4.Spieltag: FSV Hansa 07 II – Deportivo Latino 3:1 (1:1)

Torhüter bekleiden die sensibelste Position im Fußball. Zwar wird den Linksaussen stets nachgesagt, die verrücktesten Charaktere hervorgebracht zu haben, aber wohl kein Spieler kann so viel Einfluss auf den Spielverlauf nehmen, wie der Mann zwischen den Pfosten. Seine Leistungen können Mannschaften in kahnscher Manier bis ins Finale einer WM führen (2002) oder aber der Lächerlichkeit preisgeben, wie es einst Piplica mit seinem Kofpballeigentor getan hat. Vom Titan zum Pannen-Oli ist es meist nur ein kleiner Schritt.

Es lief die 68.Minute, als ein abgefälschter Schuss von Hasan Bektas eine ungewöhnliche Flugkurve nahm. Nicht hoch, nicht hart, aber mit viel Effet war das Rund unterwegs, sprang dem herbeieilenden Torwart entgegen, prallte kurz vor in-Empfangnahme noch mal auf dem Kunstrasen auf, hob plötzlich höher ab, als erwartet und machte sich einfach über den Kopf des Torwarts hinweg auf den Weg gen Tor, worin Momente später Ball und Torwart vereint Leder in Arm lagen. Hansa ging dadurch mit 2:1 in Führung. Eine spielentscheidende Szene.

Zuvor hatten die Zuschauer wenig Fußball, aber viel K(r)ampf gesehen. Die Heimelf war dauerhaft Feldüberlegen, jedoch schlecht organisiert und mit großen Mängeln in der Spielentwicklung. Deportivo lauerte auf Chancen, in denen sie ihre durchaus vorhandene Technik aufblitzen lassen konnten. Da Hansa wieder in das alte Fehlverhalten – den Gegner nicht frühzeitig aufzunehmen – verfiel, kamen die Gäste dem von Manne Gladis bewachten Hansa-Tor zu oft unangenehm nahe. Die erste gefährliche Situation führte dann auch prompt zur Gästeführung (13.). Ein langer Ball Richtung Sechzehner wurde per „hab-ich-hab-ich-nicht“-Kopfball halbherzig aber direkt vor die Füße eines Depor-Spielers geklärt, der sich aus 16 Metern nicht lange bitten ließ. Gegen den strammen Schuss war nichts zu machen. Zweites Heimspiel, zweiter Rückstand!
Hansa reagierte wütend, jedoch kopflos und unkoordiniert. Angriffe wurden nicht zu Ende gespielt, die Bewegung ohne Ball fand so gut wie nicht statt. Man konnte den Eindruck gewinnen, als ob die Frische am Abend zuvor an den Theken Kreuzbergs liegen geblieben wäre. Die Mannschaft wirkte körperlich und geistig müde. Aber wie es dann eben so ist im Fußball. Wenn aus dem Spiel heraus nichts geht, dann helfen eben Standards. Einen Freistoß aus dem rechten Halbfeld brachte Totti Gladis an den langen Pfosten, wo Paul Linke das machte, was er am besten kann, nach dem Ball grätschen. Der Towart konnte diesen Grätschenschuss nur nach Vorne prallen lassen, Hasan Bektas setzte nach und netzte zum Ausgleich ein (26.). Eine Fingerspitzen-Glanzparade von Manne Gladis verhinderte kurz darauf den erneuten Rückstand für Hansa.
Über dem Rest der ersten Halbzeit liegt der Mantel des Schweigens.

Hansa wechselte in der Halbzeit einmal und stellte die Formation um. Mehr Präsenz im Mittelfeld war erforderlich. Wieder übernahm Hansa gut drei Viertel des Platzes und Deportivo suchte sein Heil in Kontern. Nun wurde es etwas ansehnlicher, auch wenn noch weit weg von gut. Man konnte nun wenigstens spüren, dass die Hanseaten die drei Punkte in der Wrangelritze behalten wollten. Frei nach dem Motto „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“ biss sich Hansa ins Spiel. Der beste Spielzug des gesamten Spiels über drei, vier schnelle Passstationen landete am Ende der Kette beim völlig freistehenden Engin Kahraman, der das Leder aber aus fünf Metern direkt auf den Torwart platzierte. Dicke Chance vergeben! Hansa wechselte dann doppelt, um noch mehr Passsicherheit und Zug ins Spiel zu bekommen. Und dann kam die Eingangs beschriebene 68.Minute, die Hansa den Weg zum Sieg ebnete. Doch es war nicht so, als dass sich Deportivo einfach so in sein Schicksal ergab. Denn Hansa stand an diesem Tag nicht sattelfest, was die Gäste sehr wohl bemerkt hatten. Trotz Führung entblößte Hansa in zwei Situationen die eigene Hälfte, was jeweils zu Mann gegen Mann-Laufduellen über die Halbdistanz führte. Beim ersten Versuch gelang es Paul Linke und Manne Gladis gerade noch, den Stürmer so zu irritieren, dass er doch am Tor vorbeischoss. Den zweiten verlorenen Lauf kratzte Ben Fischer mit der Piecke von der Linie. Die beiden Angstmomente glücklich überstanden, setzte Hansa kalt zum Entscheidungsschlag an und wieder war es eine Standardsituation. Eines von vielen kleinen Fouls führte zu einem Freistoß an der linken Strafraumecke. Engin Kahraman schnibbelte den Ball in die Mitte und Dirk Lauer lenkte das Spielgerät mit dem Kopf ins lange Eck. Das war der Schlusspunkt in diesem Spiel. Deportivo hatte nichts mehr zuzusetzen und Hansa besann sich die letzten Minuten auf die Kontrolle des Spiels.

Der Abpfiff glich einer Erlösung. Außer den drei Punkten hat Hansa die Erkenntnis gewonnen, dass die Mannschaft solche Spiele in der letzten Saison noch verloren hat. Es tut sich was im Wrangelkiez!

Aufstellung: M.Gladis – Steinfeld, Fischer, Linke, T.Gladis (46.Siegel) – Giese (63.Kreischer), Meiser (63.Lauer), Ewald, Wegerhoff – H.Bektas, E.Kahraman

Tore: 0:1 Espinoza (13.Rechtsschuss), 1:1 H.Bektas (26.,Rechtsschuss,Linke), 2:1 H.Bektas (68.,Rechtsschuss), 3:1 Lauer (81.,Kopfball,E.Kahraman)

Karte/n: Fischer, Linke (Gelb wg. Meckern/Beschweren oder Ähnlichem)

Spieler des Spiels: Manne Gladis – der immer da war, wenn er gefordert wurde und die Mannschaft zweimal vor Rückschlägen bewahrte.
Hasan Bektas – der vor allem in der zweiten Halbzeit das Heft in die Hand nahm, viel arbeitete und das Glück zwang.

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5 Responses to Vom Glück der unberechenbaren Flugkurve

  1. roman sagt:

    3 Punkte!!!

  2. christian sagt:

    weiter so, jungs! ein aufsteiger gewinnt auch die schwachen spiele! go on, hansa!

  3. Ben sagt:

    Für die Wochenendplanung:
    Wir spielen am Samstag um 13 Uhr.

  4. marc sagt:

    bei Tasmania Gropiusstadt!

  5. hollaender sagt:

    Hasan trifft?!!! 🙂
    Forza Hansa…!

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