(Turnierbericht Zeughof United vom Mai 2014)

Schottland – eine schöne und abwechslungsreiche Reise zu den Bravehearts. Kampfbetonter „Vor-Jogi-Fußball“, nicht schön, aber abwechslungsreich. Dazu schöne Pubs – lange Nächte, Folk Musik, Whiskey und des nachts Frauen mit nackten Beinen bei knapp 10 Grad.
Was könnte das noch toppen?

Vielleicht als Kontrast der Süden, aber nicht zu heiß. Gut erreichbar und keine lange Flugzeiten. Fussballbegeistert, Kneipenkultur und herzliche Menschen – gerne auch direkt oder knorrig. Dialekt? Kein Problem – in Schottland haben wir auch nur die Hälfte verstanden …

Wo es das gibt im eigenen Land? Nur im Frankenland, hieß es unisono aus den stets nach Rhabarber- statt nach Gerstensaftschorle dürstenden Kehlen unserer 3 fränggischen Offensivkräfte Bernd, Gil und Tom.

Einen Organisator, einen Kenner der dortigen Szene hatten wir schnell gefunden: Bernd! Ein Südländer, fußballversessen, geerdet mit besten Kontakten in die alte Heimat.

Unser erstes Ziel war Bamberg auf dem Weg in das fränkische Hoheitsgebiet. Ein Juwel in der bundesdeutschen Stadtlandschaft.
Dank des dort heimischen Fliesenlegermeisters Stefan M. alias Silikon, konnten wir schnell die regionalen Geheimadressen ausfindig machen, um das wohl beste Bier dieses Planeten zu verkosten. Auch der kleine Metzger in der Innenstadt, zu dem Handwerker aus der ganzen Region pilgern, konnte durch authentische Köstlichkeiten wie Leberkäswecken (LKW) und Bratwurst überzeugen. Und das ganze zu Preisen, die für uns Berliner aus einem längst vergangenem Jahrhundert scheinen.

Bei der Überlandfahrt am nächsten Tag von Bamberg nach Würzburg zeigte sich das fränkische Territorium von seiner schönsten Seite.
Mit hübschen Dörfern, sanften Hügeln und malerischen Flusslandschaften.

In Würzburg angekommen, ging es dann auch gleich auf den Fußballplatz der Bereitschaftspolizei (der sogenannte Bepo-Platz, ausgesprochen Bebbo). Der „Platzwart“ Hartmut kam pünktlich mit seinem historischen Motoroller, um uns das Tor zu öffnen und uns in die hiesigen Platzregeln einzuweisen. Ein Mann mit Connections, gutem Musikgeschmack und einer der Väter des jährlich stattfindenden U&D-Festivals in Würzburg, nebenbei ist der Tausendsassa auch noch Leiter vom Stadtjugendamt und FCK Fan (!).

Da sich mehr als genug Spieler aus zwei Würzburger Freizeitmannschaften und Zeughof Utd. einfanden , konnten wir drei Mannschaften aufstellen und ein kleines Turnier spielen. Unser Alterdurchschnitt (40/50+) konnte wegen der vielen, sehr viel jüngeren, antrittschnellen Spieler, die an dem Turnier teilnahmen, rasch wieder auf ein ansehnliches Niveau gesenkt werden.

Ja, was soll man sagen? Wir hatten einen großartigen Frühstart ins Turnier, das erste Spiel haben wir 1:0 gewonnen. Frühes Tor durch Greg und dann catenaccio. Hat super geklappt, aber sehr viel Kraft gekostet. Es war sehr, sehr heiß. Von den gegenüber liegenden Weinbergen strahlte die Maiensonne erbarmungslos auf unsere schütteren Schädel.
Danach ging es leider bergab, auf ein Fastnochunentschieden folgten zwei klare Niederlagen.
Selbstkritisches Fazit unseres wackeren Aushilfstorwarts Thommy, der eigentlich lieber Tore schießt:
Spielerisch haben wir noch Luft nach oben, auch der Torwart kann mehr, aber mit dem dritten Platz können wir zufrieden sein.

Und noch ein Satz, der in Stein gemeisselt jedes Strassenkicker-Vereinsheim zwischen Helsinki und Rio zieren könnte…
Eine Grunderkenntnis, die wir akzeptieren müssen, bleibt:
Saufen und Fußball passt gut zusammen, wenn die anderen älter sind und mitbechern.

Am nächsten Tag folgte das Auslauftraining und Wundenlecken in Gnodtstadt beim Düll, auch „Schwarzer Adler“ genannt. Eigenes Bier, Schäufele, Bratwurst, Hopfensprossen.
Der Nachbar macht das Brot, der Chef das Bier und der Sohn die Küche.

Danach ging es mit Wehmut zurück in die Hauptstadt.

Beim Organisieren haben geholfen und daher gilt besonderer Dank an:
Hufy, Olly, Benjamin Wagner, Jure, Max Schmitt, Hartmut und allen voraus Bernd und der Gil.

Kleine touristische Zugabe:

Wen es interessiert und wer vielleicht Lust auf Würzburg bekommen hat, hier unser Abend- und Nachtprogramm – echte Hot Spots…

Auf der „Alten Liebe“ im stillgelegten Main-Hafen haben wir das DFB- Pokalendspiel sehen können- eigentliche nächtliche Aufgabe des Schiffs: schwimmende Disko mit Türstehern und allem.

Gegenüber: der „Zauberberg“, Biergarten mit Disko. Sehr urig

Ein Muss: Kulturspeicher – mit Avantgarde-Konzert im kleinen Kreis.

Hinter dem Kulturspeicher vertäut liegt die „MS Zufriedenheit“, ein cooler Club, geleitet von Mitspielern des Turniers mit HipHop, Live Musik und Blick auf die Festung. So kamen wir älteren Semester in den Genuss eines reimstarken Feminist-Battles, an dem u.a. Sookee, the Quing of Berlin, teilnahm.
CD-Tip „Lila Samt“, Preis VH.

 

30.09.2014
Autorenkollektief Zeughof United:
der Reiner, Gil, Bernd, Thommy, Gregor
Fotos von Gregor

 

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