3.Spieltag: FSV Hansa 07 II – SV Chemie Adlershof II 4:1 (1:0)

Stell dir vor es ist Spieltag und kein Schiedsrichter kommt! Dafür benötigt man in der Kreisliga C, der tiefsten Vertiefung des deutschen Leistungsfußballs, keine besonders ausgeprägte Fantasie. Wo hingegen der Herr Spielleiter abgeblieben war, eröffnet geradezu ein cineastisches Feuerwerk im Kopf. Auf alle Fälle war er nicht in der Wrangelritze zum Dienst angetreten, aber stattgefunden hat das Spiel auch ohne ihn.

Dazu muss man vielleicht kurz erklären, dass es, sollte keine Schiedsrichter erscheinen, zunächst das Recht des Gastes ist, einen Spielleiter aus seinen Reihen zu bestimmen. Lehnt der Gast das Privileg ab, darf das Heimteam ran. Wollen beide nicht, muss das Spiel neu angesetzt werden. Adlershof aber nahm die Verpflichtung an und bestimmte den Trainer der 1.Herren, der wohl vermutlich nur zur Beobachtung anwesend war, zum Spielleiter.
Die Hanseaten, die in der Vergangenheit mit solchen Situationen eher schlechte Erfahrungen gemacht hatten, nahmen sich vor brav zu sein, ihr Mundwerk zu halten und dem Mann mit der Pfeife mit Respekt zu begegnen. Es sei vorweggenommen, dass dies gelang und Herr Kornmesser wohl auch in Zukunft ein gerngesehener Gast in der Wrangelritze sein wird, leitete er die Partie doch mit einer phänomenalen Gelassenheit, großer Souveranität und absoluter Neutralität. Vielen Dank dafür.

Das Spiel begann mit hanseatischem Offensivdrang. Eine Umstellung im System hatte eine zweite Spitze hervorgebracht, die für mehr Ballbesitz in des Gegners-Hälfte sorgen sollte. Und dies funktionierte prächtig. Hansa war sofort Herr im Haus. Behauptete gut den Ball, arbeitete viel ohne diesen, spielte geduldig, aber suchte auch das Risiko. In der 7.Minute dann der erste Aufreger, als Hasan Bektas nach einem grusligen Abwehrfehler plötzlich alleine vor dem Torwart auftauchte, aber an diesem scheiterte. Wenige Minuten später war es wieder Hasan Bektas, dem eine abgefälschte Bogenlampe vor die Nase fiel, doch leider brachte er das Kunststück fertig, den Ball aus drei Metern Torentfernung Vollspann an die Latte zu knallen – weiter 0:0. Gute Chancen folgten daraufhin vorerst keine mehr, aber Hansa hatte weiterhin alles im Griff. Es bedurfte dann eines Kuriosums, damit Hansa in Führung gehen konnte. Eine flache Hereingabe von Engin Kahraman, wurde abgefälscht, sprang in die Höhe, der Torwart wähnte den Ball im Aus, griff nicht mehr ein und Max Ellner spitzelte das herunterfallende Spielgerät ins Tor. Die Führung für Hansa. Nicht eben schön, dafür aber selten und vor allem verdient. Und weiter gings Richtung Chemie-Tor. Der emsige Engin Kahraman, wurde im Straumraumeck gelegt, Pfiff, Elfmeter. Leider wackelte, der sonst so sichere Roman Emmerling und vergab die Chance zum schnellen 2:0. Bis zur Pause blieb das Bild das Gleiche. Chemie Adlershof kam kaum aus der eigenen Hälfte und konnte sich glücklich schätzen nur mit einem 0:1 in die Kabine zu gehen.

Gelobt, aber auch gewarnt wegen des engen Ergebnisses kam Hansa zurück auf den Platz. Adlershof erwischte den besseren Start, war nun wesentlich agiler und bemüht das Spiel der Hanseaten früher zu stören – was gelang. Doch erst mal störten sich André Tucic und Steffen Hoffmann gegenseitig und eröffneten dem einzigen Chemie-Stürmer, mit „Kultfigur“-Potential, Krause die Möglichkeit zum Ausgleich. Doch Keeper Christian Haberecht konnte zeigen, dass er auch mitspielte. Vom eigenen Fehler erschreckt, geriet Hansa aus dem Gleichgewicht. Die Folge – der Ausgleich. Eine Ecke segelte in den Fünfmeterraum, titschte einmal auf und besagter Stürmer Krause hielt den Kopf hin. Torwart Haberecht lenkte den Ball an die Latte, von dort fiel er wieder auf den nun am Boden liegenden Torhüter und plumpste hinter die Linie. Unfassbar.
Aber die Hanseaten schüttelten sich ordentlich und kehrten wieder die breite Brust heraus, die sie schon in der ersten Halbzeit vor sich hergetragen hatten. Nur fünf Minuten nach dem Ausgleich die neuerliche Führung. Nach einem Kahraman-Freistoß von rechts, schraubte sich Paul Stankowski in der Mitte in die Höhe und köpfte den Ball unter die Latte. Alles wieder im Lot. Aber es blieb kitzelig und ab und an, tauchte Adlershof auch in der Nähe des Hanseaten-Tores auf. Glücklicherweise mussten die Anhänger von Hansa jedoch nur noch einmal kräftig schlucken, als ein Schuss aus halblinker Position Höhe des Fünfmeterraums knapp am Tor vorbeistrich. Auf der anderen Seite vergab Hansa den ersten Matchball, weil ein Pass von Engin Kahraman auf den in der Mitte lauernden und einschussbereiten Hasan Bektas nicht ankam. Immer wieder scheiterte Hansa mit einem Schuss an einem Abwehrbein oder am eigenen ungenauen Anspielversuch. Zehn Minuten vor dem Ende dann die Entscheidung. Hasan Bektas schickte Engin Kahraman mit einem schönen Anspiel in die Tiefe auf die Reise und dieser behielt vor dem herauseilenden Torwart die Nerven und überlupfte diesen zum 3:1. Große Erleichterung machte sich breit. Zwei Minuten später wieder ein Pass in die Tiefe und dieses Mal in den Lauf von Paul Stankowski, der sich erfolgreich einen Verteidiger vom Leib hielt und flach links unten einnetzte. Danach boten sich vor allem André Tucic noch zwei gute Gelegenheiten sogar noch den fünften Treffer zu erzielen, aber so blieb es am Ende beim auch in der Höhe verdienten 4:1-Erfolg der Hanseaten.

Der erste Dreier der Saison ist in Sack und Tüten. Nächste Woche reist Hansa zum SSC Südwest nach Steglitz.

Aufstellung: Haberecht – J.Kohl (73.Kreischer), Linke, Hoffmann, Meiser – Ellner, Tucic, Emmerling (73.Redders), Stankowski – H.Bektas (81.Strauss), E.Kahraman

Karte/n:

Tor/e: 1:0 Ellner (25.Rechtsschuss,E.Kahraman), 1:1 Krause (52.,Kopfball), 2:1 Stankowski (57.,Kopfball,E.Kahraman), 3:1 E.Kahraman (80.,Rechtsschuss,H.Bektas), 4:1 Stankowski (82.,Rechtsschuss,E.Kahraman)

Spieler des Spiels: Aus einer geschlossenen Mannschafstleistung muss man Engin Kahraman, der an allen Toren beteiligt war und Paul Stankowski, dessen unglaubliche Dynamik für viel Druck gesorgt hat, herausheben.

[ratings]

 

6 Responses to Wanted: Schiedsrichter!

  1. dirk sagt:

    sehr schöner bericht, danke Marc.

    @ Engin: Respekt, an allen Toren beteiligt, saubere Leistung
    @ Roman: 11er Lusche 😉
    @ Marc: Danke für die Systemumstellung, als nächstes wäre dann der Liber…hust…ich hab was im hals
    @ Mannschaft, danke das ich einen geilen Derbytag genießen durfte.

  2. Kohl, der sagt:

    Herzlichen Glückwunsch Jungs!!!! Sehr Fett!!!

  3. roman sagt:

    sorry leute…
    irgendwie seltsames spiel gewesen hansa 2 mit gefühlten 90% ballbesitz trotzdem aber ne zitterpartie bis kurz vor schluss. was mich aber total stutzig macht ist:
    1. keine offene blutigen knie
    2. die vier treppen heute morgen waren fast schmerzfrei
    (3. der elfer)
    das ist montags sonst immer völlig anders
    egal, hauptsache 3 punkte…
    weiter gehts…

  4. Ben sagt:

    Glückwunsch Jungs!
    Ein Omen dass ich öfter fern bleiben sollte?

  5. paule sagt:

    Und jetzt die Weltherrschaft!

  6. Kai sagt:

    Klasse!Glückwunsch!

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