4. Spieltag: FSV Hansa 07 – FC Treptow 8:0 (2:0)

Oft reicht ein Blick in die Gesichter, um alles Wesentliche über ein Fußballspiel zu wissen. Und das breite Grinsen, das Hansa-Kapitän Nils Kischlat nach dem Abpfiff und vermutlich für den Rest des Tages aufsetzte, machte da keine Ausnahme. ACHT zu NULL – gegen ein Team, das in der Vorwoche noch einen Landesligisten aus dem Pokal gekegelt hatte und allgemein zu den stärkeren in der Liga gezählt wird. ACHT Tore – und einige davon richtige Schönheiten! NULL Gegentore – zum vierten Mal in vier Saisonspielen! Gute Gründe mal wieder einen Spielbericht über die Erste zu verfassen.

Das Spiel begann mit einem Start nach Maß: Hansa suchte gleich die Initiative und präsentierte sich sehr ballsicher. So dauerte es nur bis zur 5. Spielminute, bis Julius Mattmüller in zentraler Position 30 Meter vor dem Tor an den Ball kam und einen dieser Bälle in die Schnittstelle spielte, die irgendwie lasch aussehen, die beinahe sinnfrei dem Torwart entgegenrollen, und doch absolut tödlich sind. Kurz bevor der Treptower Keeper den Ball erreichen konnte kam nämlich Paul Konlok-Gweth herangerauscht, spitzelte den Ball am Keeper vorbei, und vollendete trocken ins leere Tor – 1:0!

Auch danach spielte nur Hansa und setzte den Gegner früh unter Druck. So war auch das 2:0 in der 18. Minute nicht unverdient, wenn auch der Kopfball von Konlok-Gweth selbst in der Kreisliga an nicht als unhaltbar gelten muss. Sei es drum, Hansa arbeitete, Hansa spielte, Hansa führte verdient. Allerdings vergaß man weiter zwingend zu bleiben, so dass die ganz großen Chancen nun ausblieben und auch Treptow sich gelegentlich nach vorne wagte. In den letzten zehn Minuten der ersten Hälfte war es dann auch ein ausgeglichenes Spiel mit einer guten Chance für Treptow kurz vor dem Halbzeitpfiff, die aber Keeper Flo Willmann durch zweimaliges beherztes Herumspringen vereiteln konnte. So ging es mit 2:0 in die Pause und man musste doch das Gefühl haben, dass das Spiel noch längst nicht entschieden war.

Das dachten sich wohl auch die Treptower, die nun entschlossen aus der Kabine kamen und auf den Anschlusstreffer drängten. Dies wäre beinahe belohnt worden, doch zwei Großchancen wurden entweder im letzten Moment geblockt oder neben den Kasten gesetzt. Es fehlten nur Zentimeter, und es wäre wohl ein ganz anderes Spiel geworden. Doch dann hatte Hansa nach 54. Minuten Ecke, schlug den Ball hoch rein, stocherte wild hinterher und brachte den Ball dabei über die Linie, was von Außen nicht zu sehen war, von Schiri aber – wohl richtig – erkannt wurde. Und als nur drei Minuten später Julius Mattmüller einen Freistoß aus knapp 30 Metern an die Latte nagelte, und Felix Eckert den Abpraller per Kopf verwertete, war das Spiel plötzlich zu Gunsten von Hansa entschieden.

Treptow gab sich zwar nicht auf und versuchte weiter, einen eigenen Treffer zu erzielen, offenbarte dabei aber immer wieder größere Lücken in die Hansa nun gnadenlos hineinstieß. Paul Konlok-Gweth spielte Katz und Maus, Julius Mattmüller spielte überragende Bälle, und der Rest des Teams spielte verdammt stark. Ein Doppelschlag in der 66. und 67. Minute stellte den Spielstand auf 6:0 und die weiter kämpfenden Treptower begannen einem Leid zu tun. Dies dachte sich wohl auch der Schiedsrichter, der sich wenig später geschickt in die Schussbahn schlich, als Konlek-Gweth aus gut 14 Metern abzog und alle schon den Torschrei auf den Lippen hatten. Hansa war nun vom Spielstand und der eigenen Leistung nahezu berauscht und erkonterte sich zahlreiche weitere Chancen. So fiel das 7:0 durch Lucien Ewald irgendwie zwangsläufig und doch – der heimliche Höhepunkt des Spiels sollte noch folgen.

In der 89. Minute hatte Hansa noch einmal Ecke und als der Ball abgewehrt wurde und bei Julius Mattmüller landete, rechnete niemand mit dem was dann passierte. Bedrängt von einigen Treptowern legte Mattmüller den Ball zurück auf den eingewechselten Moritz Kickel, der aus ca. 25 Metern und mit nur zwei Schritten Anlauf ein Tor von solcher Wucht und Schönheit erzielte, dass man für einen kurzen Moment doch zum Fan flächendeckender Videoüberwachungen werden könnte. Ein Tor voller Kraft und Eleganz – und leider mit Worten nicht angemessen zu beschrieben und auf keinem Video der Welt festgehalten. Es war die geilere Version von Folgendem: Der Ball zischt wie ein Strich Richtung Treptower Tor. Mit einem lautem *plonk* knallt der Ball – oben im rechten Winkel – gegen die Unterkante der Latte. Der Ball springt von der Latte hinter die Linie und hätte ihn nicht das Netz aufgehalten, wäre er steil nach oben und weit über den Fangzaun hinterm Südtor geflogen. Und die begeisterte Hansa-Bank stellte fest, dass sie kollektiv schreiend auf den Platz gelaufen war.

So endete ein bemerkenswertes Spiel der Ersten von Hansa, das zugleich auch noch die Tabellenführung brachte und mit 12 Punkten und 17:0 Toren nach vier Spielen aufhorchen lässt. Und doch muss eines gesagt werden: Treptow war nicht acht Tore schlechter und wenn kurz vor oder nach der Halbzeit ein Gegentreffer gefallen wäre, wären niemals acht Tore gefallen, schon gar nicht alle für Hansa. Es war ein Spiel wie es maximal einmal pro Saison vorkommt. Ein Spiel wo einfach alles gelingt, wo alles passt. Das Spiel hat es jetzt gegeben. Aber es kommen leider noch 26 weitere in dieser Saison.

Aufstellung: Willmann – Schroeder (71. Möller), Kischlat, Strzoda, Honum (51. Kickel) – Land – Konlok-Gweth, Eckert (63. Fröhlich-Gildhoff), Ewald, Schulte – Mattmüller.

Tore: 1:0 Konlok-Gweth (5.), 2:0 Konlok-Gweth (18.), 3:0 Ewald (54.), 4:0 Eckert (57.), 5:0 Ewald (66.), 6:0 Konlok-Gweth (67.), 7:0 Ewald (79.), 8:0 Kickel (89.).

Hansa-Spieler des Spiel: Julius Mattmüller, der seine Mitspieler wunderbar in Szene setzte und fünf oder sechs der Hansa-Tore vorbereitete.

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