestrahlt und das Spiel auf der rechten Seite sehr geprägt hat. Und leider einen hohen Preis für ihre Spielpräsenz zahlen musste. Gute Besserung, Sarah.

Tore: 1:0 SpaKi (14.), 1:1 Behre (18.), 2:1 SpaKi (42.), 3:1 SpaKi (70.)

Aufstellung: Keese – Pracht, Trzewick, Kaapcke, Schiffler (65. Winterstein) – Weis, Behre, Vogel – Agbeyegbe (71. Feldt), Ahlrichs (80. Gugel)

(Autorin: Johanna B.)

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One Response to Umwege erweitern die Ortskenntnis

  1. marc sagt:

    All the best to Sarah!

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