19. Spieltag: Frohnauer SC – Hansa 07 4:1 (1:1)

Kurz nach dem Spiel waren einige Hanseaten kaum mehr zu bändigen. Tumultartige Szenen spielten sich um die Mannen von Trainer Ali Ilhan ab, einige wollten dem Schiedsrichter an den Kragen und konnten nur noch mit Mühe von Betreuer Eddie davon abhalten werden. Ungefähr zwölf Minuten zuvor hatte beim Spielstand von 1-1 der Schiedsrichter, der zu diesem Zeitpunkt bereits jegliche Spielkontrolle sowie Autorität verloren hatte, nach einem Zweikampf zwischen Eric Vissers und einem Frohnauer Spieler auf Eckball entschieden, obwohl es Abstoß hätte geben müssen.

In J. D. Salingers Erzählung „Hebt den Dachbalken hoch, Zimmerleute“, beschreibt der Autor wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass bei sechs Würfen sechsmal die Eins erscheint und im Gegensatz die Wahrscheinlichkeit einer Eins bei 6.000.000 Würfen, nämlich in etwa 1.000.000 Mal. Hätten beide Mannschaften sich vor dem Spiel darauf geeinigt, jede strittige Situation auszuwürfeln, hätte nach dieser und allen kosmisch möglichen Wahrscheinlichkeitsrechnungen die selbige auf eine richtige Entscheidung höher gelegen als mit der heutigen Variante. Nun ist es ziemlich einfach und sehr beliebt, die Schuld beim Schiedsrichter zu suchen. Das soll hier nicht geschehen. Dennoch sollte man darauf aufmerksam machen, dass der Schiedsrichter in vielen Szenen, zumindest eine sehr unglückliche Figur abgab. Hansa seinerseits konnte nicht an die Leistung der Vorwoche anknüpfen; vor allem das Fehlen des Topstürmers Jörg Weikardt war der Mannschaft anzumerken. Zudem wurden Andreas Rauch und Jesko Borchert schmerzlich vermisst. Trotzdem war die Leistung bis kurz vor Schluss solide und in Ordnung.

Der Tross litt bei der Anreise an akuter Links-Rechtsverirrung und erreichte den Gästeplatz erst ca. 30 Minuten vor Spielbeginn. Da die Hausherren aber die Stutzen austauschen mussten, verschob sich der Anstoß um 15 Minuten. Ein ordentliches Warmmachen war also gewährleistet. Frohnau begann nur mit 10 Mann, weil ein Stammspieler noch unterwegs war. Dieser kam dann in der 9. Minute, gerade pünktlich um das 1-0 zu bestaunen. Nach einer Ecke wurde der Ball von Hansa zu kurz abgewehrt, kam prompt wieder zurück in den Strafraum, die Hansaabwehr war zu weit aufgerückt, sodass der Stürmer überlegt über den herauseilenden Rico Selk ins Tor heben konnte. Einige Hanseaten wollten hier eine Abseitsstellung erkannt haben. Die Schwarz-Gelben erspielten sich nach dem Rückstand mehr Spielanteile und hatten ihrerseits einige gute Ansätze, vor allem von links über „Pauli“ Selk oder auf der Gegenseite von Halil Duman. Leider fehlte noch etwas Fortune.

Das Spiel wurde jetzt von kleinen Nickligkeiten und Freistößen im Mittelfeld bestimmt. Der einzige Hansafan (Fotos, Tom?) stand in dem nun einsetzenden Regen, der auch danach nicht für die nötige Abkühlung sorgen sollte, denn in den nächsten Minuten erhitzten sich die Gemüter langsam auf Temperatur: Ein Abschlag von Rico Selk wurde von einem Frohnauer Verteidiger falsch berechnet, Ercan Öktem wand sich um ihn rum und lief allein Richtung Tor, wurde aber zur Überraschung aller zurückgepfiffen, wechselweise wegen Foul oder Abseitsstellung. Die finale Entscheidung steht noch aus. Hansa stand jetzt hinten um Thomas Schachner, Eric Vissers, Akgün Akdogan und Ilhami Çatal sicher und leitete einige vielversprechende Angriffe ein. Letzterer hätte nach einer Frohnauer Kerze im Strafraum und dem darauffolgenden Fallrückzieher eines Hanseaten die Kugel nur über die Linie drücken müssen, verpasste aber wie Freund und Feind und das Leder trudelte parallel zur Torauslinie ins Seitenaus.

Den nächsten Angriff schloss Hansa bilderbuchhaft ab. Der starke Engin Kahraman wurde vom Cengiz Yücel freigespielt und bediente mit einer mustergültigen Flanke Ercan Öktem, der den Ball ins Tor nickte. Die Freude dauerte nur 1,3 Sekunden. Der Schiedsrichter wollte tatsächlich eine Abseitsstellung erkannt haben. Sogar den Frohnauern entlockte diese Entscheidung ein verstohlenes Lächeln. In der 43. Minute dann tatsächlich Gerechtigkeit: eine Schussflanke von Muhammet „Mo“ Bektaş fälschte ein Frohnauer Verteidiger unhaltbar ins lange Eck ab. Der Ausgleich zum 1-1 zu einem psychologisch wichtigen Zeitpunkt.

Hansa nahm sich in der Halbzeit einiges, vor um nicht zuletzt Schachis Frau wieder glücklich zu machen und begann die zweite Hälfte dementsprechend. Auch der Schiedsrichter hatte sich augenscheinlich einiges an Wiedergutmachung vorgenommen und pfiff den Frohnauern in der Anfangsviertelstunde nahezu alles ab. Konzessionsentscheidungen oder Freistoßpfiffe als verspätete Antwort auf freche Kommentare nahmen überhand. Bis zur 60. Minute. Öktem ging nach einem Techtelmechtel mit einem Frohnauer Spieler (Telefonnummer ist bekannt) und dem darauffolgenden Bodycheck zu Boden und beschwerte sich beim Schiedsrichter, der mit einem lapidaren „lassen Sie sich doch auswechseln“ antwortete. Daraufhin beschwerte sich Öktem beim Gegenspieler: „Dein Verhalten ist höchst unsportlich und asozial“ (Kurzform: „Du Assi!“) und wurde darauf mit Signalrot des Feldes verwiesen.

Auch hier griff eine alte Fussballweisheit und Hansa kam zu einigen guten Möglichkeiten. In der 75. Minute bediente Bektaş den sträflich allein gelassenen Cengiz Yücel, der den Ball wunderbar über den Torhüter hob. Leider war auch das Quergestänge heute nicht für Hansa und so kam es kurz danach zur eingangs beschriebenen Szene. Der ansonsten wachsame aber gegen Ende glücklose Keeper Rico Selk unterlief die darauffolgende Ecke, sodass Frohnau auf 2-1 erhöhte und in die Siegerstraße einbog. Zwei Minuten später: wieder Ecke für Frohnau und nach ähnlicher Situation und einer zu kurzen Abwehr in die Mitte zappelte das Leder zum 3-1 in den Maschen. Sekunden vor dem Abpfiff standen zwei Frohnauer so weit im Abseits, dass sogar der Anhang der Hausherren von außen lautstark darauf plädierte. Rico Selk erlief sich den Ball, es kam zu einem Zusammenstoß knapp außerhalb des Strafraums. Seiner Logik folgend entschied der Würfel auf gelbe Karte und Strafstoß, woraufhin nur noch der eingewechselte Asker Karayel protestierte, alle anderen betrachteten die Messe als bereits gesungen. Der fällige Elfmeter wurde dann sicher zum Endstand verwandelt. Dass Akgün Akdoğan kurz zuvor als Neukaledonier bezeichnet wurde, darf womöglich nur auf Kenntnisdefizite des Frohnauer Spielers zurückgeführt werden.

Nüchtern betrachtet ist eine Auswärtsniederlage beim Tabellenfünften kein Beinbruch, dennoch war heute wieder mal mehr drin. Es sollte wohl einfach – siehe Wahrscheinlichkeitsrechnung – nicht sein. Nun heißt es am nächsten Wochenende die heute liegen gelassenen Punkte wieder einzufahren und den mitgenommenen Sand nicht in die Ohren zu stecken.

Aufstellung: R. Selk – Schachner, Akdogan, Catal (80. Karayel), Vissers – A. Selk, Yücel, M. Bektas, Duman – Kahraman, Öktem.

Tore: 1:0 (9.), 1:1 M Bektas (43., Schussflanke), 2:1 (80.), 3:1 (82.), 4:1 (88., FE).

Karten: R. Selk (gelb, Foul), Bektas (gelb, Foul), Schachner (gelb, Foul), Akdoğan (gelb, Meckern), Öktem (rot, Beleidigung)

Hansa-Spieler des Spiels: Thomas Schachner – stand hinten immer gut und strahlte Sicherheit aus. Motivierte die Mannschaft und war ein hervorragender Leitwolf.

Tabellenplatz: 12.

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9 Responses to Würfelspiele

  1. roman sagt:

    oh mann, das klingt ärgerlich. spitzen bericht – scheiß ergebnis

  2. eric sagt:

    gute bericht joe.
    diese niederlage schnell vergessen, im training verbessern, und nächstes spiel siegen!
    HANSA!

  3. capitano sagt:

    Du Assistent, wolltest du sagen, oder?

  4. akgün sagt:

    Guter Bericht, Jo! *grins*

  5. Ercan sagt:

    @capitano
    exakt das wollte ich sagen .-)

  6. Schachi sagt:

    Klasse Bericht Joe! Danke nochmal das du das übernommen hast!!

  7. Schachi sagt:

    Ach ja noch was, meine Frau war nicht unglücklich, denn eigentlich war ich mit unserem Spiel zufrieden, denn man konnte nicht sagen, dass nicht jeder bei Hansa an diesem Sonntag gewinnen wollte. Es hat leider einfach an diesem Tag nicht gereicht, aber wir werden unsere Punkte holen, wenn wir so weiter machen wie die letzten beiden Spiele!

  8. rico sagt:

    Da stimm ich Schachi zu. Der Wille und Einsatz hat gestimmt. Ich werde mir dann fürs nächste Spiel Armverlängerungen organisieren 😉

  9. Murat sagt:

    Hallo Leute, schade dass es diese Woche nicht gereicht hat, aber wenn ich das richtig erlese, stimmte der Einsatz.
    Ich verfolge das ganze weiterhin und fiebere mit Euch mit.
    Laßt nicht die Köpfe hängen und weiter so…

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