29. Spieltag: FCK Frohnau I – FSV Hansa 07 2:3 (0:2)

Der Weg war weit, das Wetter schön. Und der Berliner S-Bahnverkehr noch gänzlich kabelbrandunberührt. Eine Fahrt ins Grüne. Ein bisschen auch ins Blaue. Denn mit Frohnau wartete eine Mannschaft auf die Kreuzbergerinnen, die sich kurz vor Saisonende aus dem Aufstiegsrennen verabschiedet hatte und trotzdem alles andere als kleinzureden war. Schon gar nicht von Hansa. Die herbe Niederlage aus der Hinrunde: unvergessen. Doch seit November ist viel Zeit ins Land gegangen. Und viel Wasser die Spree runtergeflossen. Und – ja, genau: Man steigt ja bekanntlich nicht zweimal in denselben Fluss. Trainer Wegerhoffs Ansage: Wir spielen hier um drei Punkte. Und nicht nur mit. Tatsache, das tat Hansa, und zwar kompakt, konzentriert und von Anfang. Aber Frohnau auch. Es dauerte bis zur 18. Minute, bis Hansa das erste Ausrufezeichen des Spiels setzte. Behre kam an der linken Strafraumkante an den Ball und zog aus etwas mehr als zwanzig Metern ab. Doch im Gegensatz zum Spiel gegen Pro Sport kitzelten die Handschuhspitzen der Torhüterin dieses Mal den Ball und lenkten ihn an die Lattenunterkante.

Frohnau drehte auf. In der 30. Minute spielte sich das Team aus Berlins Norden durch Hansas Mittelfeld und Abwehr und stand plötzlich mutterseelenallein vor Wittenburg. Hansas Torhüterin parierte und hielt. Wenige Sekunden später hielt sie wieder. Wittenburg zeigte Nerven und ihr Können. Hansa nahm sich Wittenburgs Tatendrang zum Vorbild und begann zu kombinieren. In der 33. Minute bediente Messow Stürmerin Kanter mit Köpfchen. Diese nahm dankend an und legte links an Frohnaus Torfrau vorbei. 1:0 für Hansa. Ehrlich gesagt: ein bisschen unfassbar.

Doch Hansa war im Spiel. Hansa war jetzt in Führung. Und Hansa legte nur zwei Minuten später nach. Dieses Mal war es Krüger, die Kanter butterweich in den Lauf passte. Und täglich grüßt das Kantertier: Kanter nahm dankend an und legte rechts an Frohnaus Torfrau vorbei. Vorbei. V-O-R-B-E-I! Zweizunull für Hansa.

Dann, endlich, die Erlösung: Halbzeit. Wasser. Schatten. Die Ansage des Trainers.

Die Kreuzbergerinnen knüpften  nach Wiederanpfiff nahtlos am Spiel der ersten Halbzeit an. Doch das zehrte zusehends an den Kräften. Der letzte Schritt war immer öfter auch der schwerste. So in Minute 46, als Drouin von der Frohnauer Stürmerin regelrecht ausgetanzt wurde. Eine klare Sache. Eigentlich. Wäre da nicht Wittenburg. Hansas Frau zwischen den Pfosten hielt den Ball und Hansa im Spiel. Und wieder war es eine Aktion Wittenburgs, auf die ein Angriff ihrer Mitspielerinnen folgte. Ein langer Pass kam von Mittelfeldspielerin Heinicke auf Knipserin Kanter – wenn auch dieses Mal ohne Glück im Abschluss.

Frohnau erhöhte den Druck, erhielt immer öfter auf Zurufe von Seiten des Trainers. Alles in allem: eine gefährliche Mischung. Hansa ließ bleib ruhig und erinnerte sich nur kurz an den Spielstand gegen Blau Gelb und den späteren Verlauf. Das sollte sich nicht wiederholen: Hansa biss und Hansa kämpfte. Und erhielt in der 61. nach taktischem Foul an Messow einen Freistoß. Der halbhohe Schuss wurde von der Frohnauer Abwehr unglücklich in den Strafraum verlängert, wo Heinicke bereits mit Torriecher lauerte und den Ball per Kopfball ins Netz beförderte. 3:0 für Hansa. Hansa lag sich in den Armen. Jedenfalls Hansas Angriff und Mittelfeld. Die Abwehr sparte sich Weg und Kraft und umarmte sich im Kleinen.

Allerdings war zu diesem Zeitpunkt noch eine halbe Stunde zu spielen. Und die gegnerische Mannschaft roch den Braten. Bevor Frohnaus Offensive begann noch einmal richtig aufzudrehen, wechselte Hansa: Agbeyegbe kam für Abascal Sanchez de Molina und Möhring für Winterstein. Und Frohnau noch einmal richtig in Fahrt. Das ging, weil Hansa die Räume dafür anbot. Nach Ballverlust durch Außenverteidigerin Pracht haute Frohnau den Ball mit Ansage rein und nur wenige Minuten später den Anschlusstreffer aus 17 Metern unter die Latte. Unhaltbar für Wittenburg.

Auf Heinickes Reaktion in der 79. Minute – ein Schuss aus 20 Metern, der nur knapp das Tor verfehlte – folgte Frohnaus Antwort prompt. Doch Frohnau vergab die Chance. In der 90. Minute kam Hansa mit Krüger schließlich noch einmal gefährlich nah vor Frohnaus Tor. Nervenkitzel. Schlagabtausch. Schweißausbrüche. Sonnenstich. Und dann: Abpfiff.

Man sagt, in solchen Spielen wachse eine Mannschaft entweder über sich hinaus oder gehe mit Pauken und Trompeten unter. Hansa entschied sich an diesem Samstagnachmittag für Erstere. Und gewann gegen den Tabellenvierten.

Aufstellung: Wittenburg – Möhring (74.Winterstein), Kaapcke, Drouin, Pracht – Messow, Abascal Sanchez de Molina (71. Agbeyegbe), Behre, Krüger, Heinicke – Kanter

Tore: 0:1 Kanter (33.), 0:2 Kanter (35.), 0:3 Heinicke (61), 1:3, 2:3

Spielerinnen des Spiels: war das gesamte Team – inklusive einer überragenden Frau zwischen den Pfosten und den Metern davor.

(Autorin: Johanna B.)

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14 Responses to Und wir so: Baaam!

  1. roman sagt:

    Wow !!!

  2. Alice sagt:

    Kleine Bemerkungen:
    – ist meine französische Wenigkeit unaufmerksam, oder fehlt tatsächlich die Beschreibung des zweiten Frohnauer Tors, das das Ende des Spiels brigittemässig spannend gemacht hat?
    – Möhring war im Startelf und wurde für Winterstein ausgewechselt (und nicht umgekehrt).
    – bei Julis Tor hab ich mitgefeiert! Bin nach vorne wir irre gerannt! Dadurch die mangelnde Kraft später vielleicht…
    An der Stelle danke à la Capitaine fürs Bericht und ans gesamte Team („inklusive der Frau zwischen den Pfosten, saustark Jenny!) für die unvergessliche Leistung! Und an den Trainer für die hochverdiente Bierdusche.

  3. Johanna B. sagt:

    Gesteht den Fehler ein. Richtig. Möhring inna Startelf.
    Das zweite Tor steht aber drin. Frohnau machte einen rein und dann folgte wenige Minuten der Anschlusstreffer. Gemeint ist hier das 2:3.

    Alice, beim dritten Torjubel warst Du möglicherweise tatsächlich mit vorne. Muss dich übersehen haben. Passiert mir manchmal. Excuses-moi.

  4. Susa sagt:

    Ich möchte auch nochmal betonen, dass ich bei Juli’s Tor natürlich nach vorne gelaufen bin und sie umarmt und abgebusselt habe. Hast du das nicht gesehen? Ansonsten gut gemacht Johannes. I like.

  5. Jen sagt:

    @ girls: Ich liebe Euch!!! … erneut @ Juli: Waaaaahnsinn! Die Frauen Hansa Geschichte hat ihr erstes Kopfballtor! und auch noch so ein schönes!!! @ Gritti: Johanna sagte es bereits, BÄÄÄM!!! @ all: ich bin so froh, dass wir wir sind!!!
    DANKE!!

  6. Steffen sagt:

    Gratuliere Mädels! Stark…

  7. Johanna B. sagt:

    Susa, wahrscheinlich ist mir der Unterschied zu sonst nicht aufgefallen. Hihi.

  8. Ben sagt:

    Sauber! Glückwunsch! Und wieder ein Kopfball-Tor….unglaublich!

  9. der Schroeder sagt:

    yeah!

  10. Ben sagt:

    Notiz an mich: Keine Kommentare mehr im Büro schreiben…..da kommt nur Blödsinn bei raus.

  11. marc sagt:

    Kantersieg, Kantersieg! Mensch, jetzt weiss ich auch, wo der Begriff herkommt! Ick freu mir immer wieder aufs Neue nen Ast, dass wir son duftet Frauen-Team im Verein ham. 🙂

  12. Grabowski sagt:

    na endlich…da warte ich die ganze zeit schon drauf…jetzt kann man endlich wat in euch investieren…n bündel roter zum anfang…und Horst wird eingeschläfert…ha!

  13. York sagt:

    … die Autorin hat’s bekanntlich nicht so mit Namen, obwohl Johanna M. nicht Johanna W. heißt und dazu noch auf dem Feld nicht zu übersehen war.
    @Team: unglaublich gespielt! Am Sonntag geht’s weiter!

  14. Johanna B. sagt:

    Anne?

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